Roger M. Buergel (Jg. 1962) war 2007 künstlerischer Leiter der Documenta 12 diskutiert die aktuelle Rolle von Kuratoren in der Kunstszene und deren Verhältnis zur Politik.
IB: Herr Buergel, wie wichtig ist die Position der Kuratoren in der Kunstszene heute? Werden sie wirklich zu wichtig beschrieben und stehlen den Künstlern die Show?
RB: Der Begriff des Kurators entwickelte sich erst in den 2000er Jahren, auch bedingt durch neue Märkte. Insbesondere in Asien hatten Kuratoren die Aufgabe, den Menschen Überblicksausstellungen zu bieten. Doch der Kurator ist keine Art neoliberales Künstler-Subjekt, der andere für sich arbeiten lässt, alles nur irgendwie zusammenfasst und am Ende als seine Vision vermarktet. Heute geht es darum, die Werke mehrerer Künstler in Beziehung zu setzen und zu verknüpfen. Das führt oft zu einem kritischen Widerspruch, also Ärger, weil man vermeintlich dem Künstler ein Stück weit sein Werk wegnimmt. Auf diesen Machtkampf muss man Lust haben. Ich bin aber überzeugt, dass es dazu keine Alternative gibt.
IB: Welche Rolle spielen Sammler in diesem Konstrukt?
RB: Eine völlige Freiheit ist beim Kuratieren nie gegeben, sie muss erkämpft werden. Das war auch schon bei Königen, Päpsten so und existiert heute ebenfalls bei amerikanischen Milliardären. Sammler, die jedoch nur zur Selbsthuldigung ausstellen, tun sich keinen Gefallen, denn sie schaffen letztlich nur zahnlose Ausstellungen. Die Lösungen sind sehr spezifisch.
IB: Was macht eine schlechte Ausstellung aus?
RB: Eine schlechte Ausstellung zeigt Kunst, die nur dem Markt dient. Beispiele sind die Pinault-Ausstellungen in Venedig 2024. Die Julie Mehretu-Ausstellung im Palazzo Grassi kann ich schon wegen der Menge nur als „Kaufhaus-Kunst“ bezeichnen. Bei Pierre Huyghe, einem wirklichen Super-Künstler, war der Raum der Punta della Dogana mit der schwarzen Verkleidung geschmacklos und kalt – das scheiterte formal. Da ist einfach zu viel Geld im Spiel.
Julie MehretuPierre HuyguePierre Huygue
IB: Wie stark sind Sie dem Einfluss von Galeristen und Lobbyisten ausgesetzt? RB: Man ist nur den Leuten ausgesetzt, denen man erlaubt, sich ihnen auszusetzen. Das Kunstfeld ist heterogen, und es gibt viele Galeristen, die aus echter Begeisterung investieren.
IB: Ist es auch eine Aufgabe von Kuratoren, Künstler zu entdecken und berühmt zu machen?
RB: Das lässt sich nicht vorhersagen. Die Einladung von Ai Weiwei 2007 zu unserer Documenta beispielsweise kam durch politische Vermittlung des Schweizer Botschafters in Peking zustande. Im asiatischen Raum hatte Ai Weiwei schon einen Namen. Dass seine Karriere dann in kürzester Zeit weltweit explodierte, konnten wir gar nicht beeinflussen. So etwas passiert einfach.
Documenta 12: 3 mal Ai Weiwei-Werke
IB: Welche neuen Entwicklungen sehen Sie in der zeitgenössischen Kunst in China seit 2007?
RB: China ist ein großes Land mit komplexen Debatten. Künstler navigieren geschickt in diesem System. Es gibt besonders in China schon traditionell keine festen Kategorien von Kunst und junge Leute interessieren sich auch für digitale Trends. Die aktuelle Entwicklung ist erfreulich grenzüberschreitend und fließend zwischen den Kategorien: Architektur, Mode, Musik, Gestaltung, Literatur und Technologie inklusive KI. Junge Leute begeistern sich z.B. für digitale Sneekers. Das schafft spannende neue Möglichkeiten.
Bei der Documenta 12 gab es schon eine künstlerische Modenschau!
IB: Sehen Sie ähnliche Tendenzen in Deutschland und Europa?
