Die eigentlichen Schätze der Art Basel


Ein großartiger Bestandteil der ART Basel ist in jedem Jahr die riesige Ausstellungshalle „UNLIMITED“. Zwar sind grundsätzlich auch diese Kunstwerke vekäuflich, doch vor allem bietet sich hier für außergewöhnlich große Werke die Möglichkeit gesehen zu werden.
Es ist ein wahrer Augenschmaus, durch die Halle zu wandeln und sich permanent von einem weiteren Kunstwerk begeistern zu lassen.


Auch kommt es zu Begegnungen mit Künstlern. Hervorzuheben ist in diesem Jahr Michelangelo Pistoletto. Von dem 91 jährigen italienischen Maler, Aktions- und Objektkünstler wird eine Kombination zweier Installationen gezeigt. 2016 zerstörte er im Rahmen einer Performance 24 Spiegel und setzte die Teile so zusammen, dass darunter jeweils das Wort RESPEKT in verschiedenen Sprachen erscheint. Die Spiegel umrahmen einen Spiegelglastisch aus dem Jahr 2002 in der Form des Mittelmeeres. Darum stehen Stühle unterschiedlicher kultureller Herkunft. Pistoletto kommentierte jetzt im Ausstellungsbereich persönlich, dass er gegenseitigen Respekt als wichtigste politische Vorraussetzung für die friedliche Verständigung halte. Ebenso sei der Tisch heute mehr denn je ein Symbol, über Länder- und kulturelle Grenzen hinwegt im Gespräch zu bleiben.

Die Künstlerin Claudia Comte aus Basel (Jg. 1983) präsentiert drei große Statuen aus Carrara-Marmor in der Form einer Koralle, eines Kaktus und eines Blattes, die sie eindrucksvoll vor einer gestreiften Wand mit Ausschnitten in gleicher Form plaziert, was die Skulpturen wellenförmig grafisch kontrastiert. „Temporal Drift“ ist ein aktuelles Beispiel, welch würdevolle Ausstrahlung der altbekannte und in der Kunst seit Jahrhunderten beliebte Stein auch in der zeitgenössischen Kunst weiterhin darzustellen vermag.


Wunderschön ist auch ein monumentales Bild von Antonis Donef, geboren 1978 in Sofia, der jetzt in Athen lebt und arbeitet. Es ist eine Collage aus archivarischen Buchseiten aus Encyclopädien und Landkarten, die er kalligrafisch und farblich überschrieben hat.


Didier Williams schuf einen Raum aus Skulpturen und Gemälden, die an Kolonialismus, Sklaverei und Flucht erinnern sollen. Doch das Ensemble wirkt nicht primär bedrückend, sondern fantastisch in seiner Farbigkeit und ungewöhnlichen Ausdrucksweise. So sind die Oberflächen der Figuren mit schwarzen und weißen Augen bedeckt und die Bäume abstrahiert dargestellt. Williams wurde 1983 in Port au Prince auf Haiti geboren, floh jedoch schon mit 6 Jahren mit seinen Eltern nach Miami. Inzwischen lebt er in Philadelphia, doch seine Herkunft prägt weiterhin seine Kunst.



Wie eine Halfpipe gewölbt liegt das Gemälde von Hyunsun Jeon auf dem Hallenboden und zeigt ihre persönliche Ausdrucksweise, Natur und Abstraktion kombiniert darzustellen, die etwas an frühe Videospiele erinnert. Die Künstlerin wurde 1989 in Seoul geboren. Sie lebt und arbeitet auch weiterhin in ihrer Heimat.


Auch wenn es auf den Fotos nur schwer nachvollziehbar ist, so löst das mosaikartige Video von Walid Raad trotzdem bei den Besuchenden eine große Faszination aus. Es handelt von Zerstörung und Wiederaufbau in ständiger Endlosschleife. Die zugrunde liegenden Aufnahmen stammen aus Beirut. Walid Raad wurde 1967 im Libanon geboren, war schon Teilnehmer der Documenta 13 (2012) und lebt jetzt in New York.


Dies ist nur ein kleiner beispielhafter Ausschnitt aus der „unendlich“ erscheinenden Menge herrlicher Kunstwerke der UNLIMITED, die – wie in vergangenen Jahren – allein schon den Besuch der Art Basel für Kunstbegeisterte lohnt, selbst wenn keinerlei Kaufinteressen bestehen.



Art Basel 2025 vom 19. bis 22.Juni 2025, jedoch erneut im kommenden Jahr vom 18. bis 21.Juni 2026











