Keine Qualitätsgarantie
Ein Security-Mann steht mit Knopf im Ohr wie ein Wächter vor einer matten Plexiglastür. Der Kurator sagt zur Besucherin mit einem Lächeln: „Gehen Sie ruhig mal rein!“ Von innen hört man Klaviermusik. Die erste Tür öffnet sich in einen kleinen Flur. Man öffnet die zweite Tür. Drinnen steht ein Flügel, an dem zwei Pianistinnen vierhändig spielen. Doch sobald sich die Tür öffnet, stoppt das Spiel. Die Damen schauen den Besucher mit leerem Blick nur an. O.K. man schließt die Tür für den Rückzug. Prompt wird das Klavierspiel fortgesetzt.
Diese Szenerie nennt sich tatsächlich Performance, erlebbar in der aktuellen Ausstellung im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart. AHA! Das Stoppen der Musik ist das „Kunstwerk“. Doch liebe Ausstellungsmacher: Ist es wirklich euer Wille, Besucher zu brüskieren, lächerlich zu machen und sie damit zu verärgern? Gut, man hätte sich alles vorher neben der Tür durchlesen können. Die unterschiedlichen Reaktionen der Menschen sollen der künstlerische Inhalt dieser Spielerei sein. Doch ist das „wertvoll“? Lustig jedenfalls nicht.


Bei Performance assoziieren wir großartige Aufführungen wie von Anne Imhof auf der Venedig Biennale, wofür sie absolut zu Recht den Goldenen Löwen 2017 gewann. Da bewirkten die Performer ungeahnte Irritationen, Verblüffung und tolle Gefühle bei uns Besuchern allein durch ihre Art sich zu bewegen oder zu zeigen.

Auch der tiefschwarze Raum von Tino Sehgal auf der Documenta 13 (2012) im Hugenottenhaus mit den leisen Melodien und ruhigen Bewegungen der Performer*Innen hinterließ tiefe Emotionen und spannende Entspannung bei uns Besuchern. Tino Sehgals andere Performance im Deutschen Pavillon in Venedig (2005) muss auch erwähnt werden, als das Aufsichtspersonal an Besucher dicht heran trat mit den Worten „This is so contemporary“. Das verblüffte zwar, war jedoch freundlich und hinterließ ein fröhliches Schmunzeln.


Eine ebenfalls fantastische Performance war auch der Littauische Beitrag zur Biennale Venezia 2019 mit der Opernperformance in einer Strandszene! Ausgebildete Sängerinnen und Sänger saßen und lagen auf Tüchern in Badekleidung wie Touristen im Sand und besangen die schlimmen Probleme unserer Zeit.
Das waren wirkliche Highlights an Performance-Kunst.
Doch was wird uns heute unter diesem Genre-Titel geboten? Da laufen junge Leute in einem beckenartig tieferliegenden großen Innenraum des Museums mit einem Glas Wein in der Hand leicht zu Techno-Klängen wippend wie Lemminge mal nach links, mal nach rechts. Warum nur? Ursache sind Fragen, die auf Englisch auf Bildschrimen flimmern, z.B.:“Do you have more than one black friend?“, „Did you ever kissed someone, you didn’t like?“, „Do you live in a big town?“. Nach links gehen bedeutet YES, nach rechts gehen NO. ( Gropius-Bau Berlin) Da sind die Spiele, die sich Eltern für die Kindergeburtstagsfeier ihrer Kleinen ausdenken, deutlich kreativer und spaßiger!
Deshalb VORSICHT!, wenn Sie die Bezeichnung PERFORMANCE im Zusammenhang mit Kunst hören! Besser, Sie erwarten nicht zu viel und schützen sich sicherheitshalber etwas davor, selbst benutzt zu werden.