Die ART Basel gilt als die berühmteste Kunstmesse der Welt, wo die kostspieligsten Werke angeboten und verkauft werden. Unabhängig von der künstlerischen Bewertung und dem individuellen Geschmack der Autorin soll hier einmal exemplarisch davon berichtet werden, zu welchen Preisen Werke angeboten werden, über die in diesem Forum in den letzten Jahren geschrieben wurde. Die Daten der entsprechenden Blogbeiträge sind unter den Bildern zu finden.
El Anatsui, 1.7 Mill $Pablo Picasso , 27 Mill $
El Anatsui im Broad-Museum Los Angeles 27.2.2024
Picasso-Museum Arles: 10.5.2025
Sigmar POLKE 2,5 Mill $Tony Cragg, 219 000 $
Sigmar Polke in Arles, 11.5.2025;
Tony Cragg: Kulturhauptstadt Europa 2025, Chemnitz , 26.8.2024
Frank Stella im Barberini Potsdam bei „Kosmos Kandinsky“ 2.3.2025
Die Preise sind mündliche Angaben der Galeristen, die stets freundlich und offen darüber Auskunft gaben. Allerdings muss offen bleiben, ob die Werke wirklich zu diesen Preisen verkauft wurden. Zwei Galeriemitarbeiterinnen berichteten jedoch, dass sie bereits nach dem ersten Vorbesichtigungstag für Sammler wegen „Ausverkauf“ nahezu komplett umdekoriert hätten. Man muss aber auf keinen Fall Kunst besitzen, um sich daran zu erfreuen! Und hierfür bietet die Messe großartige Möglichkeiten.
Nächste Chance: ART BASEL vom 18. bis 21. Juni 2026
Der Kunstgenuss in Zeiten der Biennale erscheint in Venedig unerschöpflich. Doch es ist einfach herrlich, durch die traumhafte Lagunenstadt zu schlendern und nebenbei bemerkenswerte und überraschende Ausstellungen anzusehen. Hier eine weitere Auswahl!
Jim Dine wird vom Göttinger Steidl-Verlag unter dem Titel: „Dog on the Forge“ präsentiert. Fantastisch sind nicht nur die Bronze-Statuen des 89jährigen US-Amerikaners. Er gestaltet einen Kopf, der ihn selbst zeigt, aber mit multiplen Werkzeugen bestückt ist. Jim Dines Großvater hatte einen Eisenwarenladen, in dem der Junge viel gespielt und ausgeholfen hat.
Im Obergeschoß hängen große abstrakte bunte Bilder in barocken Wandnischen, bei denen die Ölfarbe so dick aufgetragen ist, dass sie zusammen mit ebenfalls Metallutensilien für Handwerker zu einer 3-dimensionalen Assemblage werden. Mickey-mouse-Figuren daneben verstärken den großen optischen Genuss dieser Ausstellung.
Den Palazzo Diedo restauriert Nicolas Berggrün komplett und zeigt jetzt schon unter dem Titel „Janus“ eine erste Auswahl von Kunstwerken seines Museums. Der deutsch-US-amerikanische Unternehmer und Milliardär wurde 1962 als Sohn des Berliner Sammlers und Galeristen Heinz Berggruen in Paris geboren. Einige bekannte Künstlernamen kommen im Palazzo Diedo vor wie Urs Fischer, Lee Ufan oder Ai Weiwei.
Palazzo Diego: BaustelleUrs FischerLee Ufan
Doch der schönste Raum wurde von Ibrahim Mahama gestaltet. Fotos von seinem Eisenbahnprojekt in Ghana zeigen, was mit Freunden und Mitstreitern geschafft werden kann. Außerdem modellierte Mahama dazu thematische Stuck-Elemente für die Raumdecke, die auch dauerhaft dort bleiben sollen.
Ibrahim MahamaIbrahim MahamaIbrahim Mahama
Noch wirken viele Räume leer und Handwerker bevölkern das Haus, um große Räumlichkeiten fertigzustellen. Diskutiert werden könnte, warum das Gebäude ausschließlich in White Cubes umgestaltet wird. Gerade in Venedig liegt doch der besondere Charme in der Kombination zeitgenössischer Werke in vormals prunkvollen Räumlichkeiten.
Palazzo Diedo, Fondamenta Diedo, Cannaregio 2386, bis 24.11.2024
William Kentridge, der weiße südafrikanische Künstler aus Johannisburg ist inzwischen 69 Jahre alt. Waren seine Arbeiten früher, z.B. bei der Documenta 13 (2012) thematisch noch sehr vom Kampf gegen die Apartheit in Südafrika geprägt, so handeln sie jetzt von einer Selbstreflektion über sein Leben und seine Kunst. In „Selfportrait as a Coffee-Pot“ diskutiert er mit seinem Ebenbild kontrovers darüber, was sie für die Welt noch Sinnvolles schaffen sollten. Mehrere Animationsfilme seiner berühmten Kohlezeichnungen mit den zwei Williams als Schauspieler sind ein fröhliches, ironisches Erlebnis. Kuratiert wurde die Ausstellung von Carolyn Christov-Bakargiev, der Kuratorin der Dokumenta 2012.
