Gewalt und Schmerz
In der Fondation Beyerle in Basel ist eine große Sammlung von Werken der kolumbianischen Künstlerin Doris Salcedo zu erleben. Sie ist bekannt dafür, Gewalt und Schmerz darzustellen, diese jedoch niemals explizit zu zeigen.

So findet sich im großen Saal über den ganzen Boden eine Installation, bei der bisher unbekannten Opfern, die bei der Flucht über das Mittelmeer nach Europa aus überfüllten havarierten Booten ertrunken sind, mit ihren Namen postum Würde zurück gegeben wird. Aus winzigen Düsen tritt Wasser in Form der Buchstaben wechselnd an die Oberfläche, symbolisch für die Erde, die weint.


In einem anderen Werk finden sich kleine Nischen in der Wand, die jeweils mit dünnen Tierhäuten halb durchscheinend verschlossen wurden. Darin sind einzelne Schuhe oder Paare, größtenteils von Frauen, die Doris Salcedo über Jahre von unbekannt verschwundenen Menschen in ihrem Heimatland Kolumbien gesammelt hat.



Schon bei der Sharjah Biennale 2023 erhielt die Künstlerin einen Preis für ihr faszinierendes Haus aus Bäumen zum Thema Migration wegen Klimawandel, das auch jetzt in Basel den Ausstellungskatalog umhüllt.


Zwei Künstler*Innen im gleichen Haus der Fondation Beyerle, beide aufwühlende Anklagen an eine ungerechte gewaltvolle Welt, und doch so unterschiedlich in der Darstellung:

Da ist der laut schreiende Protest von Jean Michel Basquiat und im anderen Ausstellungsflügel finden sich die leisen, aber emotional aufwühlenden Töne der Werke von Doris Salcedo: ein großartiger künstlerischer Kontrast.
Basel bis 17.9.2023