Abreißen und neu bauen? Wäre das vielleicht die allerbeste Lösung gewesen?



Leer, weiß, spröde, so präsentiert sich in diesem Jahr der Deutsche Pavillon der Biennale in Venedig, Er ist kein Fest für die Sinne, nur für den Geist, für eine Imagination vielleicht. Teilweise aufgerissene Böden, wodurch die alten Grundmauern sichtbar werden, sowie Wandareale mit abgeklopftem Putz.
So etwas nennt sich Konzeptkunst: man sieht nichts, es soll aber anregen, sich große Gedanken zu machen. Maria Eichhorn ist die Künstlerin, die bekannt ist für diese Art von Kunst. Wie lautet ihr Konzept in diesem Fall?

Sie hatte die Idee, dass der ganze deutsche Pavillon für die Zeit der Biennale abgetragen und in Einzelteilen zwischengelagert wird, um ihn danach wieder exakt wie zuvor aufzubauen.
Hintergrund soll sein, dass der 1938 in tiefster Nazizeit umgebaute Pavillon so stark die damaligen Architektur widerspiegelt, dass fast jede/r Künstler/in hiermit haderte. Stets ging es bei vorherigen Ausstellungen an erster Stelle darum, den Nazi-Touch in den Hintergrund zu drängen. Hans Haake zertrümmerte z.B. die Bodenplatten.
Die Prüfung der Machbarkeit von Maria Eichhorns Vorschlag fiel angeblich sogar positiv aus, durchgeführt wurde das Projekt aber nicht. Möglicherweise hätte man wohl einen Aufschrei aus der Nation der Häuslebauer gehört, wenn hierfür Millionen Steuergelder ausgegeben worden wären. So blieben letztlich nur eine dicke Dokumentation der Konzeptgedanken und eine Broschüre übrig.
Wäre es aber nicht wunderbar gewesen, wenn der komplette Abriss des ungeliebten Klotzes das Kunstprojekt dieses Jahres gewesen wäre? Ein Architekturwettbewerb der Beitrag zur Architekturbiennale 2023 und dann der Aufbau eines ganz neuen innovativen Pavillons im Sommer 2024 als Performance der 60. Kunst-Biennale ?
So bleiben nur ein fader Nachgeschmack für eine entgangene konsequente Realisation sowie ein leerer, weißer, spröder Raum.