……. oder wie man die drohende Klima-Krise künstlerisch darstellt

Wien hat sich dieser Problematik gestellt und an mehreren Ausstellungsorten in der Stadt Künstler*Innen die Chance gegeben, sich der Aufgabe zu widmen.
Es sollen zunächst einige Beispiele beschrieben werden aus dem Kunsthaus Wien, wie jetzt das Hundertwasserhaus genannt wird. Doch auch der Namensgeber hatte bereits Naturschutz und Klima-Probleme thematisiert. Als er z.B. den Neubau der zuvor abgebrannten Müllverbressnungsanlage in seinem speziellen Stil neu gestalten sollte, bestand er auf aktuellster Technologie im Inneren, um die Emissionen niedrig und die Effizienz hoch zu halten.



Jetzt befindet sich die Zentrale der Klima-Biennale im Hunderwserhaus zusammen mit der Ausstellung
„INTO the WOOD“.
Hier bestimmt der WALD den thematischen Schwerpunkt mit verschiedenen Aspekten seiner Bedeutung im Klimakreislauf.



Der Künstler Markus Jeschaunig aus Graz baute für die Ausstellung einen Klimahelm, innen ausgekleidet mit verschiedensten Moosen und Farnen. Man kann in diese mobile Klimazone eintreten und den Duft von Wald originalgetreu wahrnehmen.


Frage: „Wir sehen hier in der Ausstellung vorwiegend wissenschaftlich fundierte Projekte, die künstlerisch dargestellt wurden. In welcher Rolle sehen Sie sich? Als naturwissenschaftlicher Forscher oder als Künstler?“
„Nun ja, schwierig, ich komme aus der Archiektur, landete dann in der bildenden Kunst, aber auch im Aktivismus. Im Grunde möchte ich alles zusammenführen, so wie die Idee dieser Klima Biennale es auch zeigt. Und ich möchte dafür arbeiten, dass all die ökologischen Erkenntnisse in reale Projekte münden. Mein Traum ist die „Atmende Stadt“ „Breathing City“.“
Oliver Ressler ist österreichischer Video-Künstler mit Schwerpunkten auf gesellschaftlichen, kapitalistischen und ökologischen Themen. Seinen Filmbeitrag drehte er im Hambacher Forst, wo sich eine Protest-Community gegen die weitere Abholzung für Braunkohlenabbau ein Dorf teils mit in den Bäumen hängenden Häusern gebaut hatte. Für Ressler ist dies ein Beispiel für zivilen Ungehorsam, aber auch für eine in sich geschlossen funktionierende Gemeinschaft ohne Hierarchien. Darin sieht er absolute Parallelen zum Prinzip des Waldes, wo ebenfalls alle Organismen und auch Tiere miteinander in symbiotischem Gleichgewicht leben.




Unter dem Titel: „Dog Days Bite Back“ gibt es weiterhin eine Einzelausstellung von Oliver Ressler im Belvedere 21 als weiteren Teil der Klima-Biennale mit Filmen und Fotos zur Klimakrise.
Jeewi Lee aus Süd-Korea, lebt jetzt in Berlin, thematisiert die Zerstörung von großen Waldflächen im Harz durch Borkenkäfer. Sie leben unter der Rinde und zerstören sie dabei. Borkenkäfer kommen besonders bei Umweltbelastung und Erwärmung in Wäldern mit Monokulturen vor, weil die Bäume dann weniger resistent sind. Die Kunstwerke sind auf koreanischem Seidenpapier abgepauste Käfergänge.

Ein zweites Projekt der Künstlerin bezieht sich auf Waldbrände. Feuer zerstört alles, aber die Asche macht den Boden fruchtbar für neue Vegetation. Jeewi Lee sammelte 2022 die Asche nach einem Feuer in der Nähe der Stadt Lucca in Italien und produzierte aus ihr Seifenstücke, die jeweils einen Abdruck der Rinde des entsprechenden Baumes bekamen, fast wie kleine Grabsteine.

Der Fotograf Richard Mosse, geb. in Irland, jetzt in New York lebend zeigt auf den ersten Blick wunderschöne riesige Luftbildaufnahmen, allerdings mit Farbverfälschungen, die aber Veränderungen des Urwaldes am brasilianischen Amazonas verdeutlichen, z.B. rechteckige Plantagen mit Palmen zur Palmöl-Produktion, die den ursprünglichen so wichtigen Urwald als Sauerstoffproduzent für die ganze Erde zerstört und ersetzt haben.


Ein weiterer Beitrag zur Klima-Biennale wird im Wiener Museum für angewandte Kunst gezeigt. Hier sind Plakate von Klaus Staeck zu sehen. Unter dem Titel „Nichts ist erledigt“ werden ältere Werke aus den 70/80er Jahren gezeigt, deren Inhalt nach wie vor aktuell ist. Außerdem sind auch neuere Plakate aus den letzten Jahren zu sehen, die ebenfalls die Brisanz der Naturzerstörung durch die Menschheit thematisieren.




Dies sind nur wenige Beispiele der Wiener Klima-Biennale. Es ist eine erstaunliche ästhetische Kombination aus wissenschaftlicher Recherche, warnendem Aktivismus, aber auch künstlerisch anspruchsvoller beeindruckender Vielfalt. Man fühlt sich nicht oberlehrerhaft bevormundet und doch komplex teils neu informiert. Also überhaupt nicht Lehrpfad für Schulklassen, sondern ein feines Kunsterlebnis für alle.
Klima-Biennale Wien, 5.4. bis 14.7.2024, verschiedene Venues