Verschlungene, feminine, faszinierende Körper, zerteilt und wieder verschmolzen

„Collapsed time“ von Christina Quarles

Christina Quarles Gemälde lösen extrem kontrastierende Emotionen aus. Da sind Extase, vertraute Umarmungen, verstörende Berührungen, verzerrte Proportionen oder sogar Fußtritte, aber harmonisch miteinander verknotet, sowohl in pastellen als auch knall-bunten Farben oder collagiertem Materialmix.

Die 38 jährigen Künstlerin aus Chicago ist in den USA bereits ein Star, eins ihrer Bilder wurde für 4,5 Millionen Dollar ersteigert. Äußerlich imponiert sie zwar mit einer recht weißen Hautfarbe, doch ihr Vater ist Afroamerikaner. Thematisch setzt sie sich daher mit der aufgezwungenen gesellschaftlichen Klassifizierung unserer Körper auseinander: mixed rassifiziert, gegendert oder queer. Dass dies zu Verwirrungen führt, besonders in ihren Bildern, ist nachvollziehbar, aber unglaublich anziehend.

Gerade jetzt im Picasso-Jahr erinnert ihr Werk durchaus an ihn, der Frauenkörper in ihre Einzelkomponenten aufteilte und mit unterschiedlichen Perspektiven wieder zusammensetzte.

Nein, abstoßend sind Christina Quarles Bilder auf keinen Fall, sondern üben einen enormen optischen Sog aus, teils bedrohlich und gleichzeitig faszinierend.

Berlin, Hamburger Bahnhof bis 17. September


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