Letzten Sommer zog Hito Steyerl ihre Installation von der Documenta 15 zurück, weil sie nicht in den Zusammenhang mit dem aus ihrer Sicht fehlerhaften Umgang mit den Antisemitismusvorwürfen gebracht werden wollte.
Jetzt können Fans der Professorin der UDK das Kunsterlebnis in der Galerie Ester Schipper in Berlin nachholen.
Hito Steyerl wurde bereits bei der Documenta 12 mit ihrer Recherche-Videoarbeit über Bundage bekannt. Auch beeindruckten ihre Arbeiten auf den Venedig-Biennalen ein Weltpublikum: 2015 im Deutschen Pavillon („Factory of the sun“) und 2019 in der Hauptausstellung („This is the Future“).
„Animal Spirits“ ist eine Rauminstallation mit einem skurril-verwirrenden, aber beeindruckenden Video aus einem erfundenen Kandidaten-Casting für eine Reality-Show namens „The Sheperd-School“ und dem Kampf des wütenden viralen Schafhirten Nel dagegen. Die Überlegenheit ländlichen Wissens gegenüber pseudobiologischen Argumenten von Unternehmen wird u.a. thematisiert.
Und wir sehen erneut in einem Hito Steyerl Film Mark Watschke, hier gealtert und parodistisch in der Rolle eines englischen Wissenschaftlers.
Es wäre ein absolutes Highlight auf der Documenta im letzten Sommer gewesen und deshalb ist es eine Freude, das Werk nachträglich doch noch erleben zu können.
Galerie Ester Schipper, Potsdamer Str. 77, Berlin bis 25.Mai 2023
Als Fotokünstler in den USA kam Ralph Gibson als Sohn eines Regieassistenten bei Warner Bros. schon in den Anfängen des Films mit dem Spiel von Licht und Schatten in Berührung. So waren seine ersten Fotos auch durch starke Schwarz-Weiß-Kontraste gekennzeichnet.
Als Marinesoldat erlernte er zusätzlich die Dunkelkammerarbeit, so dass er seine Motive komplex gestalten konnte. Ein erstes Alleinstellungsmerkmal war Anfang der 70ger Jahre das Festhalten der Aufnahmen in Fotobüchern, womit er über eine Ausstellung hinaus die Bilder in ihrer gewollten Serienidentität überdauern lassen konnte.
Von seiner Lehrerin an der Kunsthochschule lernte er, dass er erst ein Thema, einen Standpunkt (point of departure) festlegen solle, bevor er mit der Motivsuche beginne, was die Serien in sich konsitent machte.
Eine erste krasse Veränderung brachte die Farbfotographie, der er sich kreativ stellen musste, was ihm zunächst nicht wirklich gefiel. „Ein Schwarz-Weiß-Foto erzählt eine spannende Geschichte, was das Farbfoto überhaupt nicht kann.“ Ralph Gibson kreierte daraus eine Serie, in der er stets zwei Fotos zusammen zeigte, eins schwarz-weiss, ein Farbiges in direktem Kontrast daneben, um seine These zu beweisen. Erst in den letzten Jahren freundete er sich mit der Farbe mehr an.
Die zweite technische Revolution der Fotographie war die Digitalisierung. Sie nahm dem in der analogen Technik der Dunkelkammer versierten Experten die Lust am Neueinstieg. Doch da schickte ihm der Hersteller unaufgefordert eine Digital-LEICA- Kamera, die ausschließlich schwarz-weiß Fotos produzierte. Gibson nahm die Herausforderung an und fand bis heute großes Vergnügen am schnellen Bild. Erneut nutzte er aussagestarke Ausschnitte und starke Kontraste.
Später fand er auch einen Zugang zu digitalen Farbfotos. Es entstand eine Serie „The vertical horizon“. Vertikale Motive für das Hochformat entdeckte er nicht nur im Städtebau, sondern auch zunehmend in der Natur.
Ralph Gibson ist 1939 geboren und hatte somit die Chance, die Fotographie, die er stets als „Malen mit Licht“ begriff, über alle technischen Veränderungen hinweg immer wieder neu mit künstlerischem Blick zu erfassen und zu nutzen.
