Die fantastischen Bilder auf Brettspielschachteln



Sie sind keine Unikate, sondern werden in Tausenden gedruckt. Auch handelt es sich nicht um reine Kunst, sondern Gebrauchskunst. Doch die individuellen unterschiedlichen grafischen Gestaltungen der Schachteln, in denen komplexe Brettspiele angeboten werden, sind auch Zeugnisse künstlerischen Schaffens, das viel mehr beachtet werden sollte.
Vergleichbar ist dieses Genre der Illustration mit den früheren Platten-Covern, von denen es ja bekanntlich hochinteressante künstlerische Exemplare gibt wie z.B. die Jeans von Andy Warhol für die Stones. (Sticky Fingers). Auch Film- (https://wordpress.com/post/inartberlin.com/1653) oder Protestplakate können hervorragende Kunstwerke sein. (Klaus Staeck: https://wordpress.com/post/inartberlin.com/1712)
Die Grafiken der Brettspielschachteln haben im Gegensatz zu reinen Kunstwerken eine Funktion. Sie dienen als Eye-Catcher für Kunden und sollen inhaltlich auf das Narrativ, in das das Spiel eingebettet ist, oder das Spielmaterial hinweisen. Für die Qualität eines Brettspiels bleibt aber der Spielmechanismus verantwortlich. Er stammt vom Spiele-Autor, dessen Name stets auf der Schachtel gedruckt ist. Doch wer kennt oder nennt den Illustrator? Namen wie Chris Quilliams (Azul), Mads Berg (E-Mission) oder Klemens Franz (Agricola) bleiben nahezu unbekannt.
Manche Verlage arbeiten strikt mit immer den gleichen Illustratoren zusammen, was ihren Spielen einen Wiedererkennungseffekt und ein Markenprofil gibt. Das bekannteste Beispiel ist der 2F-Verlag von Friedemann Friese, dessen stets grüne Spiele mit 2 F im Titel (Fiese Freunde, Fremde Federn) von Mauro Kalusky oder Harald Lieske gezeichnet wurden.



Beliebt in der Brettspielszene sind historische, Weltraum- und Fantasy-Themen.
Andererseits gibt es völlig abstrakte Spiele und auch solche, die sich thematisch um Kunst drehen.




Eine aktuelle sozio-politische Thematik wird weniger gern angeboten, weil die Verlage meinen, dies lasse sich nicht gut verkaufen. Doch ein Gegenbeispiel ist aktuell E-MISSION, ein Spiel über Klimaproblematik, das vor wenigen Tagen sogar zum Kennerspiel des Jahres gewählt wurde.


Letztlich ist die Schachtelgrafik nicht kaufentscheidend, sondern der Spielwert. Allerdings macht es große Freude, sich einmal die Vielseitigkeit der grafischen Umsetzungen zu veranschaulichen. Vielleicht lässt sich mit Brettspielschachteln im Sinn einer Petersburger Hängung sogar eine Wand zu einem ausgefallenen Gesamtkunstwerk gestalten.









Wer mehr als im örtlichen Spieleladen sehen will, kann die weltgrößte Brettspielmesse besuchen: SPIEL 2024 in den Messehallen in ESSEN vom 3. bis 6. Oktober 2024