Malgorzata Mirga-Tas im Kunstmuseum Wolfsburg


Die Welt liebt sie. Das ist völlig nachvollziehbar, seit Malgorzata Mirga-Tas den Polnischen Pavillon auf der Venedig-Biennale 2022 in ein Meer von Farben aus bunten Stoffen verzauberte. Ihre 12 riesigen Textil-Bilder reisten seither weltweit in Ausstellungen und wurden teilweise von Museen angekauft. Aktuell sind sie in Wolfsburg angekommen, um zu begeistern.
Heute wird die Künstlerin, die sie zweifelsohne ist, im Monopol-TOP-100-Ranking von 2025 auf Platz 54 erwähnt. Die Zeitschrift KAPITAL listet sie sogar auf Platz 8 der 100 „Stars von morgen“ der Kunstszene.

Jeweils 4,62 x 3,87m groß sind die 9 von insgesamt 12 Wandbildern, die auf der Venedig-Biennale gezeigt wurden und jetzt im Wolfsburger Kunstmuseum ihre beträchtliche Wirkung entfalten. Sie orientieren sich an den 12 Sternzeichen mit den passenden Monaten und thematisieren das historische Alltagsleben der Roma mit besonderer Betonung der Lebenssituation der Frauen.
Malgorzata Mirga-Tas gehört ebenfalls dieser Volksgruppe an, ist jedoch 1978 in Zakopane geboren und lebt bis heute dauerhaft in Polen.
Die zweite Serie der Ausstellung zeigt unter dem Titel „Herstories“ Bilder von „Heldinnen“ der Roma-Gemeinschaft. Auch sie sind weit überlebensgroß dargestellt.



Die Spezialität ihrer Kunst ist die komplette Darstellung mittels Textilien, die in Patchwork-Technik zusammengenäht sind. Da Mirga-Tas fast nur mit gebrauchten, gesammelten Stoffen arbeitet, sind es Werke der Nachhaltigkeit, wobei jedes Stück eine eigene Geschichte in sich trägt.
Sie beginne ein Bild stets mit einer Zeichnung, berichtet Malgorzata Mirga-Tas, die sie nach Original-Fotografien anfertige und zusätzlich collagenartig komponiere. Die hautfarbenen Bereiche und besonders die Gesichter bleiben gemalt auf Leinwand, wodurch der lebendige emotionale Ausdruck zur Geltung kommt.
Es bedarf schon einer weiten Auslegung des Kunstbegriffs für diese Art der Darstellung. Motivistisch entsprechen die Bilder naiver figürlicher Malerei und technisch sind sie das Resultat von Schneiderarbeit. Das erinnert an volkskundliches Kunsthandwerk. Doch wendet man die Definition von Joseph Beuys an, dass alles Kunst ist, was einem rein aesthetischen Zweck dient, so gibt es keinen Zweifel an einer künstlerischen Position. So viele Ausrufe der ungezügelten Begeisterung, wie sie in Venedig zu hören waren, können sich nicht irren.

Dabei erscheint der Faktor des riesenhaften Formates einen entscheidenden Anteil zu haben, was auch jetzt in Wolfsburg einen absoluten Wow-Effekt bewirkt. Zusätzlich ist die aufwändige ausgezeichnete handwerkliche Qualität der Näharbeiten extrem bewundernswert.


Die Kuratorin der damaligen Venedig-Biennale 2022, Cecilia Alemani wollte in ihrem Konzept vorrangig weibliche Künstlerinnen, gern auch aus ethnischen Randgruppen präsentieren, die im westlichen Kunstgeschmack zuvor kaum wahrgenommen worden waren. Dem schlossen sich die damaligen Kuratoren des polnischen Pavillons offensichtlich an. Malgorzata Mirga-Tas bringt nicht nur diesen Aspekt mit ein, sondern fügt noch einen feministischen Fokus hinzu. Womöglich waren aber an den Nährbeiten leider doch keine Männerhände beteiligt?!


Der Erfolg ist der sympatischen Künstlerin auf jeden Fall zu gönnen, denn ihr Werk hat es geschafft, den verdienten Respekt und die Wertschätzung sowohl für diese textile Technik als auch die Historie der Roma hervorzurufen und zu bestärken.
Malgorzata Mirga-Tas „Eine alternative Geschichte“, Kunstmuseum Wolfsburg, 22.Nov.2025 bis 15.März 2026

































