Christian Marclays preisgekröntes Jahrhundertwerk in Stuttgart

24 Stunden Film-Geschichten mit Uhren in einer atemberaubenden Präzision ohne einen Augenblick der Langeweile! Dieses Mammut-Kunstwerk wurde vor kurzem im amerikanischen Artnews-Magazin als eins der wichtigsten Kunstwerke des 21.Jahrhunderts gewürdigt. Es belegte Platz 6 von 100 und wird jetzt im Kunstmuseum Stuttgart erstmals in Deutschland vorgeführt.


Das Besondere an „The Clock“ ist, dass die Uhrzeit im Film identisch mit der realen Zeit im Vorführraum ist. Es ist eine Sammlung von Tausenden von Filmausschnitten, die Uhren abbilden oder auf Zeit Bezug nehmen – von Turm-, Armband-, Taschen-, Küchenuhren über klingelnde Wecker bis hin zu Sonnen- und Pendeluhren sowie Szenen, in denen Menschen sich die Uhrzeit mitteilen.

Christian Marclay berichtet, dass er mit 6 Assistent*Innen in 3 Jahren Arbeit Szenen aus Spielfilmen aus aller Welt gesammelt und geschickt ineinander verwoben habe, so dass nicht nur minutengenau die Uhren eingebaut sind, sondern auch kleine zusammenhängende Szenen entstehen.
Zuschauer werden sofort gefangen, auch weil es reizvoll ist, einzelne Filme wiederzuentdecken. Da reiht sich „Die Blechtrommel“ an James-Bond-Sequenzen oder „Zurück in die Zukunft“; „High Noon“ an den „Glöckner von Notre Dame. Auch „Mit Schirm, Charme und Melone“, „Pretty Woman“, der „Rainman“, „Dick und Doof“, „Das Leben der Anderen“ oder „Der Orientexpress“ lassen sich erkennen. Wir erleben MacGyver, Charles Bronson, Angelina Jolie, Dustin Hoffman, Hugh Grant, Tom Cruise, Woody Allen und Alain Delon in schwarz-weiß oder in Farbe. Die meisten Uhren sind analog vertreten, wenige digital und natürlich BIG BEN.


Szenen aus Komödien, Liebes- oder Action-Filmen finden zueinander durch das Verrinnen von Zeit. Liebe, Sex, Explosionen, Krankenhausszenen, Peking-Ente und immer wieder Autos verschiedener Epochen bilden einen besonderen Reiz an dem unendlich wirkenden Filmereignis.
Schon bei der Erstvorstellung auf der Biennale in Venedig 2011 zog The Clock die Besucher sofort in seinen Bann und gewann den Goldenen Löwen als bestes Kunstwerk.


Jetzt in Stuttgart spricht Christian Marclay ganz bescheiden darüber, dass er stets sehr gern und bis heute mit Collagen gearbeitet habe. Es gebe einen Film „Doors“ oder auch „Telefone“ in ähnlicher Art. Auch Musik-Stückchen schneide er in spezieller Montage zusammen. Bei „The Clock“ musste mit DVDs gearbeitet werden, weil es noch kein Internet-Screening gegeben habe. Der Künstler arbeite jedoch sehr gern mit seinen Händen, auch wenn er eingesteht, dass Handy und Laptop essenziell zu seinem Leben inzwischen dazu gehören.


Von „The Clock“ gibt es nur 6 Kopien, die weltweit von den größten Museen wie z.B. dem Centre Pompidou, dem Tate Modern oder dem MOMA in New York gekauft worden sind mit unbeschränkter Lizenz, sie zu zeigen. Kleinere Museen können dort darum bitten, das Werk für kürzere Zeiträume zu präsentieren, aber stets muss auch der Künstler sein Einverständnis geben.
The Clock sehen zu dürfen ist eine riesige Freude, begeisternd und bereichernd zugleich, weil nicht nur die Sammlung minutengenauer Abbildungen von Uhren, sondern auch die harmonischen Szenenübergänge ein Vergnügen der besonderen Art sind. Man sollte sich wirklich viel Zeit einplanen, denn die Faszination lässt die Zeit völlig vergessen.
Kunstmuseum Stuttgart, „The CLOCK“ von Christian Marclay vom 14.3. nur bis 25.5.2925 (10-18 Uhr), 24 Stunden-Vorführung am 17./18.Mai 2025