Wie die Kunst erstmals in die kommerzielle Welt vordrang
Im Wolfsburger Kunstmuseum wird diesmal nichts Neues gezeigt. Der Künstler Piet Mondrian gehört zur klassischen Moderne und ist weltweit bekannt, doch er begegnet uns bis heute tagtäglich in vielfachen Alltagsgegenständen.



Was vor 100 Jahren der Beginn einer radikalen Abstraktion in der Kunst war, findet sich heute als dekoratives Muster auf vielen Produkten. Die Einteilung der weißen Leinwand in Rechtecke mit schwarzen Umrandungen und einigen wenigen in rot, blau oder gelb gefüllten Feldern schmückt heute Kaffeebecher, Bauchtaschen oder Geschirrhandtüchern.


Die Wolfsburger Bürger waren aufgerufen, eigene Gegenstände mit dem typischen Muster der Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Diese werden gleich im Eingangsbereich präsentiert: z.B. ein Fahrrad, ein Brettspiel oder eine Back-Anleitung für einen Mondrian-Kuchen.




Einige Original-Kunstwerke vom Künstler werden in Wolfsburg auch gezeigt, prominent platziert in einer zentralen Rotunde.


Dann widerum finden sich Adaptationen von Zeitgenossen Mondrians z.B. von Künstlern der de Stijl-Gruppe: Gerrit Rietveld und Theo van Doesburg. Offenbar war Mondrian schon zu Lebzeiten ein Trendsetter, der Kollegen wichtige Anregungen lieferte. Dazu gehören zeitgleich auch die Künstler des Bauhauses.


In einem weiteren Bereich der Ausstellung werden Werke von aktuellen Künstlern präsentiert, u.a.Ryan Gander, der IKEA-Tische zu einem hohen Turm in Grundfarben stapelte, und Iza Genzken.


Yves Saint Laurent übernahm als erster das Mondrian-Design in den 60ger Jahren in seine Kleider-Kollektion, womit die Kommerzialisierung begann, die in der Mode bis heute immer wieder auftaucht.


Sind die Exponate jetzt nur alt Bekanntes? Wohl nicht, denn die exemplarische Darstellung zeigt den Ursprung des heute aktuellen Trends, dass gerade wieder in großem Umfang global agierende Firmen Künstler*innen zur Gestaltung ihrer Produkte und/oder für deren Werbung heranziehen.
Als Beispiel hier die Schaufenster-Vitrine am KaDeWe mit Produkten im Stil von Yayoi Kusama. Doch wahrscheinlich hat sie im Gegensatz zu Piet Mondrian ein anschauliches Honorar hierfür bekommen.

„Re-Inventing Piet Mondrian und die Folgen“ , Kunstmuseum Wolfsburg 11.3. bis 16.7.2023