Humorvoll, skurril und zeitkritisch zugleich


„Humor ist eine Waffe“, hat Erwin Wurm einmal gesagt. Doch er versteht sich nicht als Humorist. Vielmehr setzt er seinen Witz ein, um den „Alltag aus einer anderen Perspektive“ zu zeigen.


Die Albertina Modern in Wien zeigt anlässlich seines 70. Geburtstages eine Retrospektive des österreichischen Künstlers mit vielen Skulpturen, voll von skurrilem Humor getragen. So sitzt beispielsweise eine Handtasche, die einem Klassiker von Hermes mit einem Wert von etwa 7000 € täuschend ähnlich ist, balancierend auf zwei ultraschlanken Beinen. Eine Gruppe von Würstchen stellt er eng umschlungen wie in einem erotischen Tanz dar.
Wurm kippt die gewohnte Wahrnehmung der uns umgebenden Realität und eröffnet mit seinen Kunstwerken Möglichkeiten, neue Perspektiven und Fragen aufzuwerfen: Was passiert, wenn ich die Schwerkraft missachte, was, wenn Häuser zu schmelzen beginnen.


Schon 2017 hatte er den Auftrag zur Gestaltung des österreichischen Pavillons auf der Biennale in Venedig. Er stellte davor einen echten LKW, jedoch senkrecht mit der Front auf den Boden, so dass er eine permanente Angst auslöste, er könne sofort umkippen.

Auf der aktuellen Ausstellung zeigt Wurm Modelle berühmter Gebäude, die zusammenschmelzen.
Aus einem sonst flotten Cabrio wird ein aufgequollenes üppiges Luxusauto; ein „Fat Car“ als Symbol von Gier, Überfluss und Warenfetischismus in unserer Gesellschaft.


Der Künstler arbeitet auch mit performativen Interventionen. Einige Skulpturen laden explizit zu Interaktionen ein. Das nennt Wurm: „one minute sculptur“ . Besonders Jugendliche haben eine große Freude dabei, darauf herumzuklettern und sich selbst zum Teil der Kunstwerke zu inszenieren.


Das Paradoxe und Absurde unserer Welt möchte er auch beleuchten. Erwin Wurt baut menschliche Figuren, lässt aber die Körper einfach weg, so dass lediglich die Kleidung als geisterhaftes Relikt wie ein Phantom zurückbleibt.



Die Ausstellung lädt Besucherinnen und Besucher ein, insbesondere das Paradoxe und Absurde unserer Welt, unseres Lebens und Alltags zu reflektieren, was enorm viel Freude macht, ohne banal zu werden.
ALBERTINA modern, Wien; 13.Sept. 2024 bis 9.März 2025










