Zineb Sedira

„DREAMS HAVE NO TITLES“

Eintauchen in eine bessere Welt

Kunst als Wohlfühl-Oase! Funktioniert das?

Im Hamburger Bahnhof in Berlin empfängt Zineb Sedira den Besucher in einer Art Holywood-Kulisse: eine Wohnung mit kuscheliger Atmosphäre im gemütlichen französischen Schnörkelbarock. In einem Wohnzimmer steht ein alter Plattenspiele. Zentral ist eine Bar mit Kaffeehausstühlen installiert, wo ein stummes Paar einen Tango auf die Tanzfläche bringt, der auch Herrn Llambi gefallen würde.

„Dreams have no Titles“. Man könnte – und sollte sich auch vielleicht – wie in einem unendlichen Liebestraum fühlen. Ein immersives Kunstwerk, so diese neue Kategorie. Der Betrachter, der hier- für die Kunstwelt ausnahmsweise – relevant ist, soll komplett eintauchen in diese idealisierte Traumwelt und wird ein notwendiger Teil des Werkes. Respekt dafür! Doch alles hat ja immer einen Haken. Im letzten fast versteckten Raum steht ein aufgebockter Sarg. Die schönste Idylle hat zwar „keine Titel“, aber ein sicheres Ende.

Das Werk ist angelehnt in die 60ger/70ger Jahre, als im Herkunftsland von Zineb Sedira, Algerien nach dessen Befreiung von der Kolonialherrschaft ein internationales Film-Mekka entstand. Sie sammelte Filmrollen aus dieser Zeit, teils geschenkt aus Hinterlassenschaften und collagierte hieraus und aus weiteren Stationen ihres eigenen Lebens diese Installation und das dazu gehörige Video.

Die erste Präsentation fand auf der Biennale in Venedig 2022 statt, wo es den gesamten französischen Pavillon ausfüllte. Kuratiert war dieser bereits von Sam Bardaouil und Till Fellrath, den aktuellen Direktoren des Hamburger Bahnhofs. Sie spielen auch kurz im Film mit, der im Kunstwerk gezeigt wird. Wer findet sie darin?


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