30 Jahre Kunstmuseum, eine Erfolgsgeschichte


Es ist ein fast unglaubliches Märchen, dass sich die VW-Arbeiter-Stadt der Nachkriegszeit in einen weit über seine Grenzen hinaus hoch geschätzten Kultur-Hotspot gewandelt hat. Schon frühzeitig begann Volkswagen mit kulturellen Angeboten wie Konzerten von Herbert von Karajan und der großen van Gogh-Ausstellung in den Werkshallen. Später folgten die Tanzfestivals Movimentos und Jazz-Konzerte, z.B. von Roger Cicero, in der Autostadt.
Doch einen wesentlichen Anteil am Erfolg besitzt inzwischen das Kunstmuseum Wolfsburg, das weltweit hohen Respekt und Bewunderung erfährt.
Seit 30 Jahren werden international bekannte Künstler*Innen fantastisch präsentiert:
Fernand Légere eröffnete den Reigen im Sommer 1994. Es folgten als Beispiele Frank Stella, die Lichtkünstler James Turrell und Olafur Eliasson oder die Meister der Pop-Art Roy Lichtenstein, James Rosenquist und Andy Warhol sowie ihr späterer Nachfolger Michel Majerus.



Jean Tinguely, Nam June Paik, Jeff Wall, Neo Rauch und ganz aktuell als junger Star der Kunstszene Kapwani Kiwanga folgten in nicht schwächer werdender Qualität.


Thematische Ausstellungen wie „Macht Licht“ und „Empowerment“ haben gezeigt, dass das Museum auch inhaltlich auf höchstem Niveau arbeitet. Insbesondere „Empowerment“ stellte unter Beweis, dass starke Künstlerinnen hervorragende Werke mit tiefer Bedeutung schaffen. Diese Ausstellung leitete die zukünftige kuratorische Ausrichtung des Museums ein, den Schwerpunkt auf die Sichtbarmachung weiblicher Kunst zu legen.


Beinahe wie ein Geburtstagsgeschenk erhielt kürzlich das Kunstmuseum Wolfsburg den ART-Kuratorenpreis des bekanntesten Kunstmagazins für die beste Ausstellung 2023 im deutschsprachigen Raum für „Re-inventing Piet Mondrian“ verliehen. Die Ausstellung bewies, dass es heutzutage nicht damit getan ist, berühmte Bilder einfach nebeneinander an die Wände zu hängen. Bürger wurden aufgefordert, Alltagsgegenstände im Mondrian-Design beizusteuern, was das Museum als integralen Teil der Stadt präsentierte. Auch bei der 30 Jahre-Jubelfeier wird viel fürs Publikum zum Mitmachen geboten: Malen vor dem Original für Erwachsene und freies Spiel für die Kleinsten.
Die aktuelle Ausstellung „Welten in Bewegung“ präsentiert zum 30-jährigen Jubiläum einen Ausschnitt aus der inzwischen respektablen Museumssammlung, die etwa 1000 Kunstwerke umfasst.



Viele Exponate sind langjährigen Besucherinnen und Besuchern gut in Erinnerung, wie Jeff Koons‘ „Bär und Polizist“ oder Nam June Paiks Huldigung von Andy Warhol, die über lange Zeit das Foyer schmückten.
Erfreulich sind auch neuere Erwerbungen wie Ann Lislegaards „Oracle, some animals never sleep“.


Eine spannende Ergänzung sind kontrastreiche Gegenüberstellungen zeitgenössischer Kunstwerke mit alten Werken, die als Leihgaben des Braunschweiger Herzog-Anton-Ulrich-Museums stammen.


Die aktuellste Neuerwerbung für die Sammlung des Kunstmuseums ist ein Tryptichon, ein Frühwerk von Thomas Schütte.

Dass dieses Werk nach Wolfsburg gehört, ist beim Betrachten völlig unstrittig. Die Finanzierung erfolgte aus Mitgliederbeiträgen des Freundeskreises sowie einem Zuschuß der Kulturstiftung der Länder von 180.000 € , was etwas verwundert. Bei dem Motiv wäre es doch eine Frage der Ehre gewesen, dass das örtliche Grossunternehmen das Kunstwerk finanziert und dem Museum schenkt.




Das Wolfsburger Kunstmuseum kann mit Stolz zu seinem 30 jährigen Geburtstag großartige Werke aus seiner eigenen Sammlung vorweisen, denen sich die Besucher und Besucherinnen intensiv mit Hilfe der umfangreichen Beschreibungen widmen können. Sie wirken jedoch auch in ihrer Vielfalt und bewegenden Ästhetik ohne große Erklärungen und lassen sich einfach genießen.
„Welten in Bewegung“, Kunstmuseum Wolfsburg, 25. Mai bis 4. August 2024