Am Ende der Präsentation seiner neuen Ausstellung in den Deichtorhallen in Hamburg wurde er gefragt, was er zu den aktuell diskutierten KI-Bildern sage: „Das sind keine Fotographien, das ist etwas anderes und hat aber auch seinen spezuellen Stellenwert. Doch die Fotographie wird trotzdem niemals sterben, so wie der Film nie vom Fernsehen getötet wurde.“
Die Austellung ist von der Kuratorin Sabine Schnakenberg geschickt empathisch und didaktisch „choreographiert“ worden, so dass sowohl die Schaffensprozesse gut nachvollziehbar, aber auch die künstlerische Kraft hervorragend genussvoll erlebbar sind.
Ralph Gibson: „The Secret of Light“ Deichtorhallen Hamburg bis 20. August 2023
Bilbao ist ein Pflichtprogramm für Liebhaber moderner bildender Kunst, denn die Guggenheim-Stiftung hat Frank O. Gehry hier ein faszinierendes Bauwerk realisieren lassen, das dem einzigen Zweck dient, die Schätze moderner Kunst großartig zu präsentieren. Doch der Bau mit seinen multiplen Aus- und Durchblicken stiehlt eindeutig jedem noch so genialen Kunstwerk die Show. Überall ist der Wunsch größer, Wände, Gänge, Brücken und Konstruktionen zu bestaunen als den Blick auf die Kunstwerke zu lenken. 1997 wurde das Museum eingeweiht.
Im Inneren wird gerade die riesige Sammlung von Joan Miro gezeigt: bestimmt sehr wertvoll, jedoch einfach eher uninspirierend nebenenander gehängt in 3 großen Sälen.
Interessanter sind die dauerhaft installierten Werke, die sich besonders harmonisch in ihre speziellen Räume und Nischen einpassen:
Der große Up-Cycling-Vorhang aus Flaschenverschlüssen von El Anatsui, der gerade zu den einflußreichsten Künstlern unserer Zeit vom Time-Magazin NY gewählt wurde.
In einem weiteren Saal finden sich bunt vereint die POP-Art-Werke von Andy Wharhol, James Rosenquist und Jeff Koons.
Der größte Saal ist ausgfüllt mit einer großen Anzahl der Stahl-Skulpturen von Richard Sella. Sie müssen bei der Größe und dem Gewicht in der Bauphase dort plaziert worden sein, bevor der Bau verschlossen wurde und sind wahrscheinlich auch nicht wieder zu entfernen.
Im Außenbereich besonders eindrucksvoll ist das Nebelkunstwerk von Fujiko Nakaya, das die harten Kanten des Hauses herrlich kontrastierend umspielt.
Skulpturen des baskischen Künstlers Eduardo Chillida, die Riesenspinne von Louise Bourgeoise und die verspiegelten Kugeln von Anish Kapoor veredeln die Terrasse und den kleinen See.
Sogar die Konstruktion der das Gelände durchbrechenden Autobrücke trägt eine künstlerische Ummantelung, hier von Daniel Buren.
Das großartigste aesthetische Erlebnis bleibt jedoch dem Anblick der Titan-ummantelten Kuben und Rundungen des Museums vorbehalten, die zu jeder Tageszeit, bei jeder Art der Sonneneinstrahlung und von allen Seiten ein fantastisches Staunen auslösen.
Extra-Tipp: Das MARTA in Herford wurde ebenfalls von Frank o. Gehry gebaut, eine Art Miniaturausgabe des Guggenheim Bilbao in Backstein und als Sonntagsausflug leichter erreichbar.
Eduardo Chillida in Berlin und in seiner baskischen Heimat
Vielmals bei HEUTE und der TAGESSCHAU wurde dieses Kunstwerk gezeigt, aber meist wenig beachtet, denn die Berichte von wichtigen Empfängen vor dem Kanzleramt thematisierten eher die politische Bedeutung des Gastes und des Bundeskanzlers.
Doch die stählerne oxidierte Skulptur ist ebenfalls wert, mit ihrer Historie mal erwähnt zu werden. Im Jahr 2000 wurde sie enthüllt. Ihr Titel ist „Vereinigung“, wobei offen bleiben kann, ob der Bildhauer Eduardo Chillida hiermit die liebevolle Vereinigung zweier Menschen darstellen wollte oder verallgemeinert Vereinigung meinte, womit an diesem speziellen Ort die Wiedervereinigung Deutschlands großartig symbolisiert würde.
