Abu Dhabi, der Louvre

Kunst der Menschheitsgeschichte im Zeitraffer

und Baustellen zukünftiger Kunstpaläste

Jean Nouvel hat in dem größten der Vereinigten Emirate ein Gebäude für Kunst geschaffen, das sich nicht nur flach und rund in die Landschaft von Wüste, Küste und Meer einfügt, sondern auch Elemente der Nachhaltigkeit und emissionsarmer Architektur aufweist. Im Klima des Landes herrscht nicht wie bei uns die Notwendigkeit zu heizen, sondern stark zu kühlen. Doch große Bereiche des Louvre Abu Dhabi müssen nicht künstlich klimatisiert werden. Das gewölbte Dach, dessen Träger wie mehrere Schichten Korbgeflecht aussehen und die offene Bauweise am Meer bewirken eine ständige angenehme natürliche Durchlüftung. Auch die nur teils durchgelassenen Sonnenstrahlen beleuchten das Innere mit wechselndem Muster ausreichend, ohne zu blenden.

Für die wertvollen Kunstschätze gibt es jedoch zusätzlich sichere geschlossene Räume. Neben ortstypischen Sonderausstellungen alter Schriften oder wertvollen arabischen Schmuckes finden sich die Säle, die von den ältesten Figuren aus Jordanien (etwa 6500 Vor Chr.) über griechische, römische oder ägyptische Statuen eine komplette exemplarische Zeitreise durch die Kunst bis zu zeitgenössischen abstrakten Installationen bieten. Sowohl für Kunsthistoriker als auch Kunstbegeisterte ein Paradies.

Es ist bereits viel diskutiert worden, ob und warum ein ultrareiches Emirat der Vereinigten Arabischen Emirate antike Kunstschätze aus dem Fundus des Pariser Louvre in der Wüste präsentieren sollte. Handelt es sich um kulturelle Aneignung? Oder um eine arrogante Demonstration finanzieller Macht?

Auf der anderen Seite sind die Archive des Louvre wie auch anderer europäischer klassischer staatlicher Museen ungeheuer voll mit fantastischen erstklassischen Werken der Kunstgeschichte. Viele von ihnen hätten trotz riesiger Hallen wegen Platzmangels niemals die Chance im Stammhaus öffentlich ausgestellt zu werden. So kommt beim Wandeln durch die auf jeden Fall ebenfalls weitläufigen Räume in Abu Dhabi eher das Gefühl auf, dass hier sonst vielleicht in Lagerräumen verstaubende und vergessene Werke gesehen werden, die auch ein größeres Publikum aus aller Welt inklusive nichteuropäischer Kulturkreise begeistern können.

Blick in die Zukunft

Schaut man sich beim Herausgehen genau die Umgebung des Louvre an, so findet man als ultraspannenden Vorgeschmack auf hochkarätige contemporäre Kunstpräsentation zwei Großbaustellen in direkter Nachbarschaft. Norman Fosters Entwurf des Nationalmuseums für moderne Kunst ist bereits in seiner späteren Form mit vier riesigen Segeln recht gut zu erkennen.

In einem weiteren Areal am – oder ist es schon im Meer? –  ragen mehrere massive Baukörper und asymmetrische Gerüstkonstruktionen in den Raum, die die Basis für einen erneuten fantastischen Museumsbau von Frank O‘ Gehry darstellen. Dies wird ein weiteres Guggenheim Museum und lässt vermuten, dass es die Gehry-Bauten in Paris (Fondation Louis Vuitton) und des Guggenheim Bilbao an Größe und Außergewöhnlichkeit noch weit übersteigern soll.

Ein Wiederkommen nach Abu Dhabi wäre 2025 wohl ein Hochgenuss für Kunst- und Architektur-Fans.


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