Das TACHELES

heißt jetzt Fotografiska

Es macht die allergrößte Freude, in das ursprünglich zerstörte, dann von Künstlern mit alternativ fröhlichem und durchaus politischen Leben besetzte Kunsthaus einzutreten. Die denkmalgeschützten Grafities melden sich wieder als Zeitzeugen für die Umbruchphase nach der Wende und die damalige Aufbruchstimmung und sie sind immer noch hoch aktuell. Das Treppenhaus und die Flure sind damit allein schon den Besuch wert.

Daneben haben die Architekten Herzog & deMeuron moderne Ausstellungsräume gestaltet, die die alten Grundmauern stabilisieren und trotzdem sichtbar lassen.

Fotografiska ist eingezogen, ein Privatunternehmen mit Sitz in Stockholm, das weltweit Immobilien besitzt und den dortigen Anspruch auf Kulturinhalt mit Ausstellungen moderner Fotografie füllt.

Die Berliner Ausstellung zeigt zunächst mit „NUDE“ Nacktfotos, von Frauen fotografiert, die, vorwiegend an Hochglanzmagazine erinnern.

In der zweiten Ebene stellt Juliana Hoxtable die binäre Gendereinteilung infrage und beschreibt die „Ussyfizierung“, was immer das auch sein soll. Doch ihre Werke sind bunt und reihen sich dadurch in die ursprüngliche „Graffitisierung“ etwas ein.

Als Standort-spezifischen Beitrag könnte die Installation von Candice Breitz angesehen werden, die zwar 1972 in Südafrika geboren und früh als Weiße in der Situation der Apartheit aufwuchs, jetzt jedoch in Berlin lebt und arbeitet.

Sie stellt in spannendem Kontrast TV-Kommentare amerikanischer Weißer sich selbst gegenüber. Dabei ist sie mit weißblonden Perücken und geisterhaften Haftschalen die Synchronsprecherin. Die Statements kreisen um die Angst der Weißen um ihre gesellschaftliche Vormachtstellung. Optisch, wie inhaltlich eine großartige anspruchsvolle künstlerische Arbeit in diesem Haus.

Viel wurde über die kapitalistische Aneignung des Tacheles und des dahinter liegenden riesigen Areals diskutiert, das ein Filetstück in dieser Lage und jetzt mit ultrateuren Beton-Immobilien zugebaut wurde. Doch danach soll der Kunstgenuss zumindest nicht allein bewertet werden.

Hoch lebe weiter der Geist des Tacheles und der Spaß daran!


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