Sound- und Bier-Künstler aus Nigeria


Emeka Ogboh hat zu der großen Afrika-Ausstellung „The True Size of Africa“ in der Völklinger Hütte drei Kunstwerke neu und side-specific geschaffen. INArtberlin sprach mit ihm über seine ungewöhnliche Art des Kunstschaffens anlässlich der Ausstellungseröffnung.
Inartberlin: „Schon 2017 bei der Documenta 14 ließen Sie ein spezielles Bier damals in Einbeck brauen. Es war eine dunkle Komposition mit besonderen afrikanischen Aromen und recht hohem Alkoholgehalt. Der Name Sufferhead signalisierte die Wirkung am Tag danach.“
Emeka Ogboh: „ Für Völklingen jetzt hat das Bier keinen hohen Alkoholgehalt oder afrikanische Gewürze. Es ist rotbraun, ein Red Ale und trägt den Namen“ROST“. Es ist ein Symbol für den Stahl, der hier hergestellt wurde, ein extrem hartes Material, das aber doch von Korrosion zerstört werden kann. Und Korrosionen passieren auch mit Menschen, wenn sie geschunden und ausgebeutet werden. Der Bergbau ist eine Gemeinsamkeit zwischen dem Süden Afrikas und dem Saarland. Es bleibt bei der Produktion rote Schlacke übrig. In Afrika färbt zusätzlich roter Sand die Luft. Das Bier aber wird von allen Bergleuten nach einem schweren Arbeitstag an der Theke getrunken!“


Auch das zweite Werk für die aktuelle Ausstellung knüpft an die gemeinsame Bergbautradition an. Als Mehrkanal-Soundinstallation lässt Ogboh afrikanische Sänger das Steigerlied singen, jedoch auf einer afrikanischen Sprache Namibias mit von ihm neu verfassten Text. Dieser handelt vom Leid der Arbeiter durch Ausbeutung in der Kolonialzeit. Der Klang ist gleich am Eingang eine immersive Einstimmung der Besucher auf die Welt Afrikas oder Unter Tage.
Inartberlin: Sie sind aus Nigeria, aus Lagos und leben jetzt in Berlin. Warum?
Emeka Ogboh: „Sound-Kunst kann ich nicht in Lagos machen. Da ist es unglaublich laut. Sie denken, Berlin sei laut. Doch das bisschen Straßenlärm ist gar nichts gegen Lagos. Da würde jede Soundinstallation übertönt.“
Als drittes Kunstwerk ist „Der Chor der Aufgegebenen“ im Außengelände der Völklinger Hütte zu erleben. Fünf ausrangierte Hängebahn-Loren werden durch kleine Motoren in wechselnder Choreographie „zum Leben erweckt“.

E.O.: „ Es klingt erst wie ein unterschiedliches Quietschen und Knarren, aber auch ein wenig wie Glocken, die die Zeit ansagen.“
I.B.: Welche nächsten Projekte können wir von Ihnen erwarten?
E.O.: „Ich möchte auch etwas Ungewöhnliches mit Speisen machen. Dafür recherchiere ich jetzt in Berlin. Es gibt dort so eine riesige fantastische Vielfalt internationaler Küchen!“
Emeka Ogboh ist mit seinen Werken der markanteste Künstler der Ausstellung „The true size of Africa“ und ein hervorragendes Beispiel dafür, wie wirkungsvoll Kunst auch durch Sound oder Getränke als Darstellungsformen sein kann.
Emeka Ogboh bei „The true size of Africa“ in der Völklinger Hütte, 9.11.2024 bis 17.August 2025













