


Die Lumbung Gallery als Zukunftsmodell ?
„Was haben Sie für Erfahrungen mit Kollektiven?“ fragt die Sobat (Kunstführerin der Documenta) in die Runde der TeilnehmerInnen des Kunstvereins aus Berlin. Das kollektive Entwickeln von kreativen Ideen und neuen Freundschaften war ein Kernanliegen der Documenta fifteen. Offenbar haben sich die geladenen Künstlerkollektive auch intensiv ausgetauscht. Aber die Besucher? Es fällt auf, dass auf die Frage mehrere sofort an ihre Teams bei der Arbeit dachten und dass der Job nicht ohne Hierarchien erfolgreich funktioniere. Für Menschen, die in der DDR aufgewachsen waren, haben Kollektive wiederum eine ganz andere Konnotation. Sie waren dazu angelegt, Konkurrenzen unter den einzelnen Kollektiven zu generieren, um die Effizienz der Produktion zu steigern.
Ein Beispiel für das Documenta-Kollektiv-Denken ist dagegen die Lumbung Gallery. Die bestehende Gruppe „TheArtists.net“ wurde gezielt eingeladen, um die KünstlerInnen beim Verkauf ihrer Kunstwerke zu unterstützen. Martin Heller von der Lumbung Gallery erklärt, dass zunächst in den einzelnen Kollektiven Preise für die Werke berechnet und festgelegt wurden. Kalkuliert wurden u.a. Materialkosten und Arbeitslohn, orientiert am reichsten vertretenen Land. Alle Entscheidungen wurden bis Eintritt der Einstimmigkeit diskutiert.
Die Erlöse gehen zu 70 % an das Künstlerkollektiv, das intern über die Verteilung entscheidet. Von den 30% sollen alle teilnehmenden Kollektive etwas bekommen, auch die, die nicht verkauft haben.



Ist das ein wesentliches Vermächtnis der Documenta fifteen für die Zukunft der Kunst, der Beginn einer Revolution des Kunstmarktes? Kein gehypter Einzel-Künstler, nur erfolgreiche Kollektive? Werden sich Künstler solidarisieren und auch bei persönlich großem Gewinn an die Kollegen etwas abgeben? Ein Händler habe zu Martin Heller gesagt: „Ihr habt jetzt die größte Gallerie der Welt!“ Dies ist jedoch auch eine große Verantwortung!
Augenblicklich seien die Anfragen sehr hoch und der politische Skandal der Documenta scheint die Lust der Interessenten an den Kunstwerken überhaupt nicht zu mindern. Die Abwicklung mache den Mitarbeitenden der Lumbung Gallery und dem Registrar-Team der Documenta dementsprechend extrem viel Arbeit.


