ANSELM – der Film

GROSS – GRÖSSER – GIGANTISCH

Seit 12.10.2023 ist in deutschen Kinos die Biographie von Anselm Kiefer zu sehen. Wim Wenders begleitete den Künstler seit den späten 60er Jahren und gestaltete mit seiner Lebensgeschichte ein eigenes Kunstwerk.

1969 malte Anselm Kiefer Landschaften, in denen er sich selbst mit Hitlergruß hineinstellte. Er erregte damit das gewollte Aufsehen und wurde als Neonazi beschimpft. Im aktuellen Film begründet er seine künstlerische Provokation. Zu jener Zeit gab es den Aufstand junger Intellektueller, die gegen ihre Vätergeneration kämpften, weil bei ihnen die Zeit des Nationalsozialismus einfach verschwiegen werden sollte im Hinblick auf einen Wiederaufbau. Kiefer wollte mit dem Hitlergruß in der Öffentlichkeit das Vergessen der schrecklichen Verbrechen verhindern, ähnlich wie die Studentenaufstände.

Der Film zeigt riesige Ateliergebäude im Odenwald oder Südfrankreich, die nötig waren, um die extrem großen Bilder und Skulpturen des Künstlers entstehen zu lassen. Kiefer scheut keine noch so riesige Leinwand. In Szene gesetzt wird dies mit Drohnenflug-Bildern, wobei die 3D-Technik keinsfalls übertrieben scheint, sondern absolut passend die Kunstwerke darstellt.

Es wird kaum gesprochen. Einige philosophische Zitate von. z.B. Paul Celan wirken allerdings etwas zu pathetisch. Das Kind und der jugendlichen Anselm Kiefer werden von Schauspielern angemessen eingebaut.

Anselm Kiefers gigantische Gemälde oder eher Assemblagen sind hochgradig beeindruckend. Wer die Chance wahrgenommen hat, die Ausgestaltung des Zählsaales im Dogenpalast von Venedig 2022 zu erleben, konnte sich davon intensiv überzeugen. Gerade die Kombination von dick aufgetragenen Ölfarben mit Stroh vermischt plus eingebauter Alltergegenstände wie Einkaufswagen, Boote, Leitern und Kleidungsstücke sind typisch für seine unverwechselbare Technik.

Leider wird nur in wenigen Szenen gezeigt, wie die Bilder entstehen. An einer Stelle wird kurz mit Feuerwerfer und Löschwasser das Bild überarbeitet. An anderer Stelle werden einige Pinselwürfe von Ölfarbe gegen die Leinwand gezeigt oder der auf-, ab- und herumfahrende Kranwagen mit dem Künstler.

Ein faszienierendes Doppelkunstwerk! Anselm Kiefers Werke und die besondere Filmgestaltung sind trotz teils recht viel Pathos empfehlenswert, nicht nur für Kunstbegeisterte.

Die Fotos stammen nicht aus dem Film, sondern wurden in der Einzelausstellung im Dogenpalast Venedig 2022 aufgenommen, die im Film auch thematisiert wird.


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