Wenn Hahn und Fuchs sich unsterblich verlieben


Betritt man die großen Rieckhallen im Hamburger Bahnhof, wird man eingehüllt in eine Welt aus Fabelwesen, einer untergehenden Sonne und umhüllt von weicher farbiger Beleuchtung sowie von zarten Opernmelodien. Petrit Halilaj (Jg 1986) hat seine bunte Installation aufgebaut wie eine Theaterkulisse und tatsächlich ist sie auch die kleine immersive Welt, in der seine Oper spielt. Diese basiert auf einer Anekdote, die in seiner Heimat, dem Kosovo erzählt wird. Danach verliebten sich Fuchs und Hahn – absichtlich ein queeres Paar – und wanderten nach dem Verstoß aus dem Paradies in das uralte Dorf Syrigana, wo sie letztlich nach einigen Wirrungen von der Bevölkerung liebevoll aufgenommen und verheiratet wurden.


Nicht Adam und Eva, nicht die Schlange, sondern der Schneider, nicht der Apfel, sondern die Birne; es bleibt die eindeutige Anlehnung an die biblische Geschichte, die alle drei monotheistische Religionen vereint. Tatsächlich hat der Künstler die komplette Oper inzeniert und sie am Ursprungsort im Kosovo, in dessen Nähe er selbst an der Grenze zwischen Serbien und Albanien aufgewachsen ist, uraufgeführt: im Freien und durchaus gegen Widerstände in der vormaligen Kriegsregion. Ein Brandanschlag auf die Kulissencontainer musste überwunden werden. Die Zweisprachigkeit (serbisch und albanisch) wurde kompensiert, indem die meist vogelartigen Rollen mit zwitschernden Stimmen singen. Doch es wurde ein Riesenerfolg, an dem 1200 Menschen vor der Kulisse eines sagenumwobenen Felsens teilhaben konnten.



Die Ausstellungsversion in Berlin lässt dies erahnen, wenn man sich hineinziehen lässt. Doch auch einzelne Skulpturen wirken schon in ihrer verspielten Art magisch inspirierend. Symbolisch sind es Motten, Vögel oder Engel.


Halilajs Installation ist ein typisches Beispiel für ein Kunstwerk, das mit den Grenzen der verschiedenen Kunst-Genres spielt. Die Musik einer Oper, die Literatur eines Märchens, die bildende Kunst als skulpturale Installation und textile Arbeiten als Mode bzw. Kostüme: ein Crossover, wie es dem mega-aktuellen Trend in der Kunst entspricht. Diese multimediale Anregung aller Sinne lässt die Besucher in eine wundervolle eigene Traumwelt eintauchen, wenn sie sich darauf einlassen möchten.
Petrit Halilaj: „An Opera Out of Time”, 11.9.2025 – 31.5.2026 im Hamburger Bahnhof in Berlin.
Achtung: Geplant ist konsequenterweise eine reale live-Aufführung der Oper in den Ausstellungsräumen im April 2026. Deshalb sollte man regelmäßig schauen, wann es Tickets gibt.







