Ein Vorgeschmack auf den hintergründigen Schelm


Maurizio Cattelan
Foto: Frank Ossenbrink
Maurizio Cattelan ist auch über die Kunstwelt hinaus absolut nicht unbekannt. Der italienische Künstler gilt als Enfant terrible und hat bereits mehrfach mit seinen Werken überrascht, schockiert und auch düpiert. Er ist aber kein Clown unter den Künstlern, sondern stellt die großen Fragen der Zeit wunderbar humorvoll und gleichzeitig tiefgründig dar, womit er mehr Menschen erreicht als mit erhobenem Zeigefinger.
Aber er spielt zumindest mit dem Mittelfinger: Hätten Sie gedacht, dass dieses Werk „LOVE“ heißt? Diese Marmorskulptur ist eine deutliche Kritik am unendlich ausufernden Finanzmarkt, denn Cattelan stellte sie ursprünglich vor die Börse in Mailand. (Aktuell in Metz)

Am 10. September eröffnet die Neue Nationalgalerie in Berlin eine große Soloshow des diesjährigen Preisträgers des Hauses. Welche Ironie oder Provokation uns diesmal erwartet, ist noch streng geheim. Doch hier sollen einige Beispiele früherer Werke gezeigt werden, um als Appetithäppchen Lust auf den Besuch in Berlin zu machen.

Aus vielen seiner Werke spricht die kritische Einstellung zur Katholischen Kirche. 1960 in Padua geboren wurde er von den Eltern streng katholisch erzogen und war Messdiener. Auf der Venedig-Biennale 2001 ließ er die Figur von Papst Johannes Paul II von einem Meteoriten erschlagen. Doch die Kirche hat offensichtlich auch Humor und nahm ihm das Werk nicht übel. Vielmehr durfte Maurizio Cattelan 2022 die Fassade des Pavillons des Vatikans bei der Venedig-Biennale gestalten. Doch was sollen die großen schmutzigen Füße bedeuten? Sind da etwa auch Löcher von Nägeln zu sehen?

Im Turin im Castello di Rivoli befindet sich ein anderes berühmtes Werk des Künstlers: „Novecento“ von 1997 ist nicht nur ein erschlafftes Pferd, sondern es soll das von Gewalttaten und Umbrüchen gezeichnete 20. Jahrhundert symbolisieren.
Mehrere typische Exponate Cattelans zeigt gerade auch das Centre Pompidou in Metz: an erster Stelle: „Comedian“, die Banane, die an die Wand geklebt allein durch den vom Künstler verliehenen Titel zum Kunstwerk aufgewertet wird: scherzhafte, aber intensive Kritik in Reinkultur am Kunstmarkt-Zirkus. 2024 wurde das Werk von einem Multimilliardär für 6,2 Mill Dollar ersteigert. Dieser verspeiste die Banane sofort.


„Mini-Me“ ist die Miniaturausgabe des Künstlers als Persiflage auf das Ego, die Verwundbarkeit und die künstliche Konstruktion von Identität. Cattelan benutzt sein eigenes Abbild oft als Prototyp für seine Werke.

Eine absurde Szene: eine Frau sitzt in einem Kühlschrank. Es ist die Abbildung seiner Mutter, die schon früh in Maurizio Cattelans Jugend verstorben ist. Das läßt schon schaudern; zumal sie ihrem Sohn im Gesicht sehr ähnlich sieht.

„Not Afraid of Love” spielt auf “The Elefant in the room” an. Es ist die Redewendung für ein offensichtliches Problem, das alle ignorieren, weil sie nicht darüber sprechen wollen. Das Tuch verhüllt einfach die unangenehmen verschwiegenen Wahrheiten.


1991 konstruierte Cattelan einen 7m langen Kicker, an dem 22 Spieler gleichzeitig aktiv sein können. Ursprünglich war er gegen Rassismus gedacht, denn er wurde eingeweiht mit einem Duell zwischen senegalisischen und italienischen Spielern. Doch jetzt lockt er überall begeisterte Spieler und Spielerinnen an.
Wir können also sehr gespannt sein, welche Scherze und humorvolle Mahnungen Maurizio Cattelan für uns in Berlin vorbereitet hat!
Maurizio Cattelan: „Night“ 10.Sept. 2026 bis 7.März 2027 in der Neuen Nationalgalerie Berlin
„Dimanche Sans Fin“ 8.Mai 2026 bis 25.Jan. 2027 im Centre Pompidou in Metz (Gruppenausstellung)