RB: Nein, nicht in dem Maße. In China gibt es eine lange Geschichte, in der Kunst und Kunsthandwerk ineinander übergingen. In Europa gibt es aber auch besonders in der jungen Generation eine wachsende Sensibilität für die Schnittmengen zwischen verschiedenen Disziplinen.
IB: Sie haben mal gesagt, der Kunst werde zu viel Politik zugeschrieben. Welche Funktion sollte in diesem Kontext die Documenta haben?
RB: Die Documenta muss sich jedes Mal neu definieren. Politisierung hat viele Aspekte. Viele Künstler thematisieren politische Inhalte, oft aber anstelle künstlerischer Substanz. Es gibt andereseits auch die Identifikation junger Menschen mit Protestthemen, die aber mehr mit ihnen selbst zu tun haben. Persönliche Enttäuschungen über das eigene Leben oder den Wohlstandsverlust in Europa werden stellvertretend auf die Solidarisierung mit anderen Krisengebieten übertragen und zornig ausgerufen.
Documenta 15, 2024Venedig Biennale 2024
IB: Es gab bei jeder Documenta „Skandale“.
RB: Ja, bei uns 2007 wurde heftig debattiert, ob es Kunst sei, einen Koch einzuladen oder dass wir bunte Wände verwenden.
Die Documenta 15 musste stärkere Kritik aushalten, weil hier die Reibungen mit der Staatsdoktrin deutlich wurden. Ruan Grupa war schlecht beraten und lief ungeschützt ins Messer. Das wird sich so nicht mehr wiederholen. Zukünftige Skandale werden kommen, aber andere Formen annehmen.
IB: Das hat Tradition bei der Documenta.
RB: Richtig. Wenn man sich auf diese Aufgabe als Kurator einläßt, kann man nicht nur geliebt werden, sondern muss den Finger in Wunden legen, letztendlich auch in die eigenen und das ist schmerzhaft. Klar gibt es dann einen Aufschrei. Doch wie bereits gesagt: man muss Freude an intersivem Diskurs haben. Ich jedenfalls mag das!
Gespräch mit Till Fellrath, Kurator -nicht nur- am Hamburger Bahnhof Berlin
Viele öffentliche Diskussionen drehten sich in den letzten Jahren um die Aufgaben und die Verantwortung von Kuratoren bei Großausstellungen. Bei der aktuellen Venedig-Biennale und bei jeder Documenta finden sich Schlagzeilen über sie in der Presse. Vor 3 Tagen wurde sogar bundespolitisch über die Berufung des Kurators für die nächste Documenta debattiert.
Die 14. Taipeh Biennale 2025 hat bereits feste Kuratoren. Das sind Sam Bardaouil und Till Fellrath, die Leitern des Hamburger Bahnhofs in Berlin. Beide kuratierten zuvor viele internationale Ausstellungen und sind auch in großem Umfang für das Kuratieren im eigenen Haus verantwortlich.
INArt Berlin: Herr Fellrath, ich möchte mit Ihnen über „Das Kuratieren“ sprechen, und zwar am Beispiel der Taipeh-Biennale, weil Sie hierfür mit Ihrem Kollegen Sam Bardaouil die beauftragten Kuratoren sind.
Es fällt auf, dass sich ganz viele Menschen im Kunstbereich Kurator nennen, auch wenn sie teils gerade erst von der Uni kommen. Kurator ist ja kein geschützter Begriff.
Aber die großen Ausstellungen leben inzwischen vom Kuratieren, wobei immer noch viele Menschen denken, es ginge dabei nur um das Aufhängen von Bildern.
Till Fellrath: Genau.
I.B.: Wie kam es, dass Sie 8953km entfernt gegen die Konkurrenz vieler Kuratoren dieser Welt für die Taipeh-Biennale ausgewählt wurden? Mussten Sie sich bewerben?
T.F.: Wir sind tatsächlich direkt angesprochen worden. Die Taipeh-Biennale hatte ein internes Auswahlverfahren und dann gemeint, wir wären die geeigneten Personen. Dann haben sie uns gefragt. Wir haben kurz nochmal nachgedacht, aber das dann doch angenommen, weil es ein spannendes Projekt ist.
