Isaac Julien und die Visualisierung des KAPITALs

„Playtime“ (2014) der Film zur Finanzkrise von 2008

Der britische Videokünstler Isaac Julien bekam bereits viele Auszeich-nungen, zuletzt den Kaiserring in Goslar. Der Film Playtime soll die Wirkmacht des Geldes erklären, beispielhaft anhand der Finanzkrise, die von Island und den USA ausgehend in den Jahren ab 2008 die gesammte Weltwirtschaft einbrechen lies, ganz ohne Naturkatastrophe oder Krieg.

Exemplarisch dargestellt werden Menschen: der verzweifelte Künstler auf Island, der sein Traumhaus nicht fertigstellen konnte und durch die Rohbau-Ruine irrt. Außerdem die tieftraurig erstarrte phillippinische Hausangestellte, die als Arbeitssklavin in Dubai für den Lebensunterhalt ihrer Familie sorgt. Die Aufnahmen der ultrakapitalistischen Glitzerwelt von Dubai sind wunderschön und somit ein um so demütigender Kontrast zu ihrem Schicksal.

Natürlich kommen auch Gewinner der Krise zu Wort: ein Hedgefond-Manager und der – übrigens wirkliche – Kunsthändler und -Auktionator Simon de Pury.

Es mag banal klingen, dass hier Kritik am Spekulieren geübt wird, wo doch inzwischen jeder weiß, wie skrupellos und immer noch kaum kontrollierbar Finanzjongleure agieren, doch es ist ein künstlerisch beeindruckender Film mit wenigen Worten und viel Tiefgang.

Berlin, Palais Populaire bis 10. Juli 2023. (Extra-Tipp: das herrliche Terrassen-Café)


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