Die Suche nach dem männlichen Schönheits-Ideal



Seine besonderen künstlerischen Darstellungen von Konservendosen und bunten Portraits von Franz Beckenbauer oder Marilyn Monroe machten ihn weltberühmt und sind Zeugen für Andy Warhols unzweifelhaften Ruf als einer der aufregendsten POP-ART-Künstler.
Die aktuelle Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin zeigt jedoch eine andere sehr private Seite: das Begehren und die Liebe zu männlichen Partnern.
1928 in Pittsburgh geboren lebte Andy Warhol bis zu seinem Tod 1987 permanent in einem Staat, den USA, in dem Homosexualität nicht nur verachtet, sondern auch strafrechtlich verfolgt wurde. In den Rezeptionen seiner Kunstwerke wurde dementsprechend seine sexuelle Orientierung gar nicht diskutiert und er wurde meist als asexuell wahrgenommen. Viele seiner Werke zeigen jedoch eine große eindeutige sexuelle Affinität zu jungen Männern. Ein offizielles Coming-out war jedoch angesichts der gesellschaftlichen Ächtung nie möglich.
Kurator Klaus Biesenbach berichtet, dass Andy Warhol oft seine Liebhaber portraitierte, die jetzt in Berlin gezeigt werden. Auch habe er meist mit einem festen Partner zusammengelebt. Einen seiner Partner lernte er kennen und lieben, als dieser den Künstler nach dem Attentat auf ihn 1968 aufopfernd gesund pflegte. Es bleibt jedoch bis heute offen, wie es in den USA damals möglich war, mit der Homosexualität nicht verfolgt und bestraft zu werden. Wurde der berühmte Künstler vielleicht geschützt, solange er nur kein offizielles Statement abgab?
Andy Warhol war wahrscheinlich auch nicht mit jedem Mann liiert, den er idealisiert darstellte. Von Jean-Michel Basquiat war er wahrscheinlich von dessen kreativer Wildheit und Schönheit fasziniert. Ihn bat er für eine Foto-/Zeichnung, sich in der Pose des David von Michelangelo aufzustellen.



„Elvis, the Pelvis“ war der Inbegriff der schwingenden Hüfte.
Ein wiederkehrendes begehrliches Objekt waren auch volle sinnliche Lippen, die Warhol bespielhaft bei Mick Jagger fand.
In der aktuellen Zusammenstellung von Andy Warhol-Bildern in der Neuen Nationalgalerie ist die begehrliche die Suche nach Menschen, vorwiegend Männern zu erkennen, die für Warhol einem perfekten Schönheitsideal entsprachen.



Das ausschweifige Leben im New York der 70ger Jahre im Studio 54 fand ein jähes Ende durch die AIDS-Epidemie. Andy Warhol starb jedoch 1987 nicht an AIDS, sondern an Komplikationen einer Gallenblasen OP. Aufgrund der alten Schußverletzung hatten sich starke Vernarbungen und Verwachsungen im Bauchraum gebildet, die hierfür verantwortlich waren.
Andy Warhol „Velvet Rage and Beauty”,
Neue Nationalgalerie Berlin, 9.Juni bis 6.Oktober 2024.