Chillida ist ein spanisch-baskischer Bildhauer, der auf einem Grundstück in San Sebastian seine Werke herstellte, nachdem er eine stillgelegte Metallfabrik in der Nähe entdeckt hatte, die für seine Zwecke reaktiviert werden konnte.
Auf dem Gelände des jetzt Chillida-Leku-Museums sind eine Fülle seiner Werke ausgestellt. Zur Einweihung 2000 waren nicht nur der Künstler selbst, sondern der spanische König sowie eine Delegation aus Deutschland mit dem Bundeskanzler Schröder gekommen. Er hatte ja auch eine Chillida-Skulptur vor seinem Regierungsgebäude.
Doch auch an der Steilküste von San Sebastian stemmen sich Skulpturen von Eduardo Chillida gegen den Wind und die Meeres-Brandung. Außerdem zeigt das Guggenheim-Museum in Bilbao mehrere Werke des Bildhauers aus der Region mit Weltruhm in seinem großartigen Bau und Gelände.
Ist jetzt der Blick auf die Skulptur vor dem Kanzleramt beim nächsten Staatsempfang oder einem Berlin-Besuch ein wenig geschärft ? Schön wär’s!
Christina Quarles Gemälde lösen extrem kontrastierende Emotionen aus. Da sind Extase, vertraute Umarmungen, verstörende Berührungen, verzerrte Proportionen oder sogar Fußtritte, aber harmonisch miteinander verknotet, sowohl in pastellen als auch knall-bunten Farben oder collagiertem Materialmix.
Die 38 jährigen Künstlerin aus Chicago ist in den USA bereits ein Star, eins ihrer Bilder wurde für 4,5 Millionen Dollar ersteigert. Äußerlich imponiert sie zwar mit einer recht weißen Hautfarbe, doch ihr Vater ist Afroamerikaner. Thematisch setzt sie sich daher mit der aufgezwungenen gesellschaftlichen Klassifizierung unserer Körper auseinander: mixed rassifiziert, gegendert oder queer. Dass dies zu Verwirrungen führt, besonders in ihren Bildern, ist nachvollziehbar, aber unglaublich anziehend.
Gerade jetzt im Picasso-Jahr erinnert ihr Werk durchaus an ihn, der Frauenkörper in ihre Einzelkomponenten aufteilte und mit unterschiedlichen Perspektiven wieder zusammensetzte.
Nein, abstoßend sind Christina Quarles Bilder auf keinen Fall, sondern üben einen enormen optischen Sog aus, teils bedrohlich und gleichzeitig faszinierend.
„Playtime“ (2014) der Film zur Finanzkrise von 2008
Der britische Videokünstler Isaac Julien bekam bereits viele Auszeich-nungen, zuletzt den Kaiserring in Goslar. Der Film Playtime soll die Wirkmacht des Geldes erklären, beispielhaft anhand der Finanzkrise, die von Island und den USA ausgehend in den Jahren ab 2008 die gesammte Weltwirtschaft einbrechen lies, ganz ohne Naturkatastrophe oder Krieg.
Exemplarisch dargestellt werden Menschen: der verzweifelte Künstler auf Island, der sein Traumhaus nicht fertigstellen konnte und durch die Rohbau-Ruine irrt. Außerdem die tieftraurig erstarrte phillippinische Hausangestellte, die als Arbeitssklavin in Dubai für den Lebensunterhalt ihrer Familie sorgt. Die Aufnahmen der ultrakapitalistischen Glitzerwelt von Dubai sind wunderschön und somit ein um so demütigender Kontrast zu ihrem Schicksal.
Natürlich kommen auch Gewinner der Krise zu Wort: ein Hedgefond-Manager und der – übrigens wirkliche – Kunsthändler und -Auktionator Simon de Pury.
Es mag banal klingen, dass hier Kritik am Spekulieren geübt wird, wo doch inzwischen jeder weiß, wie skrupellos und immer noch kaum kontrollierbar Finanzjongleure agieren, doch es ist ein künstlerisch beeindruckender Film mit wenigen Worten und viel Tiefgang.
