„Freischwimmen“ in Wolfsburg

Ein fröhliches und bereicherndes Baden in Kunst

Es gibt „Waldbaden“, jetzt also auch „Kunstbaden“. Einem Trend in der Museumswelt folgend – auch entwickelt beim Deutschen Museumsbund- eröffnet das Kunstmuseum Wolfsburg einen künstlerischen Mitmach-Parcours. Das umfassende Thema von „Freischwimmen“ ist, sich einen Tag im Freibad vorzustellen mit Eintauchen ins Wasser, hier in die Kunst, Auftauchen und Entspannen auf der Liegewiese. Es gibt Stempel in einen Pass für jede bewältigte Aufgabe und am Ende einen Freischwimmer-Button.

Wolfsburg bietet in der neuen Ausstellung mehrere Stationen mit fantastischen Werken der hauseigenen Sammlung, die eine Art Kristallisationskerne für multisensorische Empfindungen und aktives kreatives Handeln sein sollen.

Das Spiegelkabinett von Jeppe Hein lädt ein zu optischen Spielchen und Selfies in lustigen Posen.

Eine überdimensionierte Version eines abstrakten Bildes von Sarah Morris wird mit Schaumstoff-Bausteinen nachgebaut.

Christian Falsnaes schuf einfach eine Bühne, auf der die BesucherInnen sich nach Anweisungen aus einem Kopfhörer bewegen sollen. Performance mit Laien!

Zeitgemäß medial gibt es das bereits etablierte „Studio digital“ des Museums, erweitert mit Kombinationen der dreidimensionalen körperlichen Realität. Dieser Bereich wurde mit Hilfe einer Schülergruppe des Max-Born-Gymnasiums Backnang entwickelt, die bereits das Grundprogramm wesentlich geprägt hatte.

Die Schüler wurden beim Rundgang für die Presse per Video zugeschaltet. Auf die Frage, was sie sich von einem Museum noch mehr wünschen würden, hieß es spontan: „Mehr Sitzmöglichkeiten!“ Eine fantastische Antwort, die mit Sicherheit von allen Altersgruppen unterstützt wird.

https://studiodigital.kunstmuseum.de

Die beschriebenen Stationen stehen exemplarisch für viele Positionen der Ausstellung.

Offensichtlich möchten sich die Museen heutzutage für mehr und unterschiedliche Bevölkerungsgruppen interessant machen, indem sie hochkarätige Kunst spielerisch mit allen Sinnen erfahrbar werden lassen.

Das ist keineswegs neu, denn gerade erleben wir diese partizipative Kunst in Berlin in den beiden großen Ausstellungen von Yoko Ono, die das Konzept schon vor über 60 Jahren „erfunden“ hat. Sie ging stets davon aus, dass ein Kunstwerk erst durch Mitarbeit der Besucher*Innen vollständig wird. Der Hauptbestandteil ihrer Werke sind ihre „Instruktionen“.

In Berlin funktioniert das Konzept heute wie damals hervorragend. Beim Gallery-weekend waren die Tische mit weißen Schachspielen und das Zusammensetzen von Porzellanscherben oder auch das Falten von Papierkranichen permanent voll besetzt. Gestalten für den Frieden!

Mit Sicherheit wird der Museumsbesuch im Kunstmuseum Wolfsburg eine perfekte Ergänzung im familiären Ferienprogramm, zumal in der Kombination mit der weiterhin gezeigten exzellenten „Schwerelos“-Ausstellung im großen Saal. Doch vielleicht sollte man auch Öffnungszeiten „nur für Erwachsene“ anbieten, damit sie fröhlich und frei Hemmungen vor Kunst und Kultur spielerisch ablegen können.

„Freischwimmen – Köpper in die Kunst“, Kunstmuseum Wolfsburg, 9. Mai — 28. Sept. 2025


Hinterlasse einen Kommentar