I.B.: Absolut! Und mussten sie sich später noch irgendwo präsentieren und ein Konzept vorstellen?
T.B.: Nein, das mussten wir tatsächlich nicht. Da sind vielleicht andere Biennalen auch etwas anders, aber hier hat man uns einfach aufgrund der Erfahrung mit unserem kuratorischen Stil eingeladen.
Wir Kuratoren sind ein bisschen wie Dirigenten einer Ausstellung und dabei hat man eine künstlerische wiedererkennbare Handschrift entwickelt. Das ist so einen Stil, wie man mit Kunst bei den Ausstellungen auf Menschen zugeht. Und da ist es möglicherweise besser, den gestaltenden „Dirigenten“ auszuwählen als ein Konzept.
I.B.: Doch zum thematischen Inhalt: haben Sie jetzt schon einen Titel? Sie brauchen ihn noch nicht zu nennen, aber wie entwickeln Sie eine Thematik?
T.F.: Einen Titel konkret haben wir nicht, aber wir haben schon erste Grundideen für eine Thematik oder Grundkonzepte oder so eine Emotionalität. Wir werden sicherlich eine Ausstellung machen, die die Menschen direkt anspricht, wie wir das immer machen, also wo auch Reibungen vielleicht entstehen, wo die BesucherInnen irgendwas empfinden, sich freuen oder etwas spüren können. Wir möchten Empfindungen bewirken, für die man nicht erstmal stundenlang lesen muss, bis man das Werk versteht, sondern schnell einen gefühlten Zugang bekommt.
I.B.: Wie haben Sie sich vor Ort informiert?
T.F.: Wir waren in März in Taipeh und haben uns die Räumlichkeiten angeschaut. Wir haben selbst auch schon eine frühere Ausgabe der Taipeh-Biennale gesehen. Jetzt haben wir einfach auch ein bisschen Zeit in der Stadt verbracht, sind durch die Straßen gegangen, haben andere Ausstellungshäuser angeschaut und uns mit der Alltagsgeschichte beschäftigt, um eine Emotionalität mitzunehmen, von der wir das Gefühl haben, dass wir andocken können.
I.B.: Also wird es eine Mischung aus Ihren bisherigen künstlerischen Projekten und der örtlichen Situation, die sie vorfinden, der Stimmung dort im Land?
T.F.: Ganz klar so. Es wird einerseits sicherlich viele künstlerische Positionen geben, die wir kennen und am meisten auch solche, mit denen wir schon immer mal was machen wollten. Wir überlegen gerade gezielt und testen unsere ersten Ideen auf ihre Machbarkeit. Ein besonders wichtiger Faktor sind immer die lokalen Gegebenheiten. Das ist ganz ganz wichtig für eine Biennale oder auch jede andere Ausstellung. Es muss immer einen Grund haben, warum man was gerade an diesem Ort macht. Das ist wichtig, auch hier im Hamburger Bahnhof. Wie ist der Berlinbezug? Hängt es mit der Sammlung zusammen oder widerspricht es ihr? Wie setzt sich die Ausstellung mit der Architektur des Hauses auseinander?
I.B.: Wie waren Ihre ersten Eindrücke vor Ort?
T.F.: Irgendwie muss es einen Grund geben, warum ein Projekt genau an dieser Stelle stattfindet. Das wird in Taipeh ganz genau so sein. Dort ist es nur etwas komplizierter, auf die Räume einzugehen. Es muss auf jeden Fall ein lokales Gefühl entstehen.
Das ist dann auch wichtig in Bezug auf die lokale Presse oder auch für die Menschen vor Ort. Es werden halt nur wenige Besucher aus 9000 km Entfernung kommen, die international zu Ausstellungen jetsetten. Das Wichtigste ist immer das lokale Publikum, auf das man eingehen muss; übrigens auch in Berlin.
I.B.: Welche Einzelschritte des Kuratierens folgen jetzt? Sie haben eine Idee, um Emotionen zu wecken? Next steps, was schwebt Ihnen vor?
