Der Palastbauer des 21. Jahrhunderts


Alle schreiben aktuell über Frank Gehry, deshalb möchte auch INArtberlin erklären, was diesen genialen Architekten so überragend macht. Der aktuelle Anlass ist, dass Frank Gehry vor kurzem, am 5.Dezember diesen Jahres 96-jährig in seinem Haus in Santa Monica verstarb. Sein besonders langes Leben ermöglichte ihm, weltweit fantastische Gebäude zu konstruieren. Einige selbst besuchte davon sollen hier zu einem kleinen Nachruf zusammengefasst werden.


Auch Berlin besitzt einen spektakulären Gehry Bau, jedoch bescheiden versteckt. Am Pariser Platz durfte Frank Gehry in direkter Nachbarschaft zum Brandenburger Tor keinen äußerlich dominierenden Prunkpalast bauen. Bauauflagen besagten, dass die Fassade aus Sandstein und maximal 50% Glas bestehen müsse. Außerdem sollen in Deutschland alle Büroräume Tageslicht haben, was einen großen inneren Lichthof nötig machte. Den allerdings gestaltete Gehry in seiner typischen wellenförmig asymetrischen Manier. Ist es ein Wal auf wogendem Meer? Oder eine Muschel? Wie ein aufgerissenes Maul thront auf dem unteren Glasdach ein Konferenzraum zum Wohlfühlen wie in einem Kokon. Im Tiefgeschoss befindet sich zusätzlich ein dekorativer Veranstaltungs-Saal für Tagungen oder Shows. Das Gebäude ist immer noch ein echter Geheimtip!


Der berühmteste Gehry-Bau steht jedoch im Norden Spaniens und ist für einen Fachbegriff internationaler Stadtplanung verantwortlich: den Bilbao-Effekt. Das Guggenheim-Museum war der Auslöser, dass Bilbao, die fast verwahrloste ehemalige Industriestadt plötzlich wieder aufblühte, ein Beweis, dass Kunst und Kultur große positive Entwicklungen initialisieren können.


Die Sonne Südfrankreichs fing Gehry mit seinem glitzernden Turm des LUMA-Museums in Arles ein. Auch dort hatte die altrömische Stadt mit der Arena immer mehr an Bedeutung für den Tourismus verloren, was durch das LUMA wieder umgekehrt wird. Frank Gehry machte sich und uns sogar den Spaß, in seine Architektur eine spiralförmige Rutsche aus den oberen Etagen bis ins Foyer einzubauen.



Sogar die kleine Stadt Herford in Westphalen gönnte sich einen Gehry-Bau. Mit dem „MARTA“ (Möbel, Art und Ambiente) gewinnt der Ort eine überregionale Bedeutung, auch mit den Ausstellungen. Bereits als Gründungs-Direktor entwickelte der ehemalige Documenta 9 (1992)-Kurator Jan Hoet das hochrangige Ausstellungskonzept. Dabei ist es in den asymetrischen Räumlichkeiten von Frank Gehry absolut nicht leicht, Kunstwerke geschickt zu plazieren.


Ein Geniestreich stellt auch die Fondation Louis Vuitton in Paris dar. Der französische Milliardär Bernard Arnault, Besitzer nicht nur dieses Marken-Lables beauftragte Frank Gehry mit dem Entwurf für ein Ausstellungsgebäude für seine Kunstsammlung. Daraus entstand im Bois de Boulogne mitten im Grün der französischen Hauptstadt ein märchenhafter Eis-Palast, in dem es sich in Kunst schwelgend leicht verlaufen läßt. Hier ergeben sich viele herrliche Durch- und Ausblicke, nicht nur zum Eiffel-Turm.


Auch Los Angeles bekam einen Gehry-Palast in typischer Art. Er ist ein Konzerthaus, allerdings leider recht eingeklemmt zwischen den anderen großen Museumsbauten des BROAD und MOCA.


Ein weiteres Meisterstück von Frank Gehry erwartet uns noch in der Zukunft, eventuell schon Ende 2026 mit dem „Guggenheim-Museum“ in Abu Dhabi, in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Bau wird in direkter Nachbarschaft von Jean Nouvel’s „Louvre“ und dem „Zayed National Museum“ von Norman Foster, der auch für die Reichstagskuppel verantwortlich ist, erstrahlen. Für den Besuch dieses einmaligen Ensembles dreier Ikonen der Architektur sollten sich Reisende – z.B. beim Umsteigen in Dubai – durchaus mal einen Tagesausflug einplanen.


Frank Gehry hat uns herrausragende Bauwerke und auch großartige Beweise für hervorragende Ingenieurs- und Handwerkskunst hinterlassen, die hoffentlich noch viele Jahrhunderte Städte und Regionen beleben und Menschen immer wieder Begeisterungsstürme hervorlocken.