Menschenrechts-Artikel als Kunstwerke


Das Gebäude im Regierungsviertel ist noch teilweise im Bau, zu erkennen aber an der großen goldenen Skulptur von Tony Cragg. Allein das Forum Kunst des Bundestages zeigt dort bereits seine erste thematische Kunstausstellung, noch anlässlich des 75. Jahrestages des deutschen Grundgesetzes.
19 Grundrechte werden in 19 künstlerischen Positionen dargestellt und es ist wirklich eine hervorragende animierende Nachhilfestunde für uns alle in Sachen Menschenrechte.


Hans Haake, der Urheber des Werkes „Der Bevölkerung“ im Bundestag hat ein Plakat -durchaus zur weiteren Verbreitung- beigetragen. Artikel 14 regelt das Eigentums- und Erbrecht und auch: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“



Artikel 10 lautet: „Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.“ Angesichts der heute multiplen medialen Kommunikationswege wirkt das etwas altmodisch. Doch hierauf basieren z.B. auch aktuelle Datenschutzgesetze.
Via Lewandowski nutzt für seine Drstellung die mathematische Einstein-Kachel. Er gab jeder einzelnen symbolische Inhalte und fügte sie zu einer erkennbaren bunten vielsagenden Deutschlandkarte zusammen. Erstaunlich, wie die ungewöhnlichen geometrischen Figuren ineinander passen und auch die einzelnen Stichworte und Symbole ein gemeinschaftliches Bild heutiger SIcht auf Wahrung persönlicher Daten geben.


Unter den Grundgesetz Artikeln ist der Artikel 7 möglicherweise der unscheinbarste. „Das gesamte Schulwesen steht unter Aufsicht des Staates.“ Zwar sind Schule und Bildung Aufgaben desr Bundesländer, doch bleibt Artikel 7 stets eine Art Aufsichtspflicht beim Bund.
Zum Problem des Schulwesens arbeitete Tobias Zielony mit dem Schüler Nick zusammen, der ihm sein Problem schilderte, dass das öffentliche Schulwesen oft keine Lösung für Individuen mit besonderen Begabungen und/oder Schwächen hat. Nick schwänzte nicht, er war krank geschrieben, weil er auf die Situaltion in wechselnden Schulen mit Herzrasen und Schweißausbrüchen reagierte. Das Gymnasium sei wohl zu schwer für ihn, wurde gesagt. Doch ein unabhängiger Test bestätigte eine Hochbegabung. Der Künstler collagierte mit Nick 4 Bilder, die seine verzwickte Lage zeigen. Eine Schule für alle ist gerade im weltweiten Vergleich eine großartige Errungenschaft, doch es gibt Lücken für einzelne Individuen.

Marc Jung trägt ein großes Graffity-Bild mit dem Titel „King of Thorns“ bei, in dem es in seiner Vielschichtigkeit multiple Anspielungen zu entdecken gibt. Sein GG-Artikel 18 war bestimmt äußerst schwierig, umzusetzen: „Wer die Freiheit der Meinungsäußerung, insbesondere die Pressefreiheit, die Lehrfreiheit, die Versammlungsfreiheit, die Vereinigungsfreiheit, das Postgeheimnis, das Eigentum oder das Asylrecht zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mißbraucht, verwirkt diese Grundrechte. Die Verwirkung und ihr Ausmaß werden durch das Bundesverfassungsgericht ausgesprochen.“ Das Bild fasziniert schon durch die Farbenfreude und für Kenner findet sich auch eine Reminiszenz an Caravaggios Werk „Die Dornenkrönung Christi“. Dieser Maler schuf auch: „Judith enthauptet Holofernes“, was vielleicht auch ein wenig in Marc Jungs Bild steckt, eine Geschichte, bei der das Gesetz nicht in der Lage war für Gerchtigkeit zu sorgen, so dass Judith Selbstjustiz verübte.



Es finden sich so viele spannende Interpretationen international bedeutender Künstlerinnen und Künstler in der Ausstellung, die von Kristina Volke kuratiert wurde, aber wie üblich vom Kunstbeirat des Deutschen Bundestages beauftragt und begleitet wird. Das Gremium entscheidet über die Thematik bei Ausstellungen und Kunstankäufen des Parlamentes und setzt sich aus Abgeordneten aller Fraktionen zusammen. Hier also noch aus der Zeit der Ampel-Koalition. Vorsitzende ist stets die Bundestagspräsidentin. Julia Klöckner, neu in diesem Amt, eröffnete die Ausstellung am 21.5.2025.


http://www.kunst-im-bundestag.de
„WIR- 19 Grundrechte“, Marie Luise Lüders-Haus, Luisenstr. 29-30, 10117 Berlin, 22.5.25 bis 21.6.2026
geöffnet: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, kostenfrei ohne Anmeldung
Während der gesamten Laufzeit der Ausstellung wird die Künstlerin Rebecca Raue gemeinsam mit ihrem Verein ephra https://www.ephra.de/ kostenlose Workshops in der Ausstellung für Klassen und Gruppen ab Jahrgangsstufe 4 anbieten. Bei Interesse Anmeldung bei schule@ephra.de.

