T.F.: Also das Wichtigste, glaube ich, ist erstmal festzuhalten, dass kuratieren nicht mit dem Moment anfängt, wenn man beginnt eine Ausstellung zu konzipieren. Es ist die gesamte Lebenserfahrung, die in die Arbeit einfließt. Außerdem sind es alle künstlerischen Positionen, mit denen man in der Vergangenheit gearbeitet hat. Man fängt nie bei Null an, sondern bei etwa 70%. Dann fängt man an, Elemente zuammenzuziehen. An dem Punkt sind wir momentan dabei, mit unseren Grundideen erstmal eine lange Liste an künstlerischen Positionen aufzustellen. Das sind jetzt etwa 100 Künstler*Innen. Wir werden das reduzieren auf eine Größenordnung von 40 bis 50. Am Ende kommen dann sicherlich noch einige dazu. Im Weiteren werden wir mit den Elementen ein bisschen spielen und schauen, wie daraus eine interessante Ausstellung zusammengestellt werden kann. Wie sind die lokalen Bezüge und wo sagt das Bauchgefühl – da ist sehr viel Bauchgefühl dabei! -, dass wir gerade mit diesem Inhalt dort mit dem Publikum in Dialog treten können? Oder wo kann es spannend sein, ein Risiko einzugehen, wie sich eine künstlerische Position entwickelt? Da haben wir große Lust drauf. So wie bei Marianna Simnett, da wussten wir auch nicht, was passiert. Das ist eine ganz verrückte arrivierte Künstlerin, bei der wir dachten, das müssen wir mal ausprobieren und ihr eine Plattform geben. Das Ergebnis ist in unseren Augen ein aufregender Erfolg. So werden wir es in Taipeh auch machen: den Künstlern und Künstlerinnen eine große Plattform geben, auf der sie sich austoben können.
I.B.: Nochmal zu den künstlerischen Positionen: Ich stell mir immer vor, dass ein Kurator mit Erfahrung natürlich ein riesengroßes Adressbuch mit Künstlernamen hat, ein Repertoire, aus dem er dann gezielt aussucht.
T.F.: Das ist wirklich so, das passt auf jeden Fall und die Liste wird ständig erweitert. Die Welt ist unendlich groß, keiner kann alles erfassen, doch wir schauen ständig Ausstellungen an. Als wir in Taipeh waren, waren wir auch in Shanghai und Hongkong, wie wir auf jeder Reise versuchen andere Sachen anzuschauen, einfach weiter zu lernen. Unser Ansatz für diese Biennale ist auf jeden Fall: wir schauen wie immer eher nach vorne als nach hinten. Wir werden also nicht auf historische, sondern mehr auf jüngere Positionen setzen.
I.B.: Welche Message liegt Ihnen besonders am Herzen?
T.F.: Ich glaube, das ist ein wenig, was wir immer versuchen, nämlich Kunst für jeden zugänglich zu machen; dass man irgendwie ein stückweit Empathie mitnimmt, sich berührt fühlt, über etwas nachdenkt, in eigenen Erinnerungen plötzlich eine komische Querverbindung findet, die man gar nicht gleich versteht. Das ist so ein bisschen wie bei der Musik oder beim Essen: da denkt man manchmal auch an bestimmte Dinge und fühlt sich irgendwie berührt und weiß das gar nicht einzuschätzen. Kunst hat eigentlich auch diese Qualität und das ist auch ihre Stärke. Es macht einen ein Stück menschlicher, empathischer. Man hört auf, robotisch zu sein, sondern wird wieder sensibler. Kunst kann Menschen aus Vorurteilen rausreißen, auch wenn man sie nicht gleich versteht. Das ist dann viel wertvoller! Mehr als Politik!
I.B.: Wie suchen Sie die Künstler*Innen aus? Sie hatten vorhin bereits gesagt, es gehe nicht vorwiegend um eine Thematik, sondern darum, Menschen emotional zu berühren. Adriano Pedrosa hat für die Venedig Biennale vor allem die Künstlerbiografie in den Vordergrund gestellt. Spielt das bei Ihnen auch eine Rolle?
