Ausgewählte Highlights der Sammlung von 1945 bis 2000 in der Neuen Nationalgalerie Berlin



Es war bestimmt die schwierigste, aber auch schönste Aufgabe für das Kurator*Innen-Team, im großen Schatz der Sammlung der Nationalgalerie zu stöbern und sich dann für diese grandiosen Perlen an Kunstwerken zu entscheiden. Ihnen dann jeweils eine thematische Zuordnung zu geben, war der intellektuelle Anteil, der historisch äußerst reizvolle Gegenüberstellungen hervorbrachte.
Beispielhaft, plakativ, doch so unmittelbar aktuell fällt die Plakatwand von Klaus Staeck ins Auge. Seine aufwühlenden sarkastischen Aufrufe aus den 70er Jahren sind heute extrem aktuell, wodurch sie endgültig ihren künstlerischen Charakter beweisen.


Die geschichtliche Besonderheit besteht darin, dass sowohl die Sammlung der Ex-DDR als auch die bundesrepublikanische Sammlung jeweils zeitgenössischer Kunst nach der Wende zusammenkamen, wodurch ein einmaliger Fundus von sowohl sozialistischer, als auch kapitalistischer Sichtweise entstand. Da hängt als Beispiel ein monumentales Gemälde von Willi Sitte in direkter Nähe zu Andy Warhol.


Im Themenbereich über Identitäten im Alltag findet sich ein Gemälde des Schweizer Künstlers Franz Gertsch von 1974 (Barbara und Gaby). Dem gegenüber hängt „Die Ausgezeichnete“, eine müde Frau mit schlappen Tulpen, die sie für besonders ausdauernde Arbeitstätigkeit im Kombinat erhalten hat.


Doch auch ohne jede thematische Zuordnungspflicht ist es ein großes Vergnügen, sich die fantastischen Werke anzusehen. Francis Bacon, Robert Rauschenberg, , Mark Rothko, Jean Tinguely, Victor Wasarely, Günter Uecker, aber auch Katharina Sieverding, Cindy Sherman, Joan Jonas und Charlotte Posenenske. Von 163 Ausstellungsstücken sind 25% der Werke von Künstlerinnen. Auf diesen Anteil wurde viel Wert gelegt und Klaus Biesenbach als Direktor der Neuen Nationalgalerie betonte, dass sie bis zur Fertigstellung des neuen „Berlin Modern“ den Frauenanteil durch Neuanschaffungen paritätisch erweitern möchten.
Dass diesmal nicht noch mehr Fotos in diesem Blog erscheinen, hat den einzigen Grund, den Besucher*innen nicht die Freude zu nehmen hinter jeder Trennwand immer wieder überraschende wunderbare Entdeckungen zu machen, denn davon gibt es extrem viele.
„Zerreißprobe“ Neue Präsentation aus der Sammlung der Neuen Nationalgalerie , 18.11.2023 bis 28.9.2025