Das spektakuläre Finale von Chemnitz 2025


Es war ein großer Aufwand, die alte verfallene Halle der Schmiede im Areal des Kohle-Welt-Museums in Oelsnitz so aufzubauen, dass das auffälligste Kunstwerk des Purple Path hier seinen passenden Auftritt bekam. In die alte Stahlkonstruktion wurde ein fensterloser Bau gesetzt, der mit seinem Eingang wie aus einer anderen Galaxie gelandet erscheint, aus dem gleich Aliens herausschweben.



Doch es ist ein ortsspezifisches Kunstwerk von James Turrell (82), der bereits weltweit Lichtinstallationen plaziert hat, die unsere Wahrnehmungen verändern. Man tritt über eine pyramidenförmige Treppe durch ein vermeintlich monochromes Bild in einen erleuchteten Raum mit wechselnder Farbigkeit. Er ist so inszeniert, als lösten sich beim Innehalten Ecken und Kanten auf. ein Gefühl wie ein Schwebezustand entsteht. Man könnte meinen es sei die Sichtbarmachung der Schwerelosigkeit.
Mit diesem Weltkunstwerk endet das europäische Kunsthauptstadtjahr von Chemnitz, als habe man sich das beste für das Finale aufgehoben. Doch die eigentliche Ursache für diese Verspätung waren Verzögerungen am Bau, wie es fast regelmäßig üblich ist.



Als weiteres Highlight des Purple Path erweist sich auch eine Spiegelinstallation in der historischen Hospitalkirche St. Georg in Lößnitz. Auch hier geht es um optische Illusionen aus Licht, Metallkegeln und einem rotierenden Spiegel, die uns einen Blick in unendliche Tiefen erlauben. Die Künstlerin Rebecca Horn ist ebenfalls ein globaler Star der Kunstszene, die der Kulturhauptstadt am östlichen Ende Deutschlands etwas Ruhm und Glamour bringt.
Für Kunstbegeisterte bleiben nach dem offiziellen Ende des Kulturstadtjahres weiterhin viele Skulpturen des Purple-Path erhalten, die auch im kommenden Jahr abgefahren werden können. Beispielsweise ist das Lichtkunstwerk von James Turrell eine Leihgabe für 15 Jahre. Zwei weitere Landmarks sind auch noch hervorzuheben:



Via Lewandowski gestaltete den Taurastein-Turm, einen erstaunlichen Aussichtsturm in Burgstädt, um in einen „Wetterleuchten-Turm“ mit Gruseleffekten beim Hinaufgehen und Blitzen im Dunkeln.


Frank Maibier schenkte Lichtenau „8 Farben“ , auch einen Turm, der die Welt etwas bunter macht.


Wie ist aber die Bilanz von Chemnitz 2025, dem Kulturstadtjahr voller Feste und Projekte? Aufgegangen sei die Idee, durch Aktivierung von Eigeninitiativen der Bürger die Kultur direkt in die Bevölkerung zu transportieren. Maria aus Lößnitz sagte: „Es hat vor allem uns hier in der Stadt sehr intensiv zusammengebracht und uns stolz und fröhlich auf unsere Gemeinschaft schauen lassen.“ Die Mitarbeiter in Ölsnitz berichteten: „Unser Kohle-Welt-Museum hatte zwar einen Preis als bestes Museum gewonnen, doch Publikum aus anderen Bundesländern oder sogar aus dem Ausland würden den Weg hierher ohne James Turrell wohl nicht finden.“
Der künstlerische Leiter der Kulturstadt Stefan Schmidtke resümiert erschöpft aber voller Zufriedenheit, dass er sicher sei, dass Chemnitz einen deutlich besseren Ruf bekommen habe, gerade weil die Menschen gezeigt hätten, dass sie mit unglaublichem Engagement tolle Projekte realisieren können.
Chemnitz2025 war eine Kulturveranstaltung vorrangig von den Bürgern für die Bürger der Stadt und der umliegenden Gemeinden. Der Erfolg vor Ort ist evident. Die Menschen strahlen und die vielen freiwilligen Mithelfenden erklären den Gästen enthusiastisch, was es zu erleben gibt.
Statistische Zahlen beweisen auch eine Zunahme der Übernachtungen, der Museumsbesuche und der Tagesgäste.


„C the Unseen“ war das Motto und absolut treffend, denn die Stadt am Rande des Nirgendwo war zuvor lediglich mit Schlagzeilen über Rechtsradikalismus in Erscheinung getreten. Dem haben die Menschen jetzt etwas gänzlich anderes entgegengesetzt: die bisher ungesehenen kulturellen Fähigkeiten und einen großen Gemeinschaftssinn.
Hatte man mit dem Titel Kulturhauptstadt Europas aber nicht auf berühmte Namen gehofft, Großkonzerte von Weltstars, Künstler*Innen aus anderen Europäischen Ländern?
Wie sieht es aus mit der Nachnutzung?
Es lohnt sich, den Plan der Purple-Path-Kunstwerke schnell noch herunterzuladen, um ihn für zukünftige Ausflüge zu sichern, inklusive den genauen Koordinaten bei Google-Maps.
Die Kulturstadt-gGmbH bleibt noch 2026 bestehen für einen guten Übergang., denn Chemnittz möchte jetzt auf keinen Fall in den Dornröschenschlaf fallen wie damals 1999 Weimar. Ab 2027 ist von der Stadt eine regelmäßige „Unseen-Biennale“ geplant. Spannend bleibt dabei, ob sich hier ein Kunst-Event von internationaler Strahlkraft entwickelt, das Chemnitz auch über die Region hinaus wirklich sichtbar erhält.
James Turrell: „Beyond Horizons 2025“ in 09376 Oelsnitz/Erzgebirge
Rebecca Horn: „The Universe in a Perl“ in 08294 Lößnitz
Via Lewandowski: „Wetterleuchten“ und „Fersehen“ in 0949 Burgstädt
Europäische Kulturhauptstädte 2026 werden sein: Oulu in Finnland und Trencin in der Slovakei.





















