„Nichts ist original“ in Film und Fotos

Julian Rosefeldt im C/O Berlin

Die gewagte These des Titels stellt Julian Rosefeld im C/O Berlin eindruckvoll und unterhaltsam unter Beweis. Gezeigt wird ein großer Querschnitt an Filmen, Bildern, Installationen und mehr des Multimediakünstlers. Dabei ist zunächst kompliziert, für seine Werke eine erklärende übergreifende Thematik zu finden, weil sie so vielfältig und jeweils einzigartig sind.

Fragt man den Künstler selbst, meint er nur: „Ich habe keine klassische Message , die ich verbreiten will. Vielmehr horche und schaue ich, was so passiert, worüber aktuell geredet wird…und dann kommt – wie übrigens bei den meisten Künstlern – aus mir ein Gedanke hervor, eine Idee und wie ich etwas darstellen kann, mit welcher Technik und welchem Inhalt.“

Die Ergebnisse sind im C/O mit Freude zu entdecken. Der Titel „Nothing is original“ verwirrt, doch es ist ein Zitat eines berühmten Filmregisseurs, ein Leitsatz.  Ein absolutes Original sei nie abzubilden, doch man solle und dürfe alles klauen, wenn es zu einem authentischen Bild passe. Ein weiterer Grundsatz von Jean-Luc Godard lautet: „ Es kommt nicht darauf an, woher etwas  kommt, sondern nur, wohin man es bringt.“ Diese Sätze spricht Cate Blanchett zu Beginn der Ausstellung in einem Filmausschnitt von „Manifesto“ skurrilerweise an eine Klasse von Grundschulkinder, die ein Bild malen sollen.

„Meine Heimat ist ein düsteres wolkenverhangenes Land“ nennt Rosefeld eine Bilderserie, die er in der Uckermark aufgenommen hat. Hier setzt er sich kritisch mit dem deutschen Heimatbegriff auseinander. Da steht ein kräftiger Neonazi an einem braunen Sumpf mit dem Rücken zum Betrachter. Der Bildaufbau ist eine deutliche, ironisierende Referenz an Caspar David Friedrich und die verklärende Sicht von Natur und Wald in der deutschen Romantik.  Auch der Mann, der den Kreidefelsen sauber fegt, damit er wieder weiß wird, gehört dazu. Dass die hundertjährige Eiche auf einem weiteren Foto von 10 deutschen Schäferhunden bewacht wird, läßt eine ähnliche Kritik vermuten.

„American Night“ ist eine Serie von Filmsequenzen, in der sich Rosefeldt mit dem Klischee von Western auseinandersetzt. Mitten in typischen Motiven des Genres  brechen gezielt eingesezte Irritationen durch wie z.B. ein Kampfhubschrauber oder eine Puppenspielerin mit Figuren amerikanischer Präsidenten. Bei Julian Rosefeld geht es um Dekonstruktion von Mythen und Klischees, die uns die Filmindustrie in unser Gedächtnis einprägen will. Doch er vermittelt dies  auch mit Humor.

Weitere Bilder entstanden bei Besuchen von besonderen Ereignissen oder im verborgenen Tunnelsystem unter dem Marktplatz in München, wo der Künstler plötzlich auf  von den Nazis versteckte Kunstwerke stieß oder in Industrieunternehmen.Es ist eine beeindruckende 30-Jahre-Retrospektive, die einen intensiven Blick mit Zeit und Geduld verdient.

Nicht versäumt werden sollte auch ein Blick in die obere Etage des Hauses. Dort zeigen anläßlich des 25. Geburtstages des C/O Preisträger des Berlin Talent Award, wie vielfältig mit fotografischen Mitteln hervorragende Kunstwerke gestaltet werden können.

„Nothing is Original“, Julian Rosefeldt im C/O Berlin, 24.Mai bis 16.Sept. 2025

„Documentary in Flux“ Preisträger des Berlin Talent Awards, 14.Mai -16.Sept. 25


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