Die Aura des Originals

Im Sprengelmuseum in Hannover wird zurzeit die Sammlung von CARL GERHARD RUDOLF, geb 1922 in Erfurt in einem großen Saal präsentiert. Es sind offensichtlich Werke der klassischen Moderne: Mondrian, Picasso. Lichtenstein…… Zur Erklärung liegen in einer Vitrine Dokumente, die zeigen, dass Carl Gerhardt Rudolf jedoch alle vermeintlichen Meisterwerke selbst hergestellt hat, ein Fälscher also. Und das auch noch in der DDR im Auftrag der Regierung, um Devisen aus dem Westen zu akquirieren. Ohne die excellente Art-Educaterin hätte man das geglaubt und wäre weiter gegangen. Doch auch die Person C.G.Rudolf ist eine Fälschung, geschaffen von DIRK DIETRICH HENNIG, geb 1967 in Herford. Er ist auch der Hersteller der gezeigten Werke. Es sind keine Kopien. Wie der berühmte Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi sind sie jeweils nur im Stil des großen Künstlers gestaltet, finden sich so dementsprechend in keinem seriõsen Werkverzeichnis. Nur hat Hennig bisher nie behauptet, es seien Originale, um durch den Verkauf einen erheblichen finanziellen Gewinn zu erzielen.

Für den Betrachter bleibt jetzt die Frage: wie empfinde ich das Werk, wohlwissend, dass es ein Fälscher geschaffen hat? Wùrde man es erwerben und trotzdem Freude daran haben, auch wenn man es weiß?

Mõchte jemand heutzutage ein Meisterwerk nur zur persönlichen Freude besitzen, sind im Internet viele Anbieter zu finden. In China gilt das Kopieren als Ehrerbietung an den Künstler.

Schon 1999 wurde eine Kopie des Goethe Gartenhauses im Weimarer Ilmpark errichtet, ausschließlich, um den Besucher erfahren zu lassen, ob die Aura des großen Dichters in der Kopie verblassen würde. Doch fùhlt es sich wirklich anders an? Was macht den Reiz des Originals aus? Oder ist es der reine Geldwert, der den Betrachter beeindruckt?

Aus der Ausstellung in Hannover sollen bereits 3 Werke verkauft sein in vollem Wissen um die falsche Urheberschaft.


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