Arsenale Institute for Politics of Representation, Riva del Sette Martiri, bis 24. November.
Wael Shawky ist nicht nur im heimatlichen ägyptischen Pavillon in den Giardini monumental vertreten, sondern auch im Museo Grimani in der Stadt.
Ulrich Obrist mit Wael Shawky
Im ersten präsentiert er mehrere Installationen, die einen direkten Bezug zu seinem Film haben. Der Künstler bezeichnet dessen Inhalt als Oper. Recht monoton in historisch anmutenden Kostümen berichtet die Handlung von den Konflikten und Kämpfen um den Bau des Suez-Kanals, und zwar aus ägyptischer Sicht. Das Land hatte sich durch die Baukosten hoch verschuldet und wurde von den englischen Kolonialherren zusammen mit den ausländischen Geldgebern so unter Druck gesetzt, dass sie die Rechte am Kanal verkaufen mussten: „Drama 1882“
Im Museo Grimani spielen Menschen mit Puppen-Köpfen Geschichten aus der griechischen Mythologie unter dem Titel: „I Am Hymns of the New Temples“.
Wael Shawky ist bekannt und hochgelobt wegen seiner Puppenspiel-assoziierten Filme, weil er einfühlsam und trotzdem aus einer gewissen objektiven Distanz erzählt.
Beide Filme sind für einen Biennale-Besuch recht lang: 45 Minuten. Doch wenn man genügend Zeit mitbringt, entsteht keinerlei Langeweile.
Giardini di Biennale, Ägyptischer Pavillon und Museo di Palazzo Grimani, Castello
Robert Indiana
Robert Indiana: “The Sweet History- Life and Death”. Auch wer den Namen des Künstlers nicht kennt, hat sein sicher bekanntestes Kunstwerk im Kopf: die quadratische Skulptur des Wortes LOVE. Neben Andy Warhol oder James Rosenquist ist Robert Indiana zu einer weiteren Ikone der Pop-Art zu zählen.
Als Robert Clark wurde er 1928 in New Castle geboren und nahm später den Namen seines Bundesstaates Indiana als Künstlernamen an, als er in New York bereits berühmt geworden war. In der Ausstellung am Marcusplatz in Venedig ist ein Querschnitt aus allen 50 Jahren künstlerischen Outputs zu sehen. Anfang der 60ger Jahre malte er Bilder mit großen farbigen Buchstaben und Symbolen, oft mit der Message: EAT, LOVE oder DIE. Seine Mutter soll ihm oft zugerufen haben, er solle immer ausreichend essen. Später folgten auch die dreidimensionalen Skulpturen. Er starb 2018.
Die wilde Zeit der POP-Art spiegelt sich herrlich in den Werken von Robert Indiana wieder und erinnert fröhlich an Love, Peace, und Hippie-Bewegung in Amerika.
Procuratie Vecchie, Eingang vom Marcusplatz aus. Bis 24.11.2024
Lee Ufan muss ein weltberühmter Künstler sein, denn sonst hätte er nicht die Ehre bekommen, eine Espressotasse der Illy-Collection zu gestalten und sonst wären nicht so viele begeisterte AnhängerInnen aus Frankreich und Korea zur Eröffnung der neuen Retrospektive des Künstlers im Hamburger Bahnhof angereist.
Das Tassendesign ist nicht sehr dekorativ, sondern fällt sehr minimalistisch aus. Doch genau das ist absolut typisch die Kunst von Lee Ufan, ein Symbol für Reduktion, Entschleunigung und Konzentration auf das Wesentliche.
Auf den ersten Blick entfalten die ausgestellten Werke ihre tiefe Aussagekraft nicht wirklich, doch mit ein wenig Anleitung und Einblick in das Leben und die Intentionen des Künstlers verlieren die Felssteine, Blech- und dicken Glasplatten ihre Sperrigkeit.
Die Retrospektive des 87jährigen koreanisch-japanischen Künstlers Lee Ufan findet fast genau 50 Jahre nach seiner ersten Ausstellungsbeteiligung in Deutschland, damals in Düsseldorf statt.
Lee Ufan wurde 1936 im japanisch kolonialisierten Korea geboren, zog 1956 aber nach Japan, wo er bis heute lebt und arbeitet, allerdings mit häufigen Aufenthalten in Paris.
Es gibt einen Bezug zu Deutschland durch Teinahme an mehreren Ausstellungen, aber auch durch die Liebe des Künstlers zur deutschen Philosophie, die er mit anderen philosophischen Richtungen intensiv studierte. Bis heute schätzt Lee Ufan Martin Heideggers Konzept des Daseins, das die Basis seiner künstlerischen Philosophie bildet. Die Objekte und deren Anordnung im Raum gehen eine Beziehung ein, in die zusätzlich der Betrachtende eingebunden werden soll. Allein das Dasein aller Elemente hat Bedeutung.
