Kann Kunst heilen?

„Care, Repair, Heal“ in Gropiusbau Berlin

Unter diesem Titel zeigt der Gropiusbau in Berlin eine neue Gruppenausstellung. Bereits im Sommer stand die Berlin Biennale 2022 von Kurator Kader Attia unter entsprechender Thematik . Seiner Ansicht nach hinterlassen die großen Traumata der Menschheit, die durch Kriege und Kolonialisierung ausgelöst wurden, nach wie vor über Generationen hinweg wirksame Wunden. Sie wurden vielleicht verdrängt, kaschiert oder repariert, doch schlummern in der Tiefe der Seelen weiter, ohne wirklich geheilt zu sein. Über Kunst sei jedoch eine Heilung zu bewirken. Als erste Schritte sollten diese Zusammenhänge anerkannt und Narben sichtbar gemacht werden.

Auch an der aktuellen Ausstellung „Care, Repair, Heal“ ist Kader Attia erheblich beteiligt. Als Künstler zeigt er eine Installation mit gebrauchten Arm- und Beinprothesen, mit denen z.B. Kriegsverletzungen „repariert“ wurden. Dies wirkt jedoch oberflächlich. Die Einzelsegmente würden besser in ein Museum von Otto Bock passen als Kontrast zu den heute gebräuchlichen elektronisch gesteuerten hochtechnisierten Modellen.

In einem Video ebenfalls von Kader Attia werden Interviews mit Psychoanalytikern gezeigt unter der Idee, dass es deutliche Parallelen der Kolonialisierung Algeriens im vorletzten Jahrhundert durch Frankreich und der deutschen Wiedervereinigung 1989 gebe. Hat die Bundesrepublik damals die DDR ebenfalls nur „kolonialisiert“, den Menschen die westliche Kultur nur dominant aufgedrängt? Angeblich sprechen ähnliche psychische Folgesymptome für diese These.

Wie aber können diese tiefen Verletzungsfolgen geheilt werden? Psychotherapie? Ja, durchaus. Kann aber auch ekstatischer Tanz heilen? Oder brutale Gewalt mit Enthauptung des Peinigers? Oder die Rückgabe von geraubten Kulturgütern, also Restitution?

Die Atiz Rezistans aus Haiti, die bereits auf der diesjährigen Documenta fifteen die Kirche St. Kunigundis beeindruckend mit ihren Werken gestaltet hatten, wurden ebenfalls zum Ausstellungsthema geladen. Kann vielleicht Spiritualität, hier am Beispiel des Voodoo mit Beschwörung und Verehrung der Ahnen heilsam wirken? In seinem Video im Gropiusbau erklärt Eugène André aber auch ganz realitätsbezogen, dass er und seine Kollegen ihre Kunstwerke in der Welt verkaufen und mit dem Erlös den Menschen im Ghetto von Port-au-Prince medizinische Hilfe finanzieren möchten. Am liebsten würden sie eine kleine Klinik aufbauen. Er suche noch Menschen, die ihnen beim Internetauftritt und dem Vertrieb helfen können!

Für die Besucher wird einstweilen eine Gruppenmeditation im großen Saal angeboten. Auch ein Versuch!?


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