Starke politische Performances im KW Berlin

Die amerikanische Künstlerin (Jg 60) wurde vom KW-Institut eingeladen, um eine Retrospektive ihrer eindrücklichen kritischen Kunstperformances zu zeigen. Mehrfach demonstrierte sie auf künstlerische Art politischeThemen wie Rassismus, Feminismus sowie postkoloniale Problematik.

Ihren ersten bahnbrechenden Erfolg stellte (1992/94) eine Aktion dar, bei der ein großer goldener Käfig in Mexiko in der Stadt aufgestellt wurde, in dem ein Mann und eine Frau (Coco Fusco selbst) in ethnologischer Kostümierung standen.“Discovered Indigenous“.Sie wurden auf dem Marktplatz der Bevölkerung als Sensation zur Schau gestellt, symbolisch wie früher exotische Tiere aus Kolonialgebieten. Diese Performance wanderte über mehrer Orte in Nord- und Süd-Amerika. Das Interessanteste daran waren die Reaktionen der Menschen. Viele glaubten das Spektakel, Kinder und auch Erwachsene wollten die vermeintlichen Exoten mit Bananen im Käfig füttern, andere gingen ignorierend oder missbilligend vorbei.

Ein weiteres Beispiel für die Arbeit (2002/04) der Künstlerin ist ihr Werk mit dem Nachstellen der Foltermethoden des Amerikanischen Militärs in Abu-Grhraib im Irak im „Krieg gegen den Terror“ . Da knien größere Gruppen in Sträflingskleidung in der Öffentlichkeit und müssen die Straße mit Zahnbürsten reinigen. Auch hier gibt es zweifelndes Publikum am Straßenrand.

Eine andere Gruppe wird in Ketten aneinander gefesselt mit schwarzen Kappen über Kopf und Gesicht durch Wälder getrieben.

Coco Fusco besetzte Frauen mit der Gefangenenrolle. Dieses Paradox war auch ein Hinweis darauf, dass in den Gefangenenlagern u.a. Frauen durch aufreizende sexualisierte Auftritte die gefesselten Männer zutiefst demütigten, was einer schweren Folter entsprach. Hiervon berichten auch die Zeichnungen von Coco Fusco.

Auch wenn jetzt lediglich die Videodokumentationen der aufwändigen zahlreichen weiteren Performances gesehen werden können, so geht immer noch eine bedrückende Ausstrahung von ihnen aus, die die Brisanz der jeweiligen Themen hervorhebt.

„Tomorrow Iwill become an Island“ Coco Fusco im KW Institut for Contemporary Art, Berlin 14.9.2023 bis 7.1.2024


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