Christoph Büchels Total-Ausverkauf in der Fondazione Prada


Eins der großartigsten Kollateral-Events anlässlich der Biennale Venedig ist die Verwandlung des prunkvollen Palastes der Fondatione Prada durch den Schweizer Künstler Christoph Büchel zurück in das ursprüngliche Pfandleihhaus, das er ursprünglich war, ein „Monte di Pieta“. 1834 bis 1964 konnten hier Menschen Kleinkredite gegen ein Pfand zu geringen Zinsen bekommen, ein Ort der Barmherzigkeit, der sich durch Spenden finanzierte. Der prächtige Bau ist jetzt wieder ein Warenlager voller minderwertiger Dinge, die arme Leuten auch heutzutage in Zahlung geben würden. Dass dieses Pfandhaus bankrott sein soll, wird aufgrund der Berge unverkäuflichen Trödels mehr als verständlich. Als BesucherIn fühlt man sich erschlagen und gleichzeitig verzaubert von den Massen an unnütz gewordenen Dingen, die jedoch auch unser schlechtes Gewissen als kritiklose Konsumenten ansprechen.


Der Künstler war 2019 bereits als Teilnehmer der Biennale in Venedig vertreten und hatte ein Flüchtlingsboot im Arsenale aufstellen lassen, in dem nachweislich alle Passagiere ertrunken waren.
Das Gebäude von PRADA war auch zeitweise provisorisches Lazarett, was durch allerlei medizinische Geräte wie Rollstühle oder Pritschen thematisiert wird.


Auf der Fassade zum Canal Grande sind Verkaufsschilder installiert, die das komplette Gebäude zum Verkauf anbieten. Auch diese sind Teil des Kunstwerks.
Zu einigen Besonderheiten sollte man besonders auf die Suche gehen. So hängt unscheinbar ein echter TIZIAN an einer Garderobe, der die frühere Kaiserin von Zypern zeigt, die an diesem Ort geboren wurde, jedoch in dem vorherigen gotischen Palast.


Ebenso sollen Original-Papiere vorhanden sein, aus denen hervorgeht, dass in Haiti nach erfolgreichem Aufstand gegen die französische Kolonialmacht zwar die Skalverei abgeschafft wurde, jedoch das Land zu erheblichen Reparationszahlungen verpflichtet wurde. Schulden, die Frankreich offensichtlich bis heute als legitim ansieht und keine Verantwortungsübernahme dafür zeigt, dass sie Haiti hiermit so ausgebeutet haben, dass die Bevölkerung keine Chance hat, jemals wieder menschenwürdige Verhältnisse zu erreichen.
Dahinter steht das moralische Prinzip: Schulden müssen bezahlt werden! Doch muss dies weiterhin als unumstößliches Dogma existieren?
In einem Saal läuft auf einem Monitor eine Verschuldungsuhr, die die stetig wachsenden Schulden der Welt darstellt. Schulden und deren Auswirkungen sowie die Frage nach Schuld, Wert und Moral sind die Themen Christoph Büchels, die er mit seiner Wahnsinns-Installation zur Debatte stellt.



Christoph Büchel „Monte di Pieta“, Fondazione Prada, Ca Corner della Regina bis 24.November 2024












