Günther Uecker

„Da muss ein Nagel reingeschlagen werden…“

Sein Markenzeichen sind die Objekte, in denen er seine ganze physische Kraft für immer fixierte, indem er Nägel in Holz hämmerte, die jedoch danach ganz subtile tiefsinnige Kunstwerke verkörpern.

Günter Uecker konzipierte die Schau „Die Verletzlichkeit der Welt im Arp-Museum Rolandseck bei Bonn noch selbst kurz bevor er im vergangenen Jahr am 10. Juni 95jährig starb. Uecker reiste sein Leben lang in unterschiedlichste Regionen der Welt, meist dorthin, wo Spannungen das Leben beeinfussten. So berichtet sein Sohn Jakob bei der Eröffnung. Sein Vater wollte stets Kunst an Orte bringen, wo man es nicht erwartet: Kairo, Libyen, die Navaro-Reservate, Sibirien, die Mongolei, China, den Iran oder Sri Lanka. Zuletzt wollte er unbedingt nach Tadschikistan, wohin ihn sein Sohn begleitete.

Mit dieser Ausstellung schließt sich auch ein Kreis, denn schon 1964, in dem Jahr seiner Documenta-Teilnahme, war es Günther Uecker, der mit seiner künstlerischen Intervention den Bahnhof Rolandseck symbolisch für die Kunst „in Besitz nahm“ und vor dem Abriss rettete. Er schlug vom Vorplatz beginnend bis zur obersten Treppenstufe des Bahnhofsgebäudes eine Nagelspur ein. Sein Freund Johannes Wasmuth hatte diesen malerischen Ort, der schon immer wegen der wunderbaren Aussicht auf den Rhein Künstler-Bahnhof hieß, entdeckt. Nach vielen Jahren komplettiert jetzt seit 2007 das Arp-Museum den markanten Kunst-Standort.

Die Ausstellung zeigt zunächst eine Auswahl von Möbelstücken, die Uecker in typischer Art „benagelt“ hat. Darunter ist auch eine Nähmaschine als Hommage an Pina Bausch. Tatsächlich hatte die Tänzerin und Choreografin hierauf Kostüme für ihre Inszenierungen genäht und sie ihm geschenkt.

„Mein Vater hat stets ohne vorherige Zeichnung und ohne Pausen die Nägel in seine Werke geschlagen. Die besonderen Winkel und Anordnungen entstanden direkt und ohne Korrektur. Ja, das war schwer und er war dann auch erschöpft.“

Die Sandmühle, das kinetische Objekt als Zeichen für die Vergänglichkeit der Zeit, aber auch stetige Erneuerung der Natur füllt als ikonische Arbeit von Günther Uecker einen ganzen Raum. Dort herrscht eine meditative, fast andächtige Stille. Diese philosophische Seite des Künstlers kennen wir bereits aus dem Andachtsraum im Berliner Bundestag.

Eine weitere zentrale Gruppe an Kunstwerken handelt von den Verletzungen, die Menschen andere Menschen zufügen: „Verletzen und verbinden“.  Symbolisch zerschlug Uecker einen Bettrahmen und legte ihm dnach Mull-Binden-Verbände an, um durch Kunst die Welt zu heilen.

Hierzu gehört auch „Denk ich an Deutschland“. Die starken Holzbalken sind zerbrochen und nur notdürftig verbunden, alles hängt nur an einem dünnen Seil. Er bezieht sich auf Heinrich Heines „Nachtgedanken“ (1844) und ist damit extrem aktuell:

„Denk ich an Deutschland in der Nacht,

Dann bin ich um den Schlaf gebracht,

Ich kann nicht mehr die Augen schließen.

Und meine heißen Tränen fließen.“

Günter Uecker war viel mehr als ein Nagel-Künstler. Alles, was er schuf, in der Werkstatt, mit seinen perfomativen Auftritten oder Installationen war hochpolitisch und immer aus der Überzeugung geboren, dass Kunst die Welt verbessern kann. Zitat:

„Da muss ein Nagel reingeschlagen werden, damit der Widerstand erzeugt wird, so dass Kunst eindringen kann in die Banalität von Leben.“ (2025)

Günther Uecker: „Die Verletzlichkeit der Welt“, Arp-Museum Rolandseck, 8. Februar bis 14.Juni 2026
 


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