Obwohl die Werke von Lee Ufan an die Strömung des Minimalismus erinnern, erklärt der Künstler den Unterschied seines asiatischen Ansatzes besonders im Vergleich zu dem amerikanischen Stil: „Die Minimalisten in Amerika entleeren die Objekte jeglicher Bedeutung. Ich gebe ihnen aber vermehrten Ausdruck, indem ich sie in einem Raum so installiere, dass sie miteinander und mit den Betrachtern in Beziehung treten.“ Somit ist zum Verständnis nicht ein einzelnes Objekt zu bewerten, sondern der ganze Raum. Wenn dieser interpretatorische Zugang verstanden ist, kann die dahinter stehende Idee langsam wahrgenommen werden und ermöglicht vielleicht ein Eintauchen in die Denkwelt des Künstlers.
Lee Ufan ist künstlerischer Schwerstarbeiter. Wie kaum ein Mensch ist er bereits 60 Jahre lang aktiv. Schon Ende der 60er Jahre fiel Lee Ufan mit Kunstwerken auf, bei denen er einen schweren Stein ganz langsam anhob und auf eine Glasplatte fallen lies, die daraufhin zersprang. Solch ein Werk ist in der aktuellen Ausstellung erneut zu sehen. Auf die Frage, ob er es vor Ort produziert oder die zerstörten Teile mitgebracht und zusammengelegt habe, erklärt Kurator Till Fellrath: „Die Installation hat Lee Ufan hier neu erstellt, inklusive des Anhebens und Fallenlassens des Steins.“ Der Künstler erläutert: „Früher in den 60gern gab es Unruhen unter jungen Leuten. Da war der Vietnamkrieg, gegen den alle protestierten und auch gegen die ältere Generation. Diese Art von Kunst-Aktion war damals ein rebellischer Prozess: It was strong political power!“ Heute habe sich sein Fokus geändert. Auf der einen Seite liege die Glasscheibe als industrielles Produkt und darauf der Stein, ein Stück Natur, der symbolisch am Ende gewinnt. Lee Ufan könne jetzt auch die poetische Schönheit in diesem Kunstwerk sehen, nicht vorrangig die Zerstörung. Die grafischen farbigen Bilder im selben Raum stammen auch aus dem Jahr 1968, passend zur jugendlichen Rebellion im Popart – Zeitalter.
Die Gemälde der Ausstellung wirken etwas spröde und recht leer. Sie entspringen einer Koreanischen Künstlerbewegung der 1970er Jahre (Dansaekhwa) mit Abstraktion in monochromer Malerei. Der Künstler tauchte den Pinsel in Farbe und trug sie rhytmisch auf die Leinwand auf. Er erklärt auch heute, dass die leeren Bereiche seinem Körper entsprechen und deshalb nicht wirklich leer seien. In den neueren Gemälden finden sich eher sporadische Pinselstriche, aber in kräftigem Rot und Blau. Mit etwas Fantasie und Empathie drücken sie Bewegung, Tiefe und Rhythmus aus. Es fällt ein bisschen schwer, sich den großen Leinwänden mit den minimalen Farbanteilen zuzuwenden und ihre Intention zu fühlen. Denkt man aber entsprechend des Grundgedankens der Beziehungen aller Werke im kompletten Raum, ist es etwas leichter.
Lee Ufan äußert sich auch zur aktuellen Diskussion über AI (artificial intelligence): „AI comes from human and human comes from nature.“ Auch wenn wir im Zeitalter der Digitalisierung leben, so bleiben doch Spiritualität und Menschlichkeit weiterhin wichtig. „Die AI kann Antworten geben, doch die Aufgaben stellt der Mensch.“
Viele Werke enthalten den Titel „Relatum“, was Ausdruck für die wechselseitige Beziehung einzelner Elemente in einem System/Raum bezeichnen soll. Zum Beispiel stehen industrielle Materialien wie Stahl oder Glas natürlichen Steinen gegenüber.
Ein ganz besonderer Raum der Interaktionen der Objekte ist der letzte der Ausstellung, in dem ein Original-Rembrandt-Selbstbildnis am Ende eines Spiegelweges mit Stein-Begrenzungen hängt („The Narrow Sky Road“).
Lee Ufan ist lebenslang Bewunderer des Malers: „Rembrandts Selbstbildnisse leuchten aus den Tiefen des Gesichts, den Tiefen der Menschheit und der Erde. Stehe ich also vor einem, so erzittert das Innerste in meiner Seele.“ So wünscht er sich auch, dass die BesucherInnen von seinen eigenen Werke ergriffen werden.
LEE UFAN 27.10. 2023 bis 28.4.2024 im Hamburger Bahnhof, Berlin