Eine Documenta ganz ohne Skandale? Das klappt doch nie!

Die Findungskommission für die Documenta 16 soll es offenbar aber schaffen.

In Kassel wurde die Findungskommission für die künstlerische Leitung der kommenden Documenta 16 veröffentlich. Die Stadt Kassel mit der Documenta-Geschäftsleitung wählt für diesen Job die noch lebenden ehemaligen KuratorInnen aus.

Welche Idee steckt wohl dahinter? Vorstellbar ist der Glaube an eine Art Sicherheit, dass sich dieser Personenkreis bereits als untadelig erwiesen hat, wenigstens nicht antisemitisch eingestellt ist.

Unumstritten waren die Documenta-Ausstellungen dieser ehemaligen KuratorInnen schon bei spontaner Erinnerung jedoch nicht.

Bei Rudi Fuchs (D7) hatte 1982 Joseph Beuys die Stadt Kassel genötigt 7000 Eichen zu pflanzen. Die Asphaltsteine, die neben jedem Baum stehen sollten, verschandelten den Friedrichsplatz bis zur Documenta 8. Außerdem muss bis heute bei neuen Straßenplanungen mit großem Aufwand jede Eiche und jeder Stein vorsichtig gerettet und umgesetzt werden.

Catherine David (D10) wurde 1997 ein Theoriewahn vorgeworfen, weil gefühlt mehr theoretische Publikationen und Veranstaltungen stattfanden als sinnlich erfahrbare Kunstwerke.

Roger Buergel (D12) holte 2007 1000 Chinesen nach Kassel und traf auf Unverständnis. Dann fiel das große Werk von Ai Weiwei in der Aue im Sturm einfach um. Außerdem gab es große Kritik daran, dass Buergel Kunstwerke auf bunte Hintergründe hängte und sich nicht dem White Cube Diktat unterwarf.

Carolyn Christov-Bakargiev (D13) forderte 2012 das gleiche Recht für Erdbeeren und Hunde wie für Menschen, womit sie Kritik bis zur Fassungslosigkeit erntete. Allerdings war ihre Documenta schon ziemlich klasse.

Adam Szymczyk (D14) gab Kassel 2017 nur die halbe Documenta, indem er die zweite Hälfte Athen, der Hauptstadt des Herkunftslandes seiner Frau schenkte und verantwortete das bisher größte finanzielle Desaster einer Documenta.

Soll bei dieser Zusammensetzung jetzt die neue rettende Kompetenz enthalten sein? Ist es wirklich ausreichend, einfach nur NICHT antisemitisch zu sein? Es handelt sich um eine Gruppe von ausschließlich weißen Menschen aus den USA und Europa. Da ist Kassel nach den medialen Negativkampagnen der diesjährigen D15 offensichtlich der Mut ausgegangen, die Kunst des „Globalen Südens“ zu berücksichtigen.

Das wirkt nun doch kleinkariert, einer Weltkunstausstellung nicht würdig. Bitte liebe Stadt Kassel ergänze diese sicher illustre und kompetente Gruppe doch nochmal um ein paar Menschen aus anderen globalen und ideologischen Kontexten.


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