Kunst oder Porno?
Helsinki und Finnland widmen dem besonderen Zeichner im berühmten KIASMA Museum of Modern Art stolz ein große Ausstellung.


Der Künstler Tom wurde 1920 in Kaarina im Südwesten Finnlands geboren und 1939 zum Militär eingezogen, weil sich Finnland im Krieg gegen die Invasion durch die Soviet Union befand. Danach musste er sich seinen Lebensunterhalt als Klavierspieler in Bars verdienen, weil seine heimliche Leidenschaft fürs Zeichnen nie zu einer Chance in einer Akademie geführt hatte.


1956 wurde sein Zeichentalent zufällig entdeckt und ein Freund schaffte es, die homoerotischen Bilder in die USA zu schmuggeln, wo sie von einem Bodybuilding-Magazin begeistert gedruckt wurden. Der Chefredakteur war Urheber des Namenszusatzes, jetzt „Tom of Finland“.


Sein Sujet war stets der perfekte Männerkörper. Anatomisch korrekt inzenierte Muskeln plus idealisierte übertrieben große Darstellung der männlichen Geschlechtsorgane inklusive drastischer homoerotischer Interaktionen sind durchgehende Motive. Zeichentechnisch wunderschön. In den USA gewannen die Zeichnungen rasch Kultstatus in der Gay-Szene. Doch auch in Dänemark und in Hamburg wurde Tom hoch verehrt.

1991 starb Tom of Finland an einer Lungenkrankheit, (COPD). Im gleichen Jahr kürte ihn die finnische Comic-Society als Cartoonist of the Year und er bekam seine künstlerische Anerkennung durch eine Ausstellung im Whitney Museum New York.
Kunst oder Porno?
Warum nicht von beides? Als spannende und geglückte Kombination, gerade in der heute doch deutlich toleranteren Gesellschaft?
Kiasma Museum für Moderne Kunst, Helsinki noch bis 29.10.2023