Sarah Morris

Der amerikanische Traum

In den Hamburger Deichtorhallen erwecken die großformatigen farbigen Gemälde aus „Haushaltslack“ der Künstlerin aus New York sofort Freude und ein Lächeln auf den Lippen. Die klare cleane grafische Unterteilung mit den bunten Feldern ist für unsere heutigen Augen ein bekanntes und beliebtes Schema, allerdings bereits seit etwa 100 Jahren. Gerade wurde in der großen Mondrian-Ausstellung in Wolfsburg gezeigt, wie seine damals revolutionäre auf Gitter und farbige einzelne Flächen reduzierte Abstraktion bis heute durchgehend beliebt ist. Viele heutige Kunstwerke sind von ihm geprägt. So auch die von Sarah Morris. Die Perfektion und vielfältige Wiederholung ähnlicher Strukturen könnte fast Glauben machen, sie seien von einer KI generiert nach zusätzlichem Einbau der PopArt der 1960ger Jahre.

Die Künstlerin berichtet jedoch von einem anderen Schaffensprozess.

In Hamburg wird auch ihr komplettes Film-Werk gezeigt. In den zwei Boxen kann man natürlich nicht rasch in viele Filme hineinschauen. Daher sei beispielhaft „Los Angeles“ beschrieben. Es handelt sich um eine Aneinanderreihung unterschiedlicher kurzer Filmsequenzen, die Szenen aus der Stadt und der Gala zur Oscarverleihung, hier aus der Vorbereitung, aber auch von Stars zeigt. Für Zuschauer bleibt die Aufgabe, sich aus dem kommentarlosen Kaleidoskop ein Bild über die Stadt zusammenzusetzen.

Sarah Morris beschrieb bei der jetzigen Eröffnung, dass sich bei ihr spontan während der Arbeit am Film vor ihrem inneren Auge die Abstraktion der Stadt entwickelte, die sie dann in den grafischen Gemälden ausdrückt.

Braucht es wirklich diese intellektualisierte Beschreibung? Zumindest in den USA treffen die Bilder den Zeitgeschmack bestimmt: dekorative Kunst ohne hintergründige Problematisierung. Und ist das nicht völlig legitim, auch bei uns?

Richtig interessant sind aber auf jeden Fall collagierte Filmplakate die die Künstlerin ebenfalls ausstellt.

Die Deichtorhallen haben mit dieser Ausstellung einen Augenschmaus gewonnen, der sicher für große Besucherströme sorgen wird.

Sarah Morris „All Systems Fail“ bis 20.August 2023


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