Sigmar Polke in ARLES

Pure Lust am Experimentieren

Ein Künstler, ein Fotograf, ein Glasmaler, ein Chemiker, ein Maler…. Sigmar Polke zeichnet sich dadurch aus, dass er sich zu keinem Zeitpunkt auf einen einzigen individuellen Stil festgelegt, sondern stets neue Materialien oder Techniken ausprobiert hat.

Als 22-jähriger Student an der Düsseldorfer Kunstschule gründete er mit Gerhard Richter und anderen eine Kunstrichtung, die jedoch ironisch gemeint war: „Kapitalistischer Realismus“. Polke war 1941 in Oels geboren worden, das inzwischen zu Polen gehört und lebte bis 1953 in der DDR. Dort war den Künstlern der „Sozialistische Realismus“ staatlich verordnet. Darauf spielte Polkes Ausdruck an. Zusätzlich sollte er gegen die kapitalistische POP-Art der US-Amerikaner kontrastieren, die zunehmend Motive und Stil aus der Werbung übernahm.

Sigmar Polke war geprägt durch die Protest-Ideen der sogenannten 68-iger.  Sie waren die Nachkriegs-Generation in der Bundesrepublik und stellten sich laut und teil aggressiv gegen ihre Vätergeneration, die ihr nationalsozialistisches Weltbild noch nicht abgelegt hatten. Polke gehörte somit zu denen, die den Aufbau und die freie demokratische Gesellschaft in Deutschland mit aufgebaut und etabliert haben; er speziell mit seinen künstlerischen Fähigkeiten.

Wenn andere Künstler Fotos als Kunstwerke gestalteten, malte Polke Zeitungsbilder mit einzelnen Rasterpunkten auf seine Gemälde. Wenn andere auf Leinwand malten, bevorzugte Polke Industriestoffe als Untergrund, besonders gern auch bedruckte Tischdecken oder Gardinen. Duch diese Alltagsmaterialien aus einfachen Haushalten zeigte er seine Solidarität mit der Bevölkerung.

Später verließ er auch fertige Farbe und experimentierte mit Farbpigmenten, besonders Violett, verbunden mit Öl und Benzin. Die so entstandenen Bilder veränderten ihre Farbe je nach Lichteinfall, was ihm 1986 den Goldenen Löwen der Venedig-Biennale einbrachte.

Sein spätestes Kunstwerk war die Gestaltung von Kirchenfenstern in Zürich.

Heute hat Polke ähnlich viel Weltruhm wie seine Zeitgenossen Joseph Beuys, Gerhard Richter, Georg Baselitz oder Jörg Immendorff, sodass auch er in Frankreich verehrt und ausgestellt wird.

In diesem Sommer zeigt die Fondation Vincent van Gogh in Arles, Südfrankreich eine umfangreiche Ausstellung von Sigmar Polke. Die Organisation möchte Künstler im Sinn von van Gogh präsentieren, der längere Zeit dort lebte und viele seiner Werke malte. Er inspirierte die folgenden Künstlergenerationen wesentlich. Gemeinsam haben Polke und van Gogh das Motiv der Kartoffel, muss man aber suchen!

Auf jeden Fall:  Sommerzeit, Reisezeit, Zeit für Kunst !

Sigmar Polke „Sous les paves, la plage” (Unter dem Pflaster, der Strand; die Erde), Fondation Vincent Van Gogh, 35ter, rue du Docteur-Fanton, 13200 Arles (F) , Achtung: keine Parkplätze, noch bis 16.Okt.2025


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