Monira Al Qadiri und die Ölindustrie

Die Berlinische Galerie zeigt eine Einzelausstellung von Monira Al Qadiri mit dem Titel „HERO“. Der Titel entspricht eher einer ironischen Anspielung auf die vermeintliche Heldenhaftigkeit des gigantischen Tankers, der auf der langen Wand des Ausstellungsraumes abgebildet ist. Die Künstlerin beschäftigt sich in all ihren Arbeiten mit der Petro-Industrie, wobei sie stets die zwei Seiten des Erdöls betrachtet. Auf der einen Seite war und ist Erdöl der Motor der Industrialisierung der Menschheit, ein Garant für Fortschritt, Innovation und Wohlstand. Andererseits verursachen Transport, Verbrennung und die Chemische Industrie große Probleme für Umwelt und Gesundheit .

Monira Al Qadiri wurde in Dakar im Senegal als Tochter eines Verwaltungsmitarbeiters der marokkanischen Botschaft geboren. Doch als ihrem Vater eine lukrative Verstzung nach Kuwait angeboten wurde, zog er mit der Familie und der kleinen Tochter dorthin. Die Künstlerin erlebte selbst den Wohlstand, den auch ihr das Öl  in dem hierdurch ultrareichen Lander möglichte. So konnte sie in Kuwait und später in Japan und Paris studieren. Doch sie entwickelte auch im weiteren eine sehr kritische Sensibilität gegenüber der destruktiven Komponente, die die Ölindustrie verursacht.

In Berlin stellt sie thematisch in den Mittelpunkt ihrer Message die riesigen Tanker, die über die Weltmeere fahren. Viele unterschiedliche Tanker-Modelle stehen und schweben im Raum, sämtlich mit von ihr gewählten beziehungsreichen Namen.  

Am Raum-Ende findet sich eine glänzend rot lackierte Skulptur in Form einer „schnellen Birne“. So wird der Wulst an der Bugspitze der Tanker bezeichnet, der den Wasserwiderstand erheblich rediziert.

Bekannt wurde Monira Al Qadiri auf der Biennale in Venedig 2022 mit Skulpturen, die Bohrköpfen von Ölbohrungen nachempfunden sind. Sie ließ sie mit mehrfarbig schimmerndem Autolack lackieren, was ihnen eine ästhetische Schönheit gibt. Doch die Botschaft der zugrunde liegenden Umweltverschmutzung bleibt trotzdem erhalten.

Fantastische Wesen der Tiefsee sind die Portugiesischen Galeeren. Sie sind eine hochgiftige Art Qualle, die jedoch kein Einzelwesen ist, sondern mit mehreren Organismen einen völlig voneinander abhängigen „Staat“ bilden. Auch sie sind durch die Verschmutzung des Meeresbodens gefährdet. Die Künstlerin fertigte als Mahnung und Aufklärung wunderschöne gläseren Skulpturen dieser außergewöhnlichen Lebensform an.

Der Bezug zu Berlin, der stets ein besonderes Merkmal des Ausstellungsortes ist, besteht ganz einfach in der Tatsache, dass die Künstlerin inzwischen hier lebt.

Die sehenswerte aktuelle Ausstellung in der Berlinischen Galerie ist typisch für die Künstlerin: ein Ausdruck der Zwiespältigkeit zwischen Schönheit und Bedrohung, die die exessive Nutzung des Erdöls beinhaltet. Und wir sind vom Öl immer noch absolut abhängig!

Monira Al Qadiri: „HERO“ , Berlinische Galerie, 11.Juli bis 17. August 2026


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