„U-Bahn-Linie 22“ Berlin

Die afroamerikanische Künstlerin Toyin Ojih Odutola gestaltet für Ihre Bilder ein komplettes Szenario einer U-Bahnstation, passend zur Architektur und früheren Funktion des Ausstellungsortes, dem Hamburger Bahnhof. Eine tiefe Stimme spricht die Ansage über abfahrende Züge. Die Wände sind gefliest, Wartebänke laden zum Ausruhen ein. Doch das Highlight sind natürlich die Malereien. Sie zeigen Menschen, Passagiere, die auf der Reise sind. Sie wirken suchend, denn sie suchen ihren Platz im Leben und ein Ankommen in gefestigter Identität.


Eine wichtige Inspiration seien die Berliner U-Bahn-Stationen gewesen, erklärt die Künstlerin. Sie erfand in Analogie zum BVG-Netz eine U-Bahn-Linie 22 mit Haltestellen, die Stationen eines Lebens sein könnten. Z.B. „Constant Struggle-Hafen, Untold Stories-Damm, When Legends Die-Allee“.
Odutola wurde 1985 in Nigeria geboren, zog mit 5 Jahren mit ihren Eltern in die USA, zuerst nach Kalifornien, dann nach Alabama, wo sie auch heute lebt. Imigration und die Aufgabe, sich in einem neuen fremden Land einzuleben, sind somit eigene Erlebnisse.


Die Charaktere auf den Gemälden sind people of colour. Sie zeigen in ihren Gesichtern oder in der Haltung Unsicherheit oder Vorsicht, wie es das Sich-Zurechtfinden in einer fremden Umgebung bewirkt. Die Portraits ziehen unsere Blicke unweigerlich an. Sie lösen bei uns Betrachtenden spontan Fantasien über ihre Persönlichkeit, ihre Gedanken und ihre Geschichten aus.

Odutolas Bilder sind keine Ölgemälde, sondern Zeichnungen aus Pastellkreide und Stiften. SIe wirken fast fotorealistisch, jedoch in einem ganz besonderen persönlichen abstrahierenden Stil.
Toyin Ojih Odutula „U22-Adijatu Straße“ im Hamburger Bahnhof , 13.Juni 2025 bis 4.Jan. 2026
EXTRA-Hinweis: OPEN HOUSE
Im Hamburger Bahnhof findet am Wochenende vom 13. bis 15.Juni 2025 erneut ein freies Wochenende statt: freier Eintritt, Performances, Künstlergespräche, Backstage-Führungen durch Werkstätten und Kuratoren-Büros und am Abend Party mit „Berlin Beats“.
Die schönste Art, das Museum kennen und lieben zu lernen!