T.F.: Hintergründig würde ich sagen. Das ist sicher der zweite Grund. Wir würden jetzt generell nicht Künstler und Künstlerinnen aussuchen, weil sie Frauen sind oder aus Chile kommen. Es geht schon vorrangig um die für sie bekannte künstlerische Position. Für Taipeh haben wir ganz speziell mit dem Gebäude begonnen. Die Ausstellungsräume sind… schwer teilbar. Es gibt längere schmale Räume, manche haben Fenster nach draußen. Sie sind sehr unterschiedlich. Die Architektur, glaube ich, wird für eine gute Ausstellung eine große Rolle spielen. Wir müssen überlegen: Wie sind die einzelnen Werke? Wie können sie in den verschiedenen Räumen funktionieren? Wie kann man die einzelnen Räume bespielen? Alle haben eine andere Lichtqualität und differenzierte Architektur. Bei manchen muss man durchlaufen. Dann gibt es viele offene Räume und ein großes Atrium. Im Untergeschoss befinden sich große Bereiche, die mit Fenstern in einen Innenhof offen sind, aber auch viele große Hallen. Wir werden halt sehr stark darauf achten, dass sich die Werke sehr gut in die Architektur einpassen; das ist ein wichtiger Faktor.
I.B.: Welche äußeren Faktoren sind noch relevant?
T.F.: Ich glaube, dass es im Kontext von Taiwan sehr wichtig und gut ist daran zu denken, dass es eine Insel ist. Ich will jetzt nicht sagen, sie sei isoliert, denn es ist eine Insel mit einer guten Kunstszene, aber wir wollen schauen, dass es dort viele internationale Positionen gibt, die aus unserem Bauchgefühl heraus interessante Dialoge für die menschliche Annäherung mit der Bevölkerung vor Ort ermöglichen und thematisch auch in der großen politischen Situation eine Relevanz haben.
Dann schauen wir im zweiten Schritt ein wenig auf die Biografie der Künstler*Innen. In der Regel haben wir nie Probleme damit, eine Ausgewogenheit zu erreichen. Bisher hat sich das bei allen Projekten eigentlich fast automatisch eingestellt, wenn man wirklich inhaltlich genau schaut.
I.B.: Sie haben kurz das Politische angesprochen. Taiwan ist ja ein Brennpunkt zwischen China und der westlichen demokratischen Welt, und die Menschen kämpfen darum, ihre Eigenständigkeit zu behalten.
Haben Sie Sorgen, dass hierdurch irgendwelche Side Effects die Ausstellung stören könnten? Oder müssen Sie große Rücksicht nehmen auf die lokale politische Situation?
T.F.: Also Taiwan ist komplett frei, die Presse ist frei, die Kunst ist frei und Meinungsfreiheit ist dort komplett gewährleistet. Das haben wir in China und jetzt auch in Hongkong nicht so empfunden. In Taiwan ist die Freiheit den Verantwortlichen der Kunstwelt sehr wichtig. Es gibt schon viele Dinge, die auch sehr kritisch sind. Im großen Umfeld, auch in freien Gesellschaften bleiben immer die Fragen: Wenn man was sagen kann, was muss man sagen? Will man Menschen provozieren oder sie in einen Dialog überführen? Wenn man etwas sagen darf, heißt das nicht, dass man es auch sagen muss! Oder kann man Wege finden, um unterschiedliche Meinungen mit einzubringen?
I.B.: Es lauern ja überall Fettnäpfchen Haben Sie schon welche entdeckt?
T.F.: Unser Eindruck ist, dass es in Taipeh etwas entspannter ist als in Berlin. Und das ist die Herausforderung für uns und auch die Verantwortung in dem geopolitischen Umfeld, Spannung und Empathie zu fördern, und somit diese Offenheit nicht nur dem internationalen Publikum nahezubringen. Die Fettnäpfchen lauern immer und überall. Das ist Deutschland auch intensiv zu spüren, obwohl wir in Bezug auf Kunstfreiheit eigentlich alles haben.
I.B.: Herzlichen Dank!
Wir sind gespannt auf Ihre Arbeit, und hoffen, dass sich auch für die Kunstszene bei uns eine wichtige Brücke Taipeh Berlin durch Ihre Biennale festigt.
T.F.: Oh, ja, besuchen Sie doch unsere Biennale in Taipeh! Es ist sicher nicht einfach, denn der Flug ist wirklich sehr lang, zumal man nicht mehr über Russland fliegen darf! Aber es lohnt sich, auch für Berliner, weil man sicher mit vielen wunderbaren Eindrücken im Gepäck wieder in die Heimat zurückkommt.