Atiz Rezistans in St. Kunigundis mit Künstlern der Ghetto-Biennale aus Haiti
Es ist eine renovierungsbedürftige kleine katholische Kirche in einem eher sozial problematischen Stadtteil von Kassel, die zu einem künstlerischen Hotspot dieser Documenta geworden ist. Auf skurrile kontrastierende Weise treffen katholische Reliquien mit einer Versammlung von Voodoo-Figuren zusammen und bilden ein erstaunlich harmonisches Miteinander. Die Künstlergruppe Atis Rezistans lebt im Wellblech-Ghetto von Port-au-Prince auf Haiti, einem der ärmsten Länder der Welt, das zusätzlich regelmäßig von Erdbeben erschüttert wird. Sie gestalten ihre Werke aus Fundstücken z.B. von Autowerkstätten und kombinieren sie teils mit echten Knochen Verstorbener, denn die Ahnen haben nach ihrem Empfinden einen großen Einfluss auf das Leben heute. Sie werden mysteriös beschworen, auch um sie zu beschwichtigen. Besteht hier womöglich eine Verbindung zum Katholizismus? Die Künstler bestätigen das gute Zusammenleben beider Religionen in ihrer Heimat und auch der Pfarrer von St. Kunigundis sei begeistert, habe sogar liturgische Gegenstände aus der Kirche für gemeinsame Installationen zur Verfügung gestellt.






Bereichert wird dieses Zusammenspiel durch Werke internationaler Künstler, die die Haitianer zu ihrer eigens gegründeten Ghetto-Biennale eingeladen hatten. Darunter Henrike Naumann aus Berlin, die eine Trance-Orgel vor die Kirchenorgel stellt. Oder auch das Architekten-Paar Vivian und Yukee von Studioverve aus London, die eine Stadtplan-Nachbildung des Ghettos an die Decke gehängt haben.