
Im Gropiusbau in Berlin gilt es einzutauchen in ein Labyrinth von Gestängen wie in einer skulpturalen Installation von Piet Mondrian, umgeben von Schwarz-Weiß-Fotografien der New Yorker Fotografin Diane Arbus (1923 – 1971). Die besondere Konstruktion und Anbringung der Fotos mit verwirrender Vervielfältigung durch Spiegelungen ist ein Raumkunstwerk für sich. Das Umherirren und immer wieder zufälligen Auffinden der unterschiedlichen Fotomotive ohne zwingenden Zusammenhang ist absolut gewollt. So hinterlässt jeder einzelne Blick auf ein neues Bild eine extrem intensive und individuelle Wirkung.



Diane Arbus bekam 1941 ihre erste Kamera als Hochzeitsgeschenk ihres Ehemannes. Zuvor hatte sie bereits Kunst in New York studiert. Beide gründeten nach dem Krieg 1946 eine Agentur für Modefotografie. Mit Fotos für Hochglanz-Zeitschriften sicherte sich Diane Arbus auch weiterhin ihren Lebensunterhalt. Sie erschienen bei Haarper’s Bazaar ebenso wie in der VOGUE.
Doch viel mehr faszinierten die Fotografin Menschen, die nicht dem Schönheitsideal der Zeit entsprachen: Behinderte, Kleinwüchsige, Ausgestoßene, Travestie-Künstler: Menschen, die eher nicht die gesellschaftlichen Normen verkörpern.



Diane Arbus‘ außergewöhnliche Fotos begeisterten Kunstkenner und wurden zunehmend in berühmten Museen wie dem MOMA in New York oder postum auch in Paris und Ontario ausgestellt. 1972, ein Jahr nach ihrem frühen selbstgewählten Tod zeigte die Biennale in Venedig Fotos von Diane Arbus. Es war das erste Mal, dass Fotografien den Rang von Kunstwerken erreichten.


Im Gropius-Bau in Berlin werden 450 Fotos gezeigt. Es sind Abzüge, die Neil Selkirk genau in der Art wie die Künstlerin selbst hergestellt hat. Er ist ebenfalls Fotograf und war Schüler bei Diane Arbus. Mit seinen technischen Kenntnissen hatte er ihr damals oft zur Seite gestanden, weshalb nur er von ihr autorisiert wurde, auch weiterhin Abzüge ihrer Negative herzustellen.



Es ist faszinierend, wie sich im Blick der Fotografin ihre Liebe und Wertschätzung andersartiger Menschen auf ihren Fotos abbildet. Sie sind eine Anregung für uns Betrachtetende, uns selbst der Welt und den Menschen in ihrer Vielfältigkeit offen und bewundernd zu nähern.
Diane Arbus: „Konstellationen“, Gropius-Bau Berlin, 16.Okt.2025 bis 18.Januar 2026



















