Richtfest für einen Kunstpalast

„Díe Kunst ist die höchste Form der Hoffnung!“ Dieses Zitat von Gerhard Richter anläßlich der Documenta 7, 1982, begleitete heute das Richtfest für das Gebäude des „Berlin Modern“. Es wird als Museum für das 20. Jahrhundert errichtet und soll deutlich mehr aus dem Schatz der Sammlung der „Stiftung Preußischer Kunstbesitz“* öffentlich zeigen, als es bisher in anderen Berliner Museen möglich war.
Zum heutigen traditionellen Fest der Handwerker, die es glücklicherweise noch gibt, kamen sowohl die neue Präsidentin der SPK*, der größten staatlichen Kunstinstitution des Landes, Marion Ackermann, als auch der aktuelle Kulturstaatsminister und seine Vorgängerinnen Claudia Roth und Monika Grütters, die zuvor für diesen Bau politische Verantwortung trugen.
Jaques Herzog repräsentierte sein Architekturbüro „Herzog & De Meuron“ aus Basel. Mit Bauten wie der Bayern-Arena und dem Olympiastadion in Peking, „Vogelnest“ genannt, gehören sie durchaus zur Weltelite der Architektur. Klaus Biesenbach sprach als zukünftiger Hausherr, denn er ist nicht nur aktuell Direktor der Neuen Nationalgalerie, sondern auch bereits designierter künstlerischer Direktor des „Berlin Modern“.

Doch was zeichnet den Neubau besonders aus? Er ist groß, extrem groß und er wird das Zentrum des sogennanten Kulturforums, wo er sich schon jetzt in voller Riesenhaftigkeit breit macht. Der Bau ist auch extrem schnell gewachsen: die Grundsteinlegung war erst im Februar 2024 und die Kosten sind bisher nicht explodiert. Ist er auch schön? Ja! Schon der Rohbau mit seinen vielen Stützen und den rauhen ungeglätteten Betonwänden und -böden und den freien Durchblicken zu den umgebenden Gebäuden übt in seinem brutalistischen Zustand eine ungeheuere Spannung aus, die danach ruft, mit Kunst bespielt zu werden.


Erste Kunstwerke im Rohbau




Es war bestimmt nicht einfach, ein Haus zu konzipieren, das viel Platz für Kunst bietet, aber zwischen Architektur-Ikonen wie der Philharmonie von Hans Scharoun und der Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe strahlen kann, ohne sie zu erdrücken. Das gelingt u.a. durch den Bau weit in die Tiefe, von wo aus trotzdem kathedralenartige Räume erhaben bis zum Dach hinauf ragen können.


Eine reizende Besonderheit zeigt eine Einbuchtung in das Gebäude, eine spielerisch wirkende Störung, die dem Haus den Charakter eines Klotzes letztlich vollkommen nimmt. Die Architektur musste einem Natur-Riesen Ehrerbietung zeigen. Es geht um die 150 Jahre alte Platane, die sich und ihren Standort verteidigt. Sie hat den ersten Weltkrieg überlebt, die wilden 20ger-Jahre in Berlin, den zweiten Weltkrieg, die Teilung und Wiedervereinigung des Landes und sie ist Zeuge der großen Hoffnung auf dauerhaften Frieden. Jetzt trotzt sie der Betonierung durch den Menschen: ein wunderbares Symbol für heutige Rücksichtnahme und Wertschätzung der Natur.

Perfektioniert wurde der ursprüngliche Entwurf durch die grundlegende ökologische Umplanung, die das Architektenteam nicht nur duldete, sondern begeistert umsetzte.

Als Reminiszenz auf Joseph Beuys, der zur bereits genannten Documenta 7mit 7000 Eichen Kassel unter dem Titel „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ begrünen ließ, sollen um das jetzige Museum herum ebenfalls Bäume gepflanzt werden. Aktuell müssen die ersten des Projektes leider noch in Kübeln wachsen.



Die Kunstwerke des 20.Jahrhundert sind ebenso wie die Platane wichtige Zeugen für unsere Geschichte mit all ihren Schrecken, aber auch den wunderbaren Entwicklungen von Toleranz, ökologischem Gewissen, Menschenrechten, friedlichem Zusammenleben und der Hoffnung auf lange Stabilität dessen. Darum ist es wichtig, dass sie in diesem Museum groß und laut gesehen werden können.
Richtfest des „Berlin Modern“ am Kulturforum Berlin am 17.Oktober 2025