Berlin, Palais Populaire bis 10. Juli 2023. (Extra-Tipp: das herrliche Terrassen-Café)
Der Titel weist schon direkt auf die Message der Ausstellung hin. Es soll dargestellt werden, welchen Einfluss die Kunst aus dem islamischen Kulturkreis seit langem auf künstlerische Positionen im Rest der Welt besitzt.
Zu sehen sind zunächst ursprüngliche orientalische Werke, die typischerweise – religiös begründet – auf keinen Fall Menschen abbilden, sondern ornamental gestaltet sind.
Dagegen zeigen Gemälde von Henri Matisse, Wassili Kandinski und Paul Klee orientalisches Leben. Recht abstrakt, aber farbenfroh im Sonnenlicht. So wurde es offensichtlich von diesen Künstlern der klassischen Moderne wahrgenommen und als Inspiration in ihre Werke integriert.
Von den aktuellen Adaptationen sollen hier zwei Künstlerinnen exemplarisch erwähnt werden.
Nevin Aladag hatte auf der Documenta 14 mit einer großen Paravant-ähnlichen Skulptur aus Keramik-Bausteinen mit orientalischen Ornamenten beeindruckt. Auch in Zürich werden ähnliche Elemente ausgestellt. Dazu auch ein Werk aus geschnittenem Aluminium, ebenfalls ornamental.
Doch auch aktuelle politische Video-Kunst der marokkanischen Künstlerin Buchra Khalili wird in Zürich gezeigt. Ein fiktives Gartengespräch zwischen Che Guevara und Abdelkrim al Katthabi über die Taktik von Guerilla-Kämpfen ist Inhalt dieses Videos „Garden Conversations“.
Buchra Khalili machte in diesem Jahr bereits Furore, als sie den Preis der Sharjah-Biennale für ihr künstlerisches Werk erhielt.
Die Züricher Ausstellung beeindruckt durch die Vielfalt und interessante Kombination der Werke. Klar wird wieder einmal, dass die rein westliche Bewertung von Kunst im Zeitalter realer Globalisierung keineswegs die allein führende mehr ist.
Mitte November 2022 wurde bekannt gegeben, dass die Findungs-kommission für die neue Kuratorin, den neuen Kurator oder die kuratorische Gruppe aus den noch lebenden früheren Documenta-kuratoren zusammengesetzt werde. (Blog-Beitrag vom 17.11.2022)
Jetzt stellt sich aber heraus, dass dies so nicht korrekt ist. Vielmehr war es nur die Findungskommission, die die Mitglieder der neuen Findungs-kommission zusammenstellen sollte. Offensichtlich ist es nach der Diffamierung von Mitgliedern der früheren Findungskommission anlässlich der Antisemitismusvorwürfe bei der Documenta fifteen extrem schwierig gewesen, Menschen zu finden, die nicht nur kompetent sind, sondern auch bereit, die Verantwortung für eine Entscheidung zu übernehmen.
Aber es gibt sie offenbar doch, diese mutigen und gleichzeitig erfahrenen Menschen aus dem Kunstbereich:
Bracha Lichtenberg Ettinger aus Israel
Gong Yan aus Shanghai
Ranjit Hoskoté aus Mumbai
Simon Njami aus Lausanne, jetzt Paris
Kathrin Rhomberg aus Köln/Wien/Berlin
Maria Inès Rodriges aus Sao Paulo und Paris
(lt MONOPOL vom 30.3.2023)
Von hier ist ihnen zu wünschen, dass sie für ihren Mut und ihre zukünftige Arbeit den verdienten Respekt bekommen – auch von der deutschen Presse.
Im Hamburger Bahnhof in Berlin empfängt Zineb Sedira den Besucher in einer Art Holywood-Kulisse: eine Wohnung mit kuscheliger Atmosphäre im gemütlichen französischen Schnörkelbarock. In einem Wohnzimmer steht ein alter Plattenspiele. Zentral ist eine Bar mit Kaffeehausstühlen installiert, wo ein stummes Paar einen Tango auf die Tanzfläche bringt, der auch Herrn Llambi gefallen würde.
„Dreams have no Titles“. Man könnte – und sollte sich auch vielleicht – wie in einem unendlichen Liebestraum fühlen. Ein immersives Kunstwerk, so diese neue Kategorie. Der Betrachter, der hier- für die Kunstwelt ausnahmsweise – relevant ist, soll komplett eintauchen in diese idealisierte Traumwelt und wird ein notwendiger Teil des Werkes. Respekt dafür! Doch alles hat ja immer einen Haken. Im letzten fast versteckten Raum steht ein aufgebockter Sarg. Die schönste Idylle hat zwar „keine Titel“, aber ein sicheres Ende.
Das Werk ist angelehnt in die 60ger/70ger Jahre, als im Herkunftsland von Zineb Sedira, Algerien nach dessen Befreiung von der Kolonialherrschaft ein internationales Film-Mekka entstand. Sie sammelte Filmrollen aus dieser Zeit, teils geschenkt aus Hinterlassenschaften und collagierte hieraus und aus weiteren Stationen ihres eigenen Lebens diese Installation und das dazu gehörige Video.
Die erste Präsentation fand auf der Biennale in Venedig 2022 statt, wo es den gesamten französischen Pavillon ausfüllte. Kuratiert war dieser bereits von Sam Bardaouil und Till Fellrath, den aktuellen Direktoren des Hamburger Bahnhofs. Sie spielen auch kurz im Film mit, der im Kunstwerk gezeigt wird. Wer findet sie darin?
Wie die Kunst erstmals in die kommerzielle Welt vordrang
Im Wolfsburger Kunstmuseum wird diesmal nichts Neues gezeigt. Der Künstler Piet Mondrian gehört zur klassischen Moderne und ist weltweit bekannt, doch er begegnet uns bis heute tagtäglich in vielfachen Alltagsgegenständen.
Was vor 100 Jahren der Beginn einer radikalen Abstraktion in der Kunst war, findet sich heute als dekoratives Muster auf vielen Produkten. Die Einteilung der weißen Leinwand in Rechtecke mit schwarzen Umrandungen und einigen wenigen in rot, blau oder gelb gefüllten Feldern schmückt heute Kaffeebecher, Bauchtaschen oder Geschirrhandtüchern.
Die Wolfsburger Bürger waren aufgerufen, eigene Gegenstände mit dem typischen Muster der Ausstellung zur Verfügung zu stellen. Diese werden gleich im Eingangsbereich präsentiert: z.B. ein Fahrrad, ein Brettspiel oder eine Back-Anleitung für einen Mondrian-Kuchen.
Einige Original-Kunstwerke vom Künstler werden in Wolfsburg auch gezeigt, prominent platziert in einer zentralen Rotunde.
Dann widerum finden sich Adaptationen von Zeitgenossen Mondrians z.B. von Künstlern der de Stijl-Gruppe: Gerrit Rietveld und Theo van Doesburg. Offenbar war Mondrian schon zu Lebzeiten ein Trendsetter, der Kollegen wichtige Anregungen lieferte. Dazu gehören zeitgleich auch die Künstler des Bauhauses.
In einem weiteren Bereich der Ausstellung werden Werke von aktuellen Künstlern präsentiert, u.a.Ryan Gander, der IKEA-Tische zu einem hohen Turm in Grundfarben stapelte, und Iza Genzken.
Yves Saint Laurent übernahm als erster das Mondrian-Design in den 60ger Jahren in seine Kleider-Kollektion, womit die Kommerzialisierung begann, die in der Mode bis heute immer wieder auftaucht.
Sind die Exponate jetzt nur alt Bekanntes? Wohl nicht, denn die exemplarische Darstellung zeigt den Ursprung des heute aktuellen Trends, dass gerade wieder in großem Umfang global agierende Firmen Künstler*innen zur Gestaltung ihrer Produkte und/oder für deren Werbung heranziehen.
Als Beispiel hier die Schaufenster-Vitrine am KaDeWe mit Produkten im Stil von Yayoi Kusama. Doch wahrscheinlich hat sie im Gegensatz zu Piet Mondrian ein anschauliches Honorar hierfür bekommen.
„Re-Inventing Piet Mondrian und die Folgen“ , Kunstmuseum Wolfsburg 11.3. bis 16.7.2023