Grosses Kino, Filmplakate aller Zeiten

Zu Beginn der Ausstellung dominiert ein riesiges Wandplakat von Metropolis von den ersten Part der Ausstellung. Es ist die französische Version von 1927 und das einzig noch existierende Exemplar.
Hineingehen und in Erinnerungen schwelgen: das ist ein großes Vergnügen. Zu sehen sind Plakate der Rocky Horror Picture Show und Star Wars ebenso wie von Arthouse Filmen wie Fabian, Systemsprenger oder Lola rennt. Zusätzlich gibt es eine Vorführung von Trailern beliebter Filme, erstmal 10, doch hier sollen noch einige nachkommen.



Die Kunstbibliothek der Staatlichen Kunstsammlung besitzt ein großes Archiv mit etwa 5000 Filmplakaten, das mit endlich öffentlich gezeigt werden sollte. Von denen hängen etwa 300 in den zwei großen extrem hohen Hallen im Kulturforum.
Die Kuratorinnen betonen, dass die Auswahl schon für die Aufnahme in die Sammlung nahezu allein der künstlerische Aspekt war. So entstand ein chronologisches Bild der Zeitgeistentwicklung dieser Kunstrichtung von den Anfängen des „Lichtspieltheaters“ bis heute. Das älteste Plakat ist aus dem Jahr 1905.
Filmplakate sind ja eher Gebrauchskunst, also nicht wirklich dem Beuyschen Kunstbegriff zugehörig, zumal es keine Unikate sind, sondern sie werden zigmal vervielfältigt. Doch es sind Werke, die stets den Spagat zwischen Illustration, Kommerz, Werbung und künstlerischer Gestaltung erfüllen müssen. Ein Filmplakat soll möglichst das Narrativ der Filmhandlung beinhalten, die Blicke der Kunden anziehen und Emotionen wecken. Es soll eine große Kraft ausstrahlen, indem es ein Konzentrat des ganzen Filmes zeigt.

Die Kunstwelt ignoriert das Genre auch keinesfalls, denn z.B. bestand bei der letzten Documenta15 die riesige Längswand in der Documentahalle aus lauter gemalten Filmplakatmotiven.


Ursprünglich waren Filmplakate gemalt, später flossen mehr Fotocollagen in die Gestaltung ein, heute entstehen sie mittels Computergrafik und bald vielleicht mit Hilfe von KI. Es heißt dann „Digital Artwork und bildet das Konzept für die ganze Filmvermarktung als „Visual Art-Key“. Ein spezielles wiederkehrendes Element war und ist auch der „Schwebende Kopf“, meist die Hauptfigur des Filmes.



Die jetzige Ausstellung wurde nicht nur von den Kuratorinnen der Kunstsammlung zusammengestellt, sondern sie ist eine Kooperation mit der Stiftung Deutsche Kinemathek und der Berlinale. Außerdem waren 26 Menschen der Filmwelt gebeten worden, mitzuentscheiden. Jede/r von ihnen durfte sich ein Lieblingsplakat aus der Sammlung aussuchen, allerdings auf keinen Fall mit eigener Beteiligung.

Mariette Rissenbeek


Beispielsweise entschied sich Jasmin Tabatabai für die Rocky Horror Picture Show. Ihre Begründung ist, dass sie bei Erscheinen des Kultfilmes zu jung war und nicht ins Kino durfte. Ihr standen nur die Musik und die begeisterten Erzählungen ihrer Schwestern zur Verfügung, wodurch sich jedoch einen Art Audio-Story in ihrem Kopf entwickelte. Doch auch später faszinierte sie ebenso das Original.
Viele Blockbuster wurden in unterschiedlichen Ländern mit verschiedenen Plakat-Grafiken beworben. Ein interessantes Beispiel ist das für Star Trek in der Version der DDR. Das Kuratorenteam beteuert, dass ihre Recherchen ergaben, dass der Film wirklich dort lief: kurz und in sehr wenigen Kinos.


Auffällig ist, dass der Künstler oder die Künstlerin des Plakates im Gegensatz zu genuinen Kunstwerken auf ihrem Werk weder signiert haben, noch überhaupt namentlich genannt wurden.
Den Abschluss bilden große Gemälde des letzen lebenden Filmplakatmalers Götz Valien und schließen somit den Reigen vom Beginn mit Metropolis. Das Kino International in Berlin hält an der Tradition weiterhin fest, ihre Fassade bei neuen Filmen mit solchen Kunstwerken zu schmücken.

Die Ausstellung ist ein historisches Abbild unserer über hundertjährigen Unterhaltungskultur, wobei durchaus ein wissenschaftlich fundiertes Konzept enthalten ist. Doch vorwiegend macht diese wundervolle Flut an schönen Bildern große Freude, weil man sich an die vielen glücklichen Stunden in fremden Galaxien, rührenden Liebesgeschichten oder skurrilen Stories mit Tränen, Schrecksekunden oder Gruseln in den Kinosälen erinnern kann.
„GROSSES KINO, Filmplakate aller Zeiten“
im Kulturforum Berlin vom 3.November 2023 bis 3. März 2024

















