Ernst Fuchs und sein „Phantastischer Realismus“

Ernst Fuchs (1930 bis 2015) war ein erstaunlich beliebter Wiener Künstler und wurde nicht nur in Österreich hoch verehrt.
In einer Zeit, als sich die Malerei eher zu immer stärkerer Abstraktion bis zum Minimalismus entwickelt hatte, schuf er große üppig farbige figürliche Gemälde, in denen er selbst erdachte religiöse und mystische Symbolik einfach vermischte.

Und immer wieder sind Frauen Hauptmotive: da sind Ester, die Urmutter der Juden, aber auch Maria und Aphrodite, ebenso der Tod oder Vögel mit Teufelsköpfen.

Auffällig bleibt, dass Fuchs seine Frauenfiguren übermäßig sexistisch, insbesondere mit extrem ausladenden Becken oder übermäßig spitzen Brüsten gestaltete, was heute sicher nicht mehr akzeptabel wäre.

Auch eine Skulptur einer ägyptische Sphinx mit goldener Irokesen-Frisur findet sich in seinem Werk.

Die Hintergründe der Gemälde erinnern eher an dystope Weltlandschaften. Die komplette Bildgestaltung von Ernst Fuchs könnte eher einem Vorläufer heutiger Fantasy-Illustrationen mythischer Welten darstellen.


In den 1960er bis 1990iger Jahre war Ernst Fuchs hoch beliebt, auch bei Prominenten wie Grace Kelly oder Yoko Ono, die ihn in seiner ausschweifend, fast kitschig dekorierten Villa besuchten.

Placido Domingo und Falco ließen sich von ihm porträtieren. Ausßerdem durfte er ein BMW-ART-CAR gestalten und mehrfach erschienen Bilder von ihm auf Briefmarken.

Letztlich hinterließ Ernst Fuchs neben seinen Kunstwerken und seiner zum Museum gestalteten Villa eine große Familie mit z.B. 16 Kindern.

Es kommt in diesem Museum rasch der alte Gedanke auf, sich zu fragen, ob das Kitsch oder Kunst sei. Doch im Sinn der Lehre von Beuys, dass jeder Mensch ein Künstler sein kann, bleiben wir doch einfach großzügig: Kunst ist auch, was gefällt?!


Ernst Fuchs-Privatmuseum in der Otto-Wagner-Villa in 1140 Wien, Hüttelbergstr. 26


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