Palais de Tokyo, Paris

Das österreichische Künstler*Innen Duo beeindruckt durch eine Show ihrer surrealen humorvollen Skulpturen und Gemälde. Mit einer Ausstattung durch blau/grüne Teppiche, Spiegel und genialer Beleuchtung verwandeln sie das unheimliche Untergeschoß des Palais de Tokyo in eine unterirdische Grotte mit enorm vereinnahmender Ausstrahlung.



Knebl/Scheirl`s Kunst spiegelt erneut die Lebensart der beiden wider, die sich keiner Gender-Identität zugehörig fühlen. Daher sind die Werke ebenfalls eine Spielerei mit sexuellen Identitäten und deren Dekonstruktion. Jetzt in Paris lieben sie die Worte und Inhalte, die mit TRANS zu tun haben: transhistorisch, transnatürlich, transmateriell, transmedial. Eine Kunst des „Transmorphismus“, der sich teils an Jugendstil, Luigi Colani, die Postmoderne der 70er Jahre oder auch Barbapapa-Figuren anlehnt.
Man kann diese Kunst als kitschig, schreierisch, sexistisch und schon mal dagewesen empfinden, das bleibt natürlich jeden Betrachter überlassen. Doch gerade hier wirkt die Gemeinsamkeit des kompletten Ensembles besonders anziehend durch den Kontrast der fröhlichen Farbigkeit in dem brutalistischen Bau des Pariser Palais de Tokyo.



Der Betonbau wurde 1937 zur EXPO als Asstellungshaus für Moderne Kunst eröffnet, die er auch zeigte, bis diese 1977 in das fertiggestellte Centre Pompidou umzog. Danach wechselten sich unterschiedliche Nutzungen mit bis heute unvollendeten Umbauten ab, so dass jetzt rohe Betonmauern und -böden mit rauhen unverblendeten Stützsäulen das Grundambiente bilden.



In das dunkle Untergeschoss haben nun Knebl und Scheirl ihre biomorphen genderfreien Kunstwerke kontrastreich und heimelig installiert mit einem Ambiente zwischen Dystopie und auch Utopie und haben dabei noch einen Wohlfühlort geschaffen.
Die beiden Künstler*Innen repräsentierten 2022 Österreich bei der Venedig Biennale, waren jedoch auch bereits auf der Documenta 14 in Kassel und Athen vertreten.



Wer nicht demnächst nach Paris kommt, kann darauf warten, die Ausstellung in den Hamburger Deichtorhallen im Frühjahr 2024 genussvoll erleben zu dürfen. Andererseits ist dort schwer vorstellbar, wie sich in den doch riesigen hellen weiträumigen Hallen ein ähnliches emotionales Erlebnis einstellen kann.
„Doppelgänger“, Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl im Palais de Tokyo, Paris vom 19.10.2023 bis 7.1.2024