Alberto Storari

Ein Atelier-Besuch in Wien

In einem Hinterhof im Herzen von Wien, einen Hauch entfernt vom Hundertwasser-Haus liegt das Atelier von Alberto Storari. Der Künstler mit Herkunft aus Verona, einem Studienabschluss in Bologna und Erfahrungen aus London gestaltet hier Bilder unterschiedlicher Art. Alberto Storari fühlt sich in erster Linie als Maler, doch er erfindet für sich immer wieder innovative Techniken mit einem überraschenden Materialmix.

Nach dem Interview mit einem Kurator vor wenigen Wochen soll in diesem Blog jetzt auch ein aktiver bildender Künstler zu Wort kommen.

INArtberlin: Herr Storari, Sie schaffen hier im Fluidum des berühmten Malers Friedensreich Hundertwasser starke Gemälde, jedoch in Ihrem ganz eigenen anderen Stil. Können Sie bitte Ihre Techniken und Intentionen näher erklären?

Alberto Storari: Es ist richtig, dass ich trotz der Nähe des Hauses keinen wesentlichen Einfluss des verstorbenen Kollegen empfinde. In diesem Bild zum Beispiel habe ich meine Fotografie genommen und schwarzes Seidenpapier darübergelegt, dann mit Chlor in der Mitte einiges wieder weggeätzt. So entsteht eine Art Passepartout und eine Unschärfe, die beim Betrachten einen Abstand zum Subjekt bewirkt. Ich bin Maler und fühle mich gut mit den zwei Dimensionen. Ein Bild ist ein immer ein Fenster, eine Skulptur ist eine Präsenz.

I.B.: Machen Sie auch Skulpturen?

A.St: Im Studium habe ich auch Erfahrungen mit Skulpturen gemacht und in Zukunft möchte ich schon gern wieder einmal in die dritte Dimension gehen, doch meine Pläne sind noch nicht ausgereift.

I.B.: Diese Bilder sind ganz anders.

A.St.: Genau, hier habe ich Silberblätter verwendet und schwarze Farbe, es einsteht ein starker Kontrast. Es ist ein wenig wie ein Blick aus dem All auf die Erdkugel. Man braucht eine Sicht von außen, um eine neue Perspektive für neue Erkenntnisse einzunehmen.

I.B.: Ein weiterer Stil findet sich auf diesen großen Landkarten.

A.St.: Ich habe Seekarten der Erde verwendet. Die sind schon Vergangenheit, denn heute nutzen wir alle Navigationssysteme. Doch die Karten sind wunderschön. Ich habe Landschaftsbilder aus alten Atlanten genommen und hinein collagiert. Dabei sollen die Küstenlinien genau an Strukturen der Bilder passen. Die Realitäten werden jedoch verändert. So findet sich z.B. ein italienischer Küstenort in Australien wieder. Außerdem entstehen immer zwei verschiedene Perspektiven: Die Bilder zeigen einen Blick von vorn, die Karten von oben.  Meine Bilder sind stets eine Reise, Metaphern einer eigenen Welt, die ich mir selbst gestalte.

Es gab eine Ausstellung im Künstlerhaus hier in Wien, wo ich so eine Collage ausgestellt hatte. Der Titel der Ausstellung lautete: “ Human Nature“, Mensch und Natur in Harmonie und in gegenseitigem Respekt.  Ich denke, wir sollten die Natur schützen, doch auch wir müssen unseren Lebensraum finden dürfen. Vieles im Leben ist ein Kompromiss.

I.B.:  Wie wichtig sind Ihnen neue Technologien wie Digitalisierung?

A.St.: Bei aller Digitalisierung ist wichtig, was man am Ende Bleibendes hat. Und man muss wissen, wer die Kontrolle hat. Wenn ich Kunst mache, bin ich der Chef, nicht die Technologie.

I.B.: Wie gestalten Sie den Verkauf Ihrer Bilder?

A.St.: Ich habe eine Galerie in Italien und auch in Wien, die mich vertreten. Heutzutage wechselt man öfter, wenn es für beide Seiten besser ist. Aber vorwiegend sind es private Verkäufe. Sammler kennen mich und empfehlen mich weiter. Wir organisieren mit Kollegen außerdem Präsentationen, zu denen wir Interessenten einladen.

Ich nehme auch gern die Möglichkeit von Ausstellungen in größeren Häusern an wie im Künstlerhaus.

I.B.: Sie sagten, Sie arbeiten auch als Lehrer.

A.St: Ja, an der Akademie für Kunst unterrichte ich, denn ich habe im Studium auch eine Ausbildung zum Lehrer abgeschlossen. Die jungen Studenten sind großartig. Sie zeigen große Motivation, gehen mit frischer Energie und guten Ideen an die Arbeit, das ist inspirierend auch für meine eigene Arbeit, richtig ansteckend.

I.B.: Was ist Erfolg für Sie?

A.St.: (lacht) Ich bin zufrieden! Ich kann meine Kunst machen, denn ich wollte nie etwas anderes. Ich kann ausstellen und ja, ich verkaufe auch.

I.B.: Vielen Dank für den Einblick in Ihre Arbeit!

http://www.albertostorari.art


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