Extra-Info: Kinostart in Deutschland ab Donnerstag, 25.Mai 2023


Der Dokumentarfilm von Laura Poitras ist ein Mosaik einzelner wichtiger Episoden aus dem komplizierten Leben der Fotokünstlerin Nan Goldin, der den Zuschauer permanent emotional in die Handlungen hineinzieht und aufwühlt. Zwei Tage vor der Vorführung von „The Beauty and the Bloodshed“ in der Akademie der Künste in Berlin war Nan Goldin an gleicher Stelle live erschienen, um ihren Käthe Kollwitz-Preis entgegen zu nehmen. Erlebt wurde sie als lebensbejahende, fröhliche und starke Frau, deren Kämpfergeist durchgehend spürbar ist.
In der Dokumentation wurden Zeiten und Situationen eingefangen, die für Nan Goldin mit erheblichem Leid und vielen Enttäuschungen besetzt waren: die Traumata aus einer dysfunktionalen Familienstruktur und dem Suizid ihrer 19jähigen Schwester, die Anfeindungen ihrer Freunde aus der Queer Szene, die gewalttätigen Übergriffe ihres Partners, die vielen AIDS-Toten in ihrem Umfeld, die eigene unverschuldete Opiatsucht nach OXICODON-Gabe als Schmerzmittel nach einer OP, all diese Katastrophen überstand sie und wurde offenbar sogar immer stärker.
Zu sehen sind vor allem auch Original-Szenen ihrer Kunst-Aktionen, ja eher Performances gegen die Sackler-Familie, deren Pharmakonzern durch Oxycodon ultrareich wurde und dafür die hierdurch ausgelösten Drogenabhängigkeiten vieler Amerikaner*Innen in Kauf nahmen.
Ein Staat solle dafür sorgen, dass seine Bürger am Leben bleiben, sagte Nan Goldin am Freitag. Sie bezog sich darauf, dass die Verursacher juristisch ungestraft blieben. Außerdem würde der US-Staat sich nicht um Drogentherapie oder auch nur Schadensbekämpfung kümmern mit z.B. sauberen Räumen und Materialien zum Konsum. „America is broken!“ Zusätzlich betonte sie, dass sie dies gerade in Deutschland und Berlin ganz anders erlebe.
Originale Filmszenen beweisen auch die Lügen und das Verschweigen der Konzerninhaber über Nebenwirkungen. Sie wurden nicht strafrechtlich verurteilt und entzogen sich hoher Entschädigungen durch eine manipulierte Insolvenz.
Doch letztlich reagierten die angesehenen großen Museen auf den enthüllenden Kampf der Künstlerin und verweigern inzwischen weitere Spenden der Sacklers . Zuletzt gingen sie auch auf die Forderung der Aktivistin ein, indem sie die Namen „Sackler“ aus allen Ehrentafeln entfernten.
Der Film ist psychoanalytisch, politisch, radikal, aber vor allem empathisch und mit vielen der wunderbaren Dia-Serien von Nan Goldin gespickt, ein mitreißendes aufwühlendes und spannendes Erlebnis.
Beim Filmfestival in Venedig gewann er bereits den Goldenen Löwen und war Oskar- nominiert.
Top